Das Leben im Ruhrgebiet ist seit vielen Jahrzehnten von wirtschaftlichen Umwälzungsprozessen geprägt. Auch heute noch sehen sich die BewohnerInnen der Region einem vergleichsweise schwierigen wirtschaftlichen Umfeld gegenüber.
Sorgen und Demokratiezufriedenheit – das Ruhrgebiet als Sonderfall
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Das Leben im Ruhrgebiet ist seit vielen Jahrzehnten von wirtschaftlichen Umwälzungsprozessen geprägt. Auch heute noch sehen sich die BewohnerInnen der Region einem vergleichsweise schwierigen wirtschaftlichen Umfeld gegenüber.
Entsprechend überrascht es wenig, dass sich die Menschen im Ruhrgebiet mit Blick auf unterschiedliche gesellschaftliche Problemlagen besorgter zeigen und diese empirisch noch negativer einschätzen, als es im deutschlandweiten Vergleich der Fall ist. Auch eine niedrigere Wahlbeteiligung sowie eine höhere Zustimmung zu einer rechtspopulistischen Partei spiegeln die angespannten Lebenswelten wider.
Diesen Befunden muss entgegengehalten werden, dass wirtschaftliche Sorgen im Ruhrgebiet trotz des anhaltenden Strukturwandels moderat ausfallen. Auch haben sich die BewohnerInnen der Region gegeben der Umstände nicht übermäßig von den etablierten Parteien abgewendet. Auffällig unauffällig zeigt sich in der Gesamtschau insbesondere die übergeordnete Zufriedenheit mit der Demokratie. Entgegen dem schwachen gesellschaftlichen Vertrauen in die MitbürgerInnen, gibt die vorherrschende Demokratiezufriedenheit durchaus Hoffnung auf ein bisweilen verlorengeglaubtes "Wir-Gefühl". Ökonomisch mag dies in dem nachhaltigen Aufbau von Bildungs-, Digital- und Verkehrsinfrastruktur während der vergangenen Dekaden begründet liegen, die RuhrgebietsbewohnerInnen heute eine überdurchschnittlich attraktive Daseinsvorsorge bieten. Gesellschaftlich spiegelt sich die solide Verankerung der Demokratie in der wichtigen Rolle der Lokalmedien wider, deren Konsumenten das politische System weniger kritisch evaluieren. Dem Wunsch nach mehr politischer Mitbestimmung wurde im Jahr 2020 erstmals mit der Wahl eines gemeinsamen „Ruhrparlaments“ stattgegeben, das in den kommenden Jahren noch beweisen muss, inwieweit es etwa mit kommunenübergreifenden raumplanerischen Projekten in der Region überzeugen kann.
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