Als Gründe für die Erhöhung der Ressourceneffizienz auf gesamtwirtschaftlicher Ebene werden neben möglichen Kosten­einsparungen typischerweise auch Umwelt- und Klimaschutzgründe, die Endlichkeit der Rohstoffe und negative soziale und ökologische Folgen des Bergbaus in den Abbauländern genannt.

Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Rohstoffverbrauch

Wesentliches politisches Ziel ist, den Einsatz natürlicher Ressourcen von der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Klimaschutz weiter zu entkoppeln. Die Rohstoffproduktivität kann gesteigert bzw. die Rohstoffintensität verringert werden, wenn die Wirtschaftsleistung steigt und/oder der Rohstoffverbrauch sinkt. Eine relative Entkoppelung von Rohstoffverbrauch und Wirtschaftsleistung liegt dann vor, wenn das Bruttoinlandsprodukt schneller wächst als die Nutzung der natürlichen Ressourcen. Für eine absolute Entkoppelung ist bei wachsender Wirtschaft zudem eine absolute Reduktion des Rohstoffverbrauchs notwendig. Daher soll hier der absolute Verbrauch von Rohstoffen im Mittelpunkt stehen.

Zur Herstellung von Gütern und Erbringung von Dienstleistungen werden Rohstoffe benötigt. Güter werden in Ländern wie Deutschland importiert, weiterverarbeitet und im erheblichen Umfang als verarbeitete oder fertige Produkte auch wieder exportiert. Unter den unterschiedlichen Indikatoren, die den Rohstoffverbrauch abbilden sollen, ist der RMC (Raw Material Consumption) der umfassendste, weil er sowohl Rohstoffimporte als auch Exporte berücksichtigt, die in Vorprodukten und Fertigwaren verborgen sind. Der RMC bildet den exportbereinigten Eigenbedarf der Volkswirtschaft an Primärrohstoffen ab und beinhaltet alle Rohstoffe, die direkt oder indirekt entlang der Lieferketten von Gütern und Dienstleistungen benötigt werden. Der Import oder Export eines Autos beispielsweise beinhaltet in großem Umfang den Grenzübertritt von Rohstoffen. Der RMC addiert den heimischen Rohstoffabbau und alle direkten und indirekten Rohstoffimporte und zieht davon die direkten und indirekten Rohstoffexporte ab. In dem Wert werden damit nicht die Rohstoffverarbeitung, sondern alle Letztverbräuche von Rohstoffen im Inland abgebildet (Biebeler/Lang, 2014; Biebeler/Lang/Schlegel, 2014; Umweltbundesamt, 2018). Der RMC kann nicht direkt ermittelt werden, sondern wird über Modellrechnungen berechnet. Für die Europäische Union liegt er ab 2000 und bis 2016 für verschiedene Rohstoffe und Rohstoffklassen vor, für Deutschland lediglich für 2000 sowie von 2008 bis 2014.

Geringerer Rohstoffverbrauch in Europa

In der Boomphase bis 2008 ist der gesamte europäische Rohstoffverbrauch angestiegen. Dies galt insbesondere für Erze und sonstige Mineralien. In der Europäischen Union waren zu der Zeit jeweils Werte zu beobachten, die rund 20 Prozent über den Verbräuchen von 2000 lagen. Ein wesentlicher Grund kann hier in dem erheblichen Bauboom liegen, der insbesondere in Südeuropa zu beobachten war und der typischerweise mit einem hohen Verbrauch von Baumineralien, Stahl und Kupfer verbunden ist. Im Zuge der Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise kam es zu einem deutlichen Rückgang des Rohstoffverbrauchs, der seitdem weitgehend konstant geblieben ist. Ähnlich ist das Bild für Deutschland, wo in den Daten auf Basis der nationalen Statistik der Rückgang der Wirtschaftskrise und die anschließende Rückkehr auf das alte Niveau sichtbar sind. Seitdem hat sich der Rohstoffverbrauch vergleichsweise stabil entwickelt. Insgesamt ist der Rückgang des Ressourcenkonsums in Deutschland seit 2000 leicht höher gewesen als in der EU insgesamt.