Die vorläufige Einigung auf ein Austrittsabkommen zwischen der EU und dem UK ist noch keine Garantie, dass es nicht doch zu einem harten Brexit kommt, also zu Grenzkontrollen, Zöllen und neuen regulatorisch bedingten Hemmnissen im gegenseitigen Handel. Denn der Austrittsdeal kann noch im britischen Unterhaus scheitern. Und selbst wenn das Austrittsabkommen dort angenommen wird und damit auch die Übergangsphase bis Ende 2020 in Kraft tritt, kann es danach noch zu einem harten Brexit kommen. Denn erst während der Übergangsphase, bei der sich zunächst nichts Wesentliches an den Handelsbeziehungen ändert, wird über die Details des zukünftigen Wirtschafts- und Handelsabkommens für die Zeit danach verhandelt. Beide Seiten streben mindestens ein ehrgeiziges Freihandelsabkommen ohne Zölle im gegenseitigen Handel an. Allerdings sind die Vorstellungen über die dabei machbare Handelsintegration noch recht konträr.

Daher ist nicht auszuschließen, dass die Verhandlungen über ein zukünftiges Wirtschaftsabkommen scheitern und es doch zu einem harten Brexit kommt. Das UK würde aus Sicht der EU zu einem Drittland und es würde sogar wieder Zölle auf beiden Seiten geben. Außerdem käme es zu aufwendigen Grenzkontrollen und neuen kostenträchtigen nichttarifären Handelshemmnissen, wenn das UK nicht eine Zollunion mit der EU eingeht und seine produktrelevanten Vorschriften nicht länger an bestehende und neue EU-Regeln angleicht. In der Folge müssten die Firmen auf beiden Seiten ihre Produkte für den Export kostenträchtig umbauen und im Partnerland neu zulassen.

Um die Erwartungen an die Konturen eines zukünftigen Handelsabkommens und an die Wirkungen eines harten Brexits zu vermessen, wurden im September und Oktober 2018 im Rahmen des IW-Zukunftspanels rund 1.100 deutsche Unternehmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen befragt. Das Ergebnis zeigt, dass große Skepsis über den Ausgang der Verhandlungen herrscht und die negativen Effekte eines harten Brexits auch für deutsche Firmen spürbar wären.

Sollte das vereinbarte Austrittsabkommen im britischen Parlament doch scheitern, droht ein harter Brexit direkt nach dem 29. März 2019. Die Sorge der deutschen Wirtschaft vor einem solchen Fall ist groß. Rund 39 Prozent aller befragten Unternehmen (umsatzgewichtet) rechnen mit einem No-Deal-Szenario, bei Firmen mit UK-Export sind es sogar 56 Prozent.