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Jürgen Matthes / Edgar Schmitz IW-Report Nr. 30 11. Juni 2024 Konkurrenzdruck aus China für deutsche Firmen

In einer repräsentativen Unternehmensumfrage im Rahmen des IW-Zukunftspanels unter rund 900 deutschen Firmen aus den Bereichen Industrie und industrienahe Dienstleistungen im März und April 2024 geben rund 350 der befragten Firmen an, chinesische Wettbewerber in ihren Absatzmärkten zu haben.

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Konkurrenzdruck aus China für deutsche Firmen
Jürgen Matthes / Edgar Schmitz IW-Report Nr. 30 11. Juni 2024

Konkurrenzdruck aus China für deutsche Firmen

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

In einer repräsentativen Unternehmensumfrage im Rahmen des IW-Zukunftspanels unter rund 900 deutschen Firmen aus den Bereichen Industrie und industrienahe Dienstleistungen im März und April 2024 geben rund 350 der befragten Firmen an, chinesische Wettbewerber in ihren Absatzmärkten zu haben.

Folgende Ergebnisse sind hervorzuheben: Der Anteil der Firmen mit hohem Konkurrenzdruck aus China ist relativ groß, stark gestiegen und wird weiter zunehmen. Im Produzierenden Gewerbe – dem weit gefassten Industriesektor, auf den hier meist fokussiert wird - sehen fast zwei Drittel der befragten Firmen mit China-Konkurrenz darin eine große oder eher große Herausforderung. Das gilt auch für 60 Prozent der innovativen Firmen mit China-Konkurrenz, die kontinuierlich Forschung und Entwicklung (FuE) betreiben. Ähnlich hoch sind die Anteile der Firmen, bei denen der chinesische Konkurrenzdruck in den letzten fünf Jahren gestiegen oder stark gestiegen ist und die ein weiteres Steigen oder starkes Steigen in den nächsten fünf Jahren erwarten.

Preisunterbietungen für vergleichbare Produkte von mehr als 20 Prozent verzeichnet mindestens die Hälfte der Firmen (nach verschiedenen Untergruppen). Chinesische Firmen bieten teils sogar zu Preisen an, die um mehr als 30 Prozent unter den Preisen der befragten Unternehmen liegen. Das gilt für 63 Prozent der Firmen, die einen großen Konkurrenzdruck aus China verspüren, aber auch für 37 Prozent der innovativen Firmen, die kontinuierlich FuE betreiben. Chinesische Firmen werden zwar als innovativ eingeschätzt, aber hinter dem hohen Konkurrenzdruck werden auch staatliche Subventionen vermutet. Bei beiden Aspekten liegen die Zustimmungsraten in ähnlicher Höhe – mit Anteilen von zwischen rund 55 bis über 70 Prozent je nach betrachteter Unternehmensgruppe. Als Folge des Konkurrenzdrucks drohen bei sehr vielen Firmen Marktanteilsverluste und Gewinneinbußen (60 bis fast 95 Prozent je nach Untergruppe). Ein hoher Anteil der Firmen sieht als Konsequenz auch Produktionskürzungen, Entlassungen und Verlagerungen. Rund die Hälfte der Industriefirmen mit Konkurrenz aus China beabsichtigt aus diesem Grund, Produktionskürzungen und Entlassungen vorzunehmen, fast ein Drittel plant eine Verlagerung in das kostengünstigere Ausland. Unter den Firmen, die den Konkurrenzdruck aus China als hoch empfinden, sind die Anteile bei Entlassungen und Auslandsverlagerungen noch höher. Produktionskostensenkungen und mehr Forschungsausgaben werden zwar oft auch als Reaktion genutzt, aber diese Strategien scheinen nicht auszureichen, um die drohenden negativen Folgen für die betroffenen Firmen zu verhindern. Das hat Konsequenzen für die Industriebeschäftigung: Die Unternehmen des Produzierenden Gewerbes, die aufgrund der China-Konkurrenz Entlassungen als Folge angeben, repräsentieren knapp 19 Prozent der rund 10,8 Millionen dort Beschäftigten.

Die Wahrscheinlichkeit eines Handelskriegs mit China wegen eines möglichen Taiwankonflikts in den nächsten zehn Jahren wird mit rund 70 Prozent als hoch eingeschätzt. Groß sind auch die Zustimmungsraten der Unternehmen zu Strafzöllen auf subventionierte chinesische E-Autos. Das Gleiche gilt für eine mögliche Unterbindung eines sensiblen Technologietransfers, bei dem Hochtechnologie von deutschen Firmen an das chinesische Militär abzufließen droht. Rund 80 Prozent der befragten Firmen sehen diese Maßnahmen grundsätzlich als gerechtfertigt oder teilweise als gerechtfertigt an.

Die Umfrageergebnisse belegen, dass die oft als subventioniert empfundene China-Konkurrenz einen weiteren gravierenden Stressfaktor für das deutsche Geschäftsmodell darstellt. Das Bedrohungsniveau scheint hoch zu sein. Daraus lässt sich eine relevante Gefahr für den Industriestandort und die industrielle Beschäftigung hierzulande ableiten. Selbst kontinuierliche Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen schützen nur bis zu einem begrenzten Ausmaß vor den negativen Folgen des immensen Konkurrenzdrucks. Die Zustimmungsraten der Wirtschaft zu einem härteren Vorgehen gegenüber China sind bemerkenswert hoch.

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