Erstaunlicherweise droht er nun genau jenen Herstellern, die in den letzten Jahren Produktionskapazitäten in den USA aufgebaut haben und die inzwischen fast so viele in den USA montierte Fahrzeuge exportieren, wie sie aus Deutschland in die USA verschiffen. Mit Druck durch die Handelspolitik wird sich die US-Fahrzeugproduktion aber nicht steigern lassen, denn sie ist auf Modelle spezialisiert, für die es in Europa keinen Markt gibt. Die Argumente des Präsidenten für Strafzölle können deshalb nicht überzeugen.

Der US-Präsident droht mit Strafzöllen auf deutsche Autos, da er findet, dass zu wenige amerikanische Autos in Europa fahren und zu viele deutsche in den USA. Als Grund nennt er Zollunterschiede zwischen der EU28 und den USA. Zwar ist es richtig, dass der US-Zoll auf Pkw nur bei 2,5 Prozent liegt und der europäische bei 10 Prozent, aber auf die Marktlage hat das keinen bedeutenden Einfluss. Vielmehr verkennt der Präsident einige wichtige Entwicklungen im Weltautomobilmarkt und kommt so zu fragwürdigen Schlüssen.

Zunächst ist festzuhalten: Im Automobilsektor ist die Integration der Handelsräume EU und USA sehr weit vorangeschritten. Bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts eröffneten die größten US Autohersteller Fabriken in Europa und begannen den Markt auf der anderen Seite des Atlantiks mit vor Ort hergestellten Fahrzeugen zu versorgen. Dabei verfolgt der größte US-Autobauer General Motors aber immer eine Multimarkenstrategie. Mit anderen Worten Chevrolet hieß in Europa immer Opel oder Vauxhall, weshalb es hierzulande kaum Chevys zu sehen gibt. Ein anders Beispiel für diese Strategie war Holden in Australien. GM hat seine Strategie inzwischen geändert und sich mit dem Verkauf von Opel an den französischen Autobauer PSA im letzten Jahr fast komplett aus der EU zurückgezogen. Dennoch gilt: Im Jahr 2016 verkauften US-Hersteller 2,1 Millionen Pkw in der EU, was einem Marktanteil von 14,1 Prozent entsprach. Im gleichen Jahr erreichten die deutschen Autohersteller in den USA einen Marktanteil von 7,3 Prozent. Andere europäische Hersteller spielten dort keine nennenswerte Rolle. Der Marktanteil der US-Hersteller in Europa ist also größer als umgekehrt.