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Ralph Henger / Judith Niehues in BBSR-Online-Publikation Externe Veröffentlichung 9. Januar 2023 Mikrosimulation und Vorschläge zur Leistungsverbesserung des Wohngeldes

Ein wichtiger Baustein der sozialen Absicherung des Wohnens erfolgt in Deutschland über das Wohngeld. Aufgrund der gestiegenen Mieten in angespannten Wohnungsmärkten, insbesondere in urbanen Ballungsräumen und Universitätsstädten, sowie den Herausforderungen einer sozial ausgewogenen CO2-Bepreisung stand das Wohngeld in den letzten Jahren verstärkt in der öffentlichen Debatte.

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Mikrosimulation und Vorschläge zur Leistungsverbesserung des Wohngeldes
Ralph Henger / Judith Niehues in BBSR-Online-Publikation Externe Veröffentlichung 9. Januar 2023

Mikrosimulation und Vorschläge zur Leistungsverbesserung des Wohngeldes

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (Hrsg.)

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Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Ein wichtiger Baustein der sozialen Absicherung des Wohnens erfolgt in Deutschland über das Wohngeld. Aufgrund der gestiegenen Mieten in angespannten Wohnungsmärkten, insbesondere in urbanen Ballungsräumen und Universitätsstädten, sowie den Herausforderungen einer sozial ausgewogenen CO2-Bepreisung stand das Wohngeld in den letzten Jahren verstärkt in der öffentlichen Debatte.

Es fand daher eine Wohngeldreform zum 1.1.2020 statt und eine klimapolitische Entlastungspauschale wurde zum 1.1.2021 eingeführt. Zudem wurde eine Dynamisierung des Wohngeldes alle zwei Jahre eingeführt, die erstmals zum 1.1.2022 zur Anwendung kam.

Das Forschungsprojekt hat diese Reformen inhaltlich vorbereitet. Zudem wurden Vorschläge zu weiteren Leistungsverbesserungen und Weiterentwicklungen des Wohngeldes erarbeitet und umfangreiche Mikrosimulationsrechnungen zur Wirkung verschiedener Reformen durchgeführt.

Das Wohngeld spielt in der Absicherung der Wohnraumversorgung für geringverdienende Haushalte eine wichtige Rolle. Durch einen Zuschuss zur Miete (bei Mietenden) oder zu den Wohnkosten (bei selbstnutzenden Eigentümern) trägt es zur Bezahlbarkeit des angemessenen und familiengerechten Wohnens für einkommensschwache Haushalte bei. Das Wohngeld wird finanziell von Bund und Ländern paritätisch getragen. Neben der Grundsicherung ist es das zentrale Instrument der deutschen Wohnungs- und Sozialpolitik. Als Subjektförderung unterstützt es Haushalte, die über ein Einkommen verfügen, welches den Grundsicherungsbedarf ohne Wohnkosten abdeckt. Dies sind vorrangig Bezieher niedriger Altersrenten sowie einkommensschwache Familien, die neben dem Wohngeld gleichzeitig auch den Kinderzuschlag beziehen können.

Durch die Wohngeldreform im Jahr 2016 wurde das Wohngeld gestärkt und an die Einkommens- und Mietentwicklung angepasst, sodass wieder mehr einkommensschwache Haushalte unterstützt werden. Die Reichweite des Wohngeldes ging in den anschließenden Jahren jedoch wieder zurück, da die allgemeinen nominalen und realen Einkommen steigen und die jährlichen Regelbedarfserhöhungen im Leistungsbereich nach dem SGB II / SGB XII zu einem Wechsel von Wohngeldhaushalten in die Grundsicherung führten. Mit der Wohngeldreform zum 1.1.2020 wurde das Wohngeld daher erneut an die jeweiligen allgemeinen und individuellen Lebensbedingungen angepasst. Zentrale Reformelemente waren die Stärkung des Leistungsniveaus über eine reine Anpassung an die Entwicklung von Mieten und Verbraucherpreisen hinaus. Zudem wurde eine neuen Mietenstufe VII sowie eine gesetzlich festgeschriebene alle zwei Jahre stattfindende Dynamisierung der Wohngeldleistungen ab dem 1.1.2022 eingeführt.

Seit dem 1.1.2021 erhalten Wohngeldhaushalte eine klimapolitische Entlastungspauschale, um die durch die CO2-Bepreisung entstandenen Belastungen aufzufangen. Im Jahr 2021 wurde zudem die so genannte Grundrente für langjährige Versicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung mit unterdurchschnittlichem Einkommen eingeführt. Dies führt zu Einführung neuer Freibeträge für Bezieher von Grundsicherungsleistungen (SGB II, SGB XII etc.) und der Wohngeldempfänger.

Konzept: Das Forschungsvorhaben hat die im Projektzeitraum vorgenommenen Gesetzesvorhaben begleitet und untersucht, wie sich diese auf das Wohngeldsystem auswirken. Zudem wurden Vorschläge zur Weiterentwicklung des Wohngeldes konzeptionell erarbeitet und mit ihren Wirkungen analysiert. Dies geschah unter anderem mit Mikrosimulationsrechnungen auf Grundlage der „Einkommens- und Verbrauchsstichprobe“ (EVS) durchgeführt, um sozio-demografischen Charakteristika der Haushalte, Wechselwirkungen mit anderen Transfersystemen als auch finanzpolitischen Auswirkungen untersuchen zu können. Dies betrifft vorrangig Weiterentwicklungs- und Verbesserungsmöglichkeiten der aktuellen Systematik der Höchstbeträge und Mietenstufen, die mit Daten aus der Wohngeldstatistik und der Wohngeldstichprobe für den Zeitraum 2005 bis 2019 untersucht werden. Dabei wurden die Angemessenheit der Miethöchstbeträge in den einzelnen Mietenstufen (Mietspreizung) und die Einteilung der Gemeinden und Kreise in eine Mietenstufe analysiert.

Ergebnisse: Anhand des IW-Mikrosimulationsmodells wird aufgezeigt, dass die Wohngeldleistungen durch die Reform 2020 deutlich gestärkt wurden und sich dadurch der Kreis der Empfängerhaushalte ausgeweitet hat. Mit Hilfe der Dynamisierung, die zum ersten Mal im Jahr 2022 greift, gelingt es zudem den Rückgang an BBSR-Online-Publikation Nr. 38/2022 Mikrosimulation und Vorschläge zur Leistungsverbesserung des Wohngeldes 7 Zusammenfassung Wohngeldhaushalten über die Zeit zu verhindern. Für die CO2- Entlastungspauschale wurde im Projekt auf Grundlage des vorgegebenen Finanzvolumens eine Höhe von 30 Cent pro Quadratmeter Richtwohnfläche abgeleitet. Die Ergebnisse zeigen, dass durch die Pauschale ein Teil der Heizkosten und die durch die CO2- Bepreisung zusätzlichen Belastungen für die Wohngeldhaushalte aufgefangen werden können.

Die Analysen zur Grundrente zeigen, dass diese großen Auswirkungen auf die Leistungsansprüche der betreffenden Rentnerhaushalte in der Grundsicherung und im Wohngeldsystem ausübt. Insgesamt werden die meisten Rentnerhaushalte, welche die Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug der Grundrente erfüllen, finanziell bessergestellt. Einige Haushalte – je nach Rentenhöhe im Zusammenspiel mit den Freibeträgen in der Grundsicherung und im Wohngeld – wechseln dabei zwischen den Systemen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie wurden bei der Fortschreibung und der Kalibrierung des Modells in verschiedenen Szenarien berücksichtigt.

Die regionale Analyse verdeutlicht, dass die regionalen unterschiedlichen Dynamiken der Mietenentwicklung der letzten Jahre eine Neukalibrierung der Ausgestaltungsparameter der Höchstbeträge und Mietenstufensystematik erfordern. Zentrale Ansatzpunkte sollten hierfür die regionale Abdeckung der Mietunterschiede, die unterschiedlichen Überschreiterquoten in den Mietenstufen und Haushaltsgrößen sowie die Abweichungen der tatsächlichen Wohnflächen von den Normwohnflächen sein

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Ralph Henger / Judith Niehues in BBSR-Online-Publikation Externe Veröffentlichung 9. Januar 2023

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