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Jürgen Matthes IW-Report Nr. 35 13. Juni 2022 Gegenseitige Abhängigkeit im Handel zwischen China, der EU und Deutschland

Eine Bestandsaufnahme der gegenseitigen Abhängigkeiten im Außenhandel zwischen der EU und Deutschland auf der einen Seite und China und Russland auf der anderen ist nötig, um in der Zeitenwende politische Ableitungen auf gesicherter empirischer Grundlage vornehmen zu können.

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Gegenseitige Abhängigkeit im Handel zwischen China, der EU und Deutschland
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Eine Bestandsaufnahme der gegenseitigen Abhängigkeiten im Außenhandel zwischen der EU und Deutschland auf der einen Seite und China und Russland auf der anderen ist nötig, um in der Zeitenwende politische Ableitungen auf gesicherter empirischer Grundlage vornehmen zu können.

Die ermittelten Abhängigkeiten auf Basis umfassender Angaben zum Wertschöpfungs-Handel mit TIVA-Daten der OECD (Datenstand 2018) sind in aller Regel größer, als wenn wie üblich nur der Warenhandel betrachtet wird. Bei wertschöpfungsbezogenen Import- und Exportanteilen am Handel mit allen Ländern ist China zwar noch etwas stärker von der EU abhängig als umgekehrt die EU von China. Wenn die Wertschöpfungs-Importe und -Exporte aber in Relation zur Gesamtwirtschaft gesetzt werden, sinken die Anteile nicht nur sehr deutlich, weil die heimische Wertschöpfung im Nenner hinzukommt, sondern Chinas Abhängigkeit verringert sich auch (relativ gesehen): Auf der EU-Importseite kommen 2 Prozent der gesamten Wertschöpfung im EU-Endverbrauch aus China und auf der EU-Exportseite gehen 2 Prozent der gesamten EU-Wertschöpfung in den chinesischen Endverbrauch ein. Die Anteile für China betragen import- und exportseitig jeweils 2,2 Prozent, damit ist Chinas Abhängigkeit bei diesem entscheidenden Maß nur noch geringfügig höher. Exportseitig lässt sich auch die wertschöpfungsbezogene Arbeitsplatzabhängigkeit berechnen. Gemessen an der Gesamtbeschäftigung sind die Anteile auf beiden Seiten ähnlich gering wie bei den gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungs-Anteilen. Doch in absoluten Zahlen unterscheiden sie sich deutlich im Jahr 2018: In China hängen 15,7 Millionen Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Endverbrauch der EU und 4,1 Millionen vom Endverbrauch Deutschlands ab, während es in der EU rund 3,5 Millionen und in Deutschland rund 1,1 Millionen Arbeitsplätze sind, die am Endverbrauch in China hängen. Deutschland ist auf der Exportseite anteilsmäßig deutlich stärker von China abhängig als umgekehrt: 2,7 Prozent der deutschen gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung und 2,4 Prozent der Gesamtbeschäftigung sind vom Export nach China abhängig. Bei China sind es dagegen nur 0,5 und 0,6 Prozent. 

Sorgen bereitet vor allem die Entwicklung der Abhängigkeiten. Die EU und Deutschland bauen ihre Handelsanteile mit China immer weiter aus (bei Wertschöpfungs-Handelsdaten in unvermindertem Tempo). Dagegen verringert China seine Abhängigkeit bei den entscheidenden gesamtwirtschaftlichen Handelsanteilen, vor allem weil Chinas Handelsoffenheit seit rund 15 Jahren sinkt. Waren im Jahr 2007 noch 4,4 Prozent der gesamten chinesischen Wertschöpfung vom Endverbrauch der EU abhängig, sind es zuletzt nur noch 2,2 Prozent (2018). Dieser Trend dürfte sich auch auf der Importseite fortsetzen, weil die chinesische Regierung ihre Abhängigkeit vom Ausland durch die Dual Circulation Strategie weiter abbauen will. Bei einer Fortschreibung dieser Entwicklung würde die EU mittelfristig (wie Deutschland jetzt schon) deutlich abhängiger von China als umgekehrt. Daher ist es höchste Zeit, die Abhängigkeit der EU und Deutschlands von China zu reduzieren. Es geht dabei nicht um ein Decoupling, sondern um eine Begrenzung der Abhängigkeiten, vor allem durch mehr Diversifizierung. Dazu werden einige wirtschaftspolitische Empfehlungen gegeben. 

Die EU und Deutschland sind sehr viel weniger von Russland abhängig als umgekehrt. In Russland hängen exportseitig beachtliche 9,4 Prozent der gesamten Wertschöpfung am Endverbrauch der EU, importseitig kommen 7,4 Prozent der gesamten Wertschöpfung im russischen Endverbrauch aus der EU (2018). Chinas Abhängigkeit von Westen (USA, EU, Japan, Südkorea, VK, Kanada, Australien) liegt import- und exportseitig mit 7,2 und 8,4 Prozent der gesamten chinesischen Wertschöpfung in einer ähnlichen Größenordnung wie die Russlands von der EU. Das sind zwar beachtliche rund 61 Millionen Arbeitsplätze in China. Aber wenn die starke Abhängigkeit Russlands von der EU den russischen Präsident Putin nicht von der aggressiven militärischen Eskalation abgehalten hat, wird es in China bei ähnlicher Abhängigkeit vom gesamten Westen anders sein? Das wird vermutlich auch von der Wirksamkeit der Sanktionen gegenüber Russland abhängen
 

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