Gut zwei Jahre nach dem Brexit-Referendum im Juni 2016 sind die Verhandlungen über den Austritt scheinbar in eine Sackgasse geraten. Vor allem die Frage von möglichen Kontrollen an den Grenzen von Nordirland erweist sich als Stolperstein. Und obwohl mit Blick auf die zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen Kompromisslinien denkbar sind (Matthes, 2018a), scheinen auch hier die Positionen verhärtet. Sollten die Austrittsverhandlungen scheitern, wäre damit auch die vorgesehene Übergangszeit bis Ende 2020 hinfällig, die dazu dienen soll, dass für Firmen auf beiden Seiten erst danach neue Regeln im gegenseitigen Handel gelten.

Ohne Übergangsfrist würde es nach dem 29. März 2019 über Nacht zu einem harten Brexit kommen – also vor allem zur Wiedereinführung von Zöllen und Grenzkontrollen. Zumindest anfänglich droht zudem rechtliches Chaos, weil in vielen Bereichen nicht klar wäre, welche Regeln für grenzüberschreitende wirtschaftliche Transaktionen gelten würden. Die Kosten der Unsicherheit und von neuen Handelshemmnissen wären auf beiden Seiten des Ärmelkanals deutlich spürbar (Hüther et al., 2018; Matthes 2018b; 2018c).

Für die Unternehmen wäre ein No-Deal ein Horrorszenario. Aus Sorge davor haben manche Firmen laut Medienberichten bereits reagiert. Sie bauen zum Beispiel mehr Lagerkapazität auf, um Lieferverzögerungen zu überbrücken. Teilweise werden Werksferien auf die Brexit-Zeit gelegt, um das kurzfristige Chaos zu umgehen. In London wird sogar das staatliche Chartern von Schiffen diskutiert, um akute Versorgungslücken zu schließen.

Selbst wenn ein No-Deal-Szenario letztlich nicht eintreten mag, auszuschließen ist es derzeit keineswegs. Daher ist es auch für deutsche Unternehmen nötig, Notfallpläne für diesen Fall in der Schublade zu haben, um die drohenden ökonomischen Schäden zumindest in Grenzen zu halten. Um zu ermitteln, wie sich deutsche Firmen bislang darauf vorbereitet haben, hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im September und Oktober 2018 eine Umfrage unter über 1.100 deutschen Unternehmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen von der IW Consult GmbH im Rahmen des IW-Zukunftspanels durchführen lassen.