Die zunehmende Digitalisierung der Dienstleistungsbranchen stellt Handelsstatistiker vor besondere Herausforderungen. Während klassische Dienstleistungen eine physische Präsenz beim Konsumenten voraussetzen, ist dies in der digitalen Ökonomie nicht mehr vonnöten. So kamen laut US-Handelsstatistik im Jahr 2016 rund 54 Prozent der Dienstleistungsexporte und 48 Prozent der Dienstleistungsimporte der USA aus dem Bereich der potentiell durch Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) gestützten Dienstleistungen. Im Jahr 2000 waren es noch 42 Prozent der Exporte bzw. 33 Prozent der Importe.

Digitale Dienstleistungen rücken damit in den Fokus handelspolitischer Debatten. So war in letzter Zeit vermehrt von einem durchaus beachtlichen digitalen Handelsdefizit der EU gegenüber den USA die Rede. (Fratzscher und Hommels, 2017, Pflüger, 2017). Insbesondere in Bezug auf die Debatte um die deutsche Exportstärke scheint eine eklatante Schwäche in zukunftsträchtigen Bereichen als ein gutes handelspolitisches Argument zu dienen.

Bei der Erfassung des Umfangs digitaler Dienstleistungen steckt die Handelsstatistik jedoch in den Kinderschuhen. Die diesbezüglichen Herausforderungen erstrecken sich von der Definition digitaler Dienstleistungen über Messprobleme bis hin zu Widersprüchen zwischen verschiedenen Datenquellen.

Keine eindeutige Definition

Die UNCTAD definiert digitale Dienstleistungen als alle Dienstleistungen, die tatsächlich über IKT-Netzwerke erbracht werden (Sturgeon et al., 2015). In die UNCTAD-Klassifizierung der potentiell IKT-gestützten Dienstleistungen fließen aber zusätzlich alle Dienstleistungen mit ein, die digital erbracht werden könnten . Dies beinhaltet neben den klassischen IKT-Sektoren beispielsweise auch sämtliche Dienstleistungen des Finanz- oder Bildungswesens. Die Gruppe der potentiell IKT-gestützten Dienstleistungen stellt somit lediglich eine Potentialabschätzung des digitalen Handels dar, wohingegen die IKT-Sektoren den tatsächlichen Umfang unterschätzen.