1. Home
  2. Studien
  3. Wie ist der starke Importanstieg aus China im Jahr 2022 zu erklären und wie haben sich die Import-Abhängigkeiten entwickelt?
Jürgen Matthes IW-Report Nr. 34 20. Juni 2023 Wie ist der starke Importanstieg aus China im Jahr 2022 zu erklären und wie haben sich die Import-Abhängigkeiten entwickelt?

In diesem Report werden Faktoren analysiert, die im Jahr 2022 zu einer ungewöhnlichen Entwicklung des deutschen Außenhandels mit China beitrugen: die Ausfuhren nach China stiegen nur um gut 3 Prozent, die Einfuhren dagegen um 34 Prozent.

PDF herunterladen
Wie ist der starke Importanstieg aus China im Jahr 2022 zu erklären und wie haben sich die Import-Abhängigkeiten entwickelt?
Jürgen Matthes IW-Report Nr. 34 20. Juni 2023

Wie ist der starke Importanstieg aus China im Jahr 2022 zu erklären und wie haben sich die Import-Abhängigkeiten entwickelt?

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

In diesem Report werden Faktoren analysiert, die im Jahr 2022 zu einer ungewöhnlichen Entwicklung des deutschen Außenhandels mit China beitrugen: die Ausfuhren nach China stiegen nur um gut 3 Prozent, die Einfuhren dagegen um 34 Prozent.

Der hohe Anstieg auf der Einfuhrseite liegt teils an Sondereffekten. So trug ein sehr starker, aber nur temporärer Anstieg in einer Untergruppe der Chemischen Erzeugnisse allein rund ein Drittel zum Anstieg des Einfuhrwertes von 34 Prozent bei. Zudem haben Preissteigerungen einen Effekt gehabt, da die gewichtsmäßige Einfuhr aus China (in Tonnen) nur um gut 8 Prozent stieg. Dieser Effekt sollte aber nicht überbewertet werden, da Preissteigerungen auch bei den Gesamteinfuhren eine große Rolle spielten und zudem teilweise länger relevant sind, also nur bedingt einen Sondereffekt darstellen. Zudem stiegen auch die gewichtsmäßigen Einfuhren aus China weit stärker als die aus allen Ländern, die um knapp 10 Prozent schrumpften. Chinas Anteil an den deutschen Einfuhren stieg also wert- und gewichtsmäßig deutlich. Jenseits gewisser Sondereffekte war der wertmäßige Einfuhranstieg aber sehr breit angelegt. Knapp über die Hälfte der 4-Steller-Produktgruppen mit auswertbaren Daten (119 von 229) weisen Einfuhrwachstumsraten von über 30 Prozent auf. Unter den Top Ten der 4-Stellerproduktgruppen mit dem stärksten Beitrag zum Gesamteinfuhrwachstum befinden sich 5 Produktgruppen der Elektroindustrie.

Mit Blick auf das angestrebte De-Risking ist relevant, dass bei einzelnen Produktgruppen auf der tief disaggregierten 8-Steller-Ebene ohnehin schon sehr hohe Abhängigkeiten noch weiter zugenommen haben. Unter den Produktgruppen mit einem Anteil Chinas an allen deutschen Einfuhren von mindestens 50 Prozent im Jahr 2021 und einem Einfuhrwert von über 10 Mio. Euro im Jahr 2022 gibt es verwertbare Ergebnisse für 298 Produktgruppen. Bei über 70 Prozent dieser Produktgruppen (211) ist der China-Anteil im Jahr 2022 weiter gestiegen. Ein überwiegender Anteilsanstieg ist auch bei Produktgruppen mit einem China-Anteil von mindestens 80 Prozent festzustellen. Es ist zwar unklar, bei welchen Produktgruppen hohe China-Anteile Verwundbarkeiten bedeuten, weil Produkte essenziell und nicht kurzfristig ersetzbar sind. Doch ist zu vermuten, dass unter den Produktgruppen mit Anteilsanstiegen auch solche sind. Eine Diversifizierung der Bezugsquellen und ein De-Risking scheinen hier offenbar noch nicht in größerem Umfang stattgefunden zu haben.

Einen Ausblick liefert die Betrachtung der Außenhandelsentwicklung Deutschlands mit China im ersten Quartal 2023. Hier ist es gegenüber dem ersten Quartal 2022 zu einem wertmäßigen Einfuhrrückgang von knapp 10 Prozent und einem Ausfuhrrückgang von über 12 Prozent gekommen. Quartalsdaten sind mit Vorsicht zu interpretieren mit Blick auf längerfristige Trends. In der Tat steuert ein Sondereffekt, genauer eine Gegenbewegung bei der oben erwähnten spezifischen Produktgruppe der Chemischen Erzeugnisse, über 60 Prozent zum Einfuhrrückgang bei. Ohne diesen temporären Effekt wären die deutschen Einfuhren aus China nur um rund 3,5 Prozent zurückgegangen. Bemerkenswert ist darüber hinaus die Entwicklung des deutschen Außenhandels mit China bei Fahrzeugen. So nahmen die Einfuhren aus China in der 4-Steller-Produktgruppe Kraftwagen und -teile im ersten Quartal 2023 gegenüber dem Vorjahresquartal um knapp 340 Prozent zu. Sie tragen damit zu rund 2 Prozentpunkten zu Veränderung der gesamten Einfuhr aus China bei. Auf der Ausfuhrseite ist die Entwicklung noch einflussreicher. So sanken die deutschen Ausfuhren von Kraftwagen und -teilen nach China um 26 Prozent im ersten Quartal 2023 gegenüber dem Vorjahr. Aufgrund des hohen Anteils dieser Produktgruppe (über 20 Prozent im Jahr 2022) steuert allein dieser Effekt knapp die Hälfte zum gesamten Ausfuhrrückgang bei. Weitere Rückgänge in den Untergruppen der Kraftfahrzeuge und der Sonstige Fahrzeuge (vor allem bei Schiffen und Luft- und Raumfahrzeugen) lassen den Fahrzeugbau insgesamt über 80 Prozent zum Ausfuhrrückgang beitragen. Bei aller interpretativen Vorsicht könnte dies aufgrund von Chinas starkem Aufholen gerade bei Elektrofahrzeugen der Anfang eines längerfristigen Umbruchs sein.

PDF herunterladen
Wie ist der starke Importanstieg aus China im Jahr 2022 zu erklären und wie haben sich die Import-Abhängigkeiten entwickelt?
Jürgen Matthes IW-Report Nr. 34 20. Juni 2023

Wie ist der starke Importanstieg aus China im Jahr 2022 zu erklären und wie haben sich die Import-Abhängigkeiten entwickelt?

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Ursachen und Folgen des außenwirtschaftlichen Wandels - Ein Vergleich mit den 1970er Jahren
Jürgen Matthes IW-Trends Nr. 1 21. Februar 2024

Ursachen und Folgen des außenwirtschaftlichen Wandels - Ein Vergleich mit den 1970er Jahren

Vor 50 Jahren stand das deutsche Exportmodell ähnlich wie heute vor großen Herausforderungen (IW-Trends, 1974). Auch wenn viele Rahmenbedingungen und Antriebsfaktoren damals anders waren, befand sich das Jahr 1974 auch in einer Phase des strukturellen ...

IW

Artikel lesen
Jürgen Matthes IW-Kurzbericht Nr. 7 16. Februar 2024

Deutsche Direktinvestitionen nach China und Hongkong auf neuem Höchststand – von Diversifizierung kaum eine Spur

Die neuen Direktinvestitionen der deutschen Wirtschaft in China (inkl. Hongkong) sind im Jahr 2023 mit 11,9 Milliarden Euro auf einen neuen Höchststand gestiegen.

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880