Die Betriebe in Deutschland reagieren auf den plötzlichen Rückgang ihrer Arbeitskräftenachfrage im Zuge der Corona-Pandemie mit einer abgestuften Maßnahmenkette. Am Anfang steht der Verzicht auf Neueinstellungen und die Nutzung von Kurzarbeit und am Ende kann es auch zu Entlassungen kommen, wenn es keine anderen Möglichkeiten mehr gibt. Für die Abschätzung der Arbeitsmarktwirkungen der Krise auf Frauen und Männer ist daher zunächst die Kurzarbeit von Interesse.

Statistische Informationen zum Geschlecht der Kurzarbeiter gibt es allerdings erst mit mehrmonatiger Verzögerung. Kurzfristig verfügbar ist lediglich die Verteilung der in Anzeigen zur Kurzarbeit genannten Personenanzahl auf Branchen. In Verbindung mit dem Anteil der Geschlechter unter den Beschäftigten der jeweiligen Branchen lässt sich daraus eine Schätzung der Geschlechterverteilung der Kurzarbeiter ableiten. Die Annahme besteht darin, dass der jeweilige Geschlechteranteil an den Beschäftigten einer Branche dem Anteil an den Anzeigen auf Kurzarbeit entspricht.

In den Monaten März und April 2020 haben die Betriebe für insgesamt 10,1 Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt (BA, 2020a,b). Die Branchenschwerpunkte waren die Metall- und Elektro-Industrie mit 1,8 Millionen, der Handel mit 1,8 Millionen und die Gastronomie und Beherbergung mit 1,0 Millionen Beschäftigten.

Während in der Industrie der Frauenanteil und damit die Betroffenheit von Kurzarbeit bei Frauen vergleichsweise gering ist, verhält es sich im Einzelhandel, der allein für 800.000 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt hat, andersherum (BA, 2020c). Hier sind knapp 70 Prozent der Beschäftigten weiblich. In der Gastronomie ist das Verhältnis annähernd ausgeglichen. Große Unterschiede gibt es im Gesundheitswesen, wo immerhin für 500.000 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt wurde. Hier arbeiten zu über 80 Prozent Frauen. Demnach beträgt über alle Sektoren die geschätzte Gesamtzahl von Frauen, für die im März und April 2020 Kurzarbeit angezeigt wurde, rund 4,1 Millionen Beschäftigte, während etwa 6,0 Millionen Männer von (angezeigter) Kurzarbeit betroffen sein dürften. Insofern fällt der geschätzte Anteil von Frauen unter den Kurzarbeitern mit 41 Prozent etwas geringer aus als ihr Anteil unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, der bei 46 Prozent liegt.

Zwar mag ein Unterschied in der Betroffenheit von Frauen bei der Kurzarbeit gegenüber der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 zu beobachten sein, wenn die Wirtschaftsbereiche mit den höchsten Frauenanteilen miteinander verglichen werden (Hammerschmid et al., 2020). Allerdings zeigt eine Korrelationsanalyse der aktuell verfügbaren Daten, dass de facto kein Zusammenhang zwischen dem Frauenanteil unter den Beschäftigten einer Branche und dem Anteil der von angezeigter Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten (März und April 2020) in diesen Branchen besteht. Insofern liegen keine Hinweise vor, dass Branchen mit einem höheren Frauenanteil überdurchschnittlich stark von (angezeigter) Kurzarbeit betroffen sind.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob Frauen oder Männer durch die Corona-Krise derzeit stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass die Arbeitslosenquote von Männern und Frauen zwischen März und April eines Jahres in der Vergangenheit grundsätzlich sinkt oder nicht ansteigt (Grafik). Allerdings hat sie im April 2020 im Vergleich zum Vormonat gleichermaßen um 0,7 Prozentpunkte zugenommen und betrug zuletzt 6,2 Prozent für Männer und 5,4 Prozent für Frauen (BA, 2020d). Im Vergleich zum Vorjahresmonat beläuft sich der Anstieg für Männer auf 1,0 und für Frauen auf 0,8 Prozentpunkte. Allgemein liegt die Arbeitslosenquote der Frauen seit Ende der 2000er Jahre im Jahresdurchschnitt unter der von Männern.