Fachkräfteengpässe nehmen zu. Besonders gravierend sind sie in den Kernberufen der Digitalisierung, die für große Familienunternehmen eine zentrale Bedeutung aufweisen.

Die Zahl der Fachkräfteengpässe in Deutschland steigt und erfasst immer mehr Berufe und Regionen. In einigen Berufsfeldern mangelt es vor allem an Fachkräften mit Aus- oder Fortbildungsabschluss, in anderen fehlen Akademiker.

Die Auswertung von Online-Stellenanzeigen großer Familienunternehmen hat ergeben, dass für sie vier technisch geprägte Berufsfelder, denen zur Gestaltung der digitalen Transformation eine zentrale Bedeutung zukommt, eine besondere Relevanz aufweisen.

Die IT-Berufe weisen eine starke Beschäftigungsdynamik auf. Es gilt, die Aus- und Weiterbildung zu stärken und Quereinstiege zu fördern.

Die IT-Berufe sind ein hochqualifiziertes Berufsfeld mit einem sehr hohen Beschäftigungsaufbau, der jedoch hinter den Wünschen der Unternehmen immer noch deutlich zurückbleibt. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen ist in nur zwei Jahren um 50 Prozent gestiegen. Im Süden Deutschlands sind die Fachkräfteengpässe stärker als im Norden.

In den IT-Berufen besteht derzeit eine sehr hohe Nachfrage nach Experten in den Fachrichtungen Informatik und Wirtschaftsinformatik. Zudem mangelt es an Softwareentwicklern sowie an Hybrid-Qualifikationen in Schnittstellenberufen wie beispielsweise bei Anwendungsberatern oder im ITVertrieb.

Die Berufsausbildung in den technischen IT-Berufen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Nachfrage seitens der Bewerber ist hoch und bietet weiteres Ausbaupotenzial zur Qualifizierung von Fachkräftenachwuchs für große Familienunternehmen. Insbesondere in Nord- und Ostdeutschland sind viele Bewerber unversorgt, während Unternehmen von Nordrhein-Westfalen bis Bayern sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg häufig nicht alle Lehrstellen besetzen können. Hier sollten überregionale Rekrutierungspotenziale genutzt werden.

Da im IT-Berufsfeld traditionell viele Quereinsteiger ohne einschlägige Berufsabschlüsse arbeiten, sollten Unternehmen sich auf die tatsächlichen Fähigkeiten von Bewerbern fokussieren.

Familienunternehmen könnten das gut ausgebaute berufliche Weiterbildungssystem intensiver nutzen, da es die Qualifizierung der sehr gefragten IT-Experten ermöglicht.

Die Hochschulen können die hohe Nachfrage nach IT-Absolventen derzeit nicht befriedigen. In der Mitte und im Osten Deutschlands werden verhältnismäßig viele Absolventen ausgebildet, denen jedoch nur eine geringe regionale Nachfrage gegenübersteht. Hier können Familienunternehmen gezielt anwerben.

In Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen fehlen vor allem beruflich Qualifizierte, weshalb Ausbildung und überregionale Rekrutierung gestärkt werden sollten.

Die Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe sind das größte in dieser Studie untersuchte Berufsfeld. Fachkräfte mit Berufsausbildung stellen über 70 Prozent der Belegschaften. Bei den gemeldeten Stellen liegt ihr Anteil noch höher.

Insgesamt ist in 14 von 19 betrachteten Berufen ein Fachkräfteengpass zu verzeichnen, weil weniger als zwei Arbeitslose auf eine gemeldete offene Stelle kommen. Den gravierendsten Mangel gibt es an beruflich qualifizierten Fachkräften, etwa in der Maschinenbau- und Betriebstechnik oder in der Kraftfahrzeugtechnik.

Bei Experten mit Diplom oder Masterabschluss ist die Lage dank stark gestiegener Absolventenzahlen inzwischen entspannter, wenn auch weiterhin eng. Insbesondere Maschinenbauingenieure sind gefragt. Regional konzentrieren sich die Absolventen stärker als in anderen Berufsfeldern. Familienunternehmen sollten daher prüfen, an welchen Hochschulen sich die Rekrutierung lohnt, auch wenn diese nicht im direkten Einzugsgebiet liegt.

Für die digitale Transformation fehlen Fachkräfte mit Berufsausbildung

Anteil der Stellen verschiedener Berufe, die 2017 nicht im Arbeitsagenturbezirk des Unternehmens besetzt werden konnten