Der rasante Aufstieg der chinesischen Ökonomie zur industriellen Drehscheibe der Weltwirtschaft ist bei seinen Kompetitoren nicht ohne Konsequenz geblieben. Selbst hierzulande, wo China lange für die Verheißung der neuen Absatzmärkte umworben wurde, ist die Stimmung gekippt. Das europäische Investmentscreening und die anhaltende Diskussion um eine neue Industriepolitik spiegeln die Ängste vor der zunehmend als aggressiv empfundenen chinesischen Außenwirtschaftspolitik wider. Und gerade in der Corona-Krise grassiert in Europa die Sorge um (staatlich subventionierte) Übernahmen chinesischer Investoren. Längst offen chinakritisch ist die Stimmung in den USA, die sogar Verbündete unter Druck setzt, chinesische Wettbewerber von deren Märkten auszuschließen. Als Argumente werden wahlweise sicherheits- oder wettbewerbspolitische Bedenken angeführt.

Dabei gilt: Während die zunehmende Rolle Chinas an der globalen Wertschöpfung und dem Welthandel bekannt ist, sind die wachsenden Kapitalexporte und deren Finanzierung noch unterbeleuchtet. Schon die private Verschuldung in China ist nur schwerlich zu beziffern. Im Jahr 2018 wurde diese auf mehr als 160 Prozent des BIP geschätzt. Der Kredit-Vergabeprozess durch China im Ausland ist noch intransparenter; offizielle Datenquellen finden sich kaum. Aggregierte Daten von internationalen Datenbanken gibt es wenig und die chinesische Regierung selbst berichtet nicht zu ihren internationalen Finanzierungsprojekten. Im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften werden die externen Kredite alle durch staatlich geführte Banken vergeben. Somit fliegen diese Kredite unter dem Radar der Rating­agenturen. Diese Beschränkungen erschweren die Ortung länderübergreifender Kapitalflüsse.

In der lebhaften Diskussion um das Niveau chinesischer Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländern (The Economist, 2020) zeigt eine aktuelle Studie, dass China innerhalb der letzten beiden Dekaden zu einem der weltweit bedeutendsten Kreditgeber geworden ist, mit ausstehenden Kreditansprüchen von mehr als 1,5 Prozent des globalen Outputs (Horn et al., 2020). Dabei übersteigt die Summe der ausstehenden Kredite an China in den Schwellen- und Entwicklungsländern die aggregierten, von „Pariser Club“-Regierungen gehaltenen Schulden. In diesem Gremium werden klassischerweise in Schief­lage geratene Kredite verhandelt, bei denen etablierte Volkswirtschaften als Gläubiger auftreten.