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Galina Kolev IW-Kurzbericht Nr. 110 2. November 2020 US-Präsidentschaftswahl: Wo die US-Wirtschaft am Wahltag steht

Wenige Stunden vor dem Ende der Präsidentschaftswahl in den USA steht die wirtschaftliche Erholung des Landes im Zuge der Covid-19-Krise auf wackeligen Beinen. Zwar deuten einige Vorlaufindikatoren auf eine weitere Expansion der US-Wirtschaft im Herbst 2020 hin. Doch die im Oktober erneut rasant gestiegenen Infektionszahlen gefährden die sich abzeichnende Stabilität und erfordern ein gezieltes Vorgehen, um die Virusausbreitung einzudämmen.

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Wo die US-Wirtschaft am Wahltag steht
Galina Kolev IW-Kurzbericht Nr. 110 2. November 2020

US-Präsidentschaftswahl: Wo die US-Wirtschaft am Wahltag steht

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Wenige Stunden vor dem Ende der Präsidentschaftswahl in den USA steht die wirtschaftliche Erholung des Landes im Zuge der Covid-19-Krise auf wackeligen Beinen. Zwar deuten einige Vorlaufindikatoren auf eine weitere Expansion der US-Wirtschaft im Herbst 2020 hin. Doch die im Oktober erneut rasant gestiegenen Infektionszahlen gefährden die sich abzeichnende Stabilität und erfordern ein gezieltes Vorgehen, um die Virusausbreitung einzudämmen.

Die Präsidentschaftskandidaten werben jeweils mit unterschiedlichen Ansätzen, sowohl im Umgang mit der Virusausbreitung als auch in der Wirtschaftspolitik. Ihre Stellung als Exportzielland Nummer eins für die deutsche Wirtschaft dürften die USA unabhängig vom Ausgang der Wahl bis zum Ende des Jahres 2020 jedoch verlieren.

Kurz vor der Präsidentschaftswahl vermeldete das Bureau of Economic Analysis den stärksten quartalsmäßigen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Aktivität seit Beginn seiner Zeitreihe im Jahr 1947. Um satte 33,1 Prozent ist das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA im dritten Quartal 2020 auf das Jahr hochgerechnet gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Zwar ist die Entwicklung erfreulich, nachdem Einbrüche von 5 Prozent im ersten und von 31,4 Prozent im zweiten Quartal verzeichnet wurden, jeweils auf das Jahr hochgerechnet gegenüber dem Vorquartal. Übersetzt man diesen Wert jedoch in das für die hiesige Berichterstattung übliche Format, so ist das Wirtschaftswachstum in den USA im dritten Quartal mit 7,4 Prozent vergleichbar mit der Erholung in Deutschland mit 8,2 Prozent (Abbildung). Kombiniert man die Daten aus den ersten neun Monaten des Jahres, verzeichnet die gesamtwirtschaftliche Leistung in den USA insgesamt einen Rückgang in Höhe von 3,5 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2019 in preisbereinigter Rechnung. Von der Größenordnung her ist dieser Rückgang vergleichbar mit dem Wert für Deutschland: Hierzulande lag das reale BIP nach den Entwicklungen seit Anfang des Jahres am Ende des dritten Quartals um 4,3 Prozent unter dem Niveau des vierten Quartals 2019. Somit lag das preis- und saisonbereinigte BIP in den USA in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 um 3,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zum Vergleich: In Deutschland war in den ersten drei Quartalen im Durchschnitt ein Rückgang von 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu verzeichnen.

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Den größten Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung leisteten die privaten Konsumausgaben, die gemessen am BIP die größte Komponente auf der Verwendungsseite darstellen und im dritten Quartal ein Wachstum in Höhe von 8,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal aufwiesen (nicht auf das Gesamtjahr hochgerechnet). Doch auch hier reicht der Anstieg nicht, um den Rückgang um 9,6 Prozent im zweiten Quartal und 1,8 Prozent im ersten Quartal zu kompensieren, sodass sich ein Gesamtrückgang seit Anfang des Jahres in Höhe von 3,3 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2019 ergibt.

Vom Außenhandel her kommen bisher negative Wachstumsimpulse für die US-Wirtschaft. Zwar legten die gesamtwirtschaftlichen Exporte im dritten Quartal um beachtliche 12,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Jedoch ist dieser Anstieg kaum mit dem Rückgang um 22,8 Prozent im zweiten Quartal zu vergleichen. Die USA importierten zudem 17,6 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen im dritten Quartal als in den vorangehenden drei Monaten und auch der Rückgang der Importe im zweiten Quartal fiel mit 17,7 Prozent wesentlich geringer aus. Somit hat der Außenhandel die wirtschaftliche Entwicklung des Landes deutlich über das Ausmaß hinaus ausgebremst, das sich durch das Infektionsgeschehen und die verabschiedeten konjunkturstabilisierenden Maßnahmen in den USA erklären lässt.

Die wirtschaftliche Erholung dürfte sich im Oktober fortgesetzt haben. Der Einkaufsmanagerindex liegt seit Juli über der Expansionsschwelle von 50 Punkten und betrug im Oktober 53,3 Punkte im Verarbeitenden Gewerbe und 56,0 Punkte im Dienstleistungssektor. Die Arbeitslosenquote war mit 7,9 Prozent im September in etwa nur noch halb so hoch wie im April 2020, was zu einer weiteren Entspannung der wirtschaftlichen Lage und zu positiven Impulsen beim Privaten Verbrauch im vierten Quartal führen dürfte. Dass die Erholung auf wackeligen Beinen steht, zeigt jedoch die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze, die im September im Vormonatsvergleich wieder rückläufig waren, nachdem sie vier Monate in Folge angestiegen waren.

Wer auch immer als Sieger aus der Präsidentschaftswahl hervorgehen wird, die Herausforderungen für die US-Wirtschaft sind immens. Der Ausgang der Präsidentschaftswahl dürfte die wirtschaftliche Entwicklung in den USA sowohl in der kurzen als auch in der mittleren und langen Frist stark beeinflussen. Denn die Kandidaten werben nicht nur mit einem unterschiedlichen Umgang mit der Corona-Pandemie, sondern auch mit unterschiedlichen Plänen für die US-Wirtschaftspolitik. Während mit Donald Trump das zweite Konjunkturpaket kaum das Volumen von 2 Billionen US-Dollar überschreiten dürfte, versprechen die Demokraten wesentlich mehr Hilfen für die angeschlagene Wirtschaft, die Bevölkerung und das Gesundheitswesen. Je nach Ausgang der US-Wahl beläuft sich der Unterschied des geplanten Impulses auf bis zu 10 Prozentpunkte gemessen am BIP. Zudem würden die Demokraten ihr Unterstützungsprogramm mehr zugunsten von US-Bürgerinnen und US-Bürgern mit niedrigeren Einkommen einsetzen, die statistisch betrachtet eine höhere marginale Konsumneigung aufweisen und somit eher das zusätzliche Einkommen ausgeben würden. Insgesamt dürfte der konjunkturelle Impuls bei einem Machtwechsel in den USA höher ausfallen als im Fall einer zweiten Amtszeit von Donald Trump.

Mittelfristig dürften die von Joe Biden geplanten Steuererhöhungen zwar die wirtschaftliche Entwicklung in den USA leicht ausbremsen. Angestrebt wird eine Steigerung der Unternehmensbesteuerung um 7 Prozentpunkte (Hentze, 2020). Doch die Steuererhöhung soll durch kräftige Ausgabenprogramme und Investitionsanreize für Innovationen in Schlüsselbranchen, wie der künstlichen Intelligenz, der Elektromobilität oder dem Ausbau der 5G-Mobilfunknetze, begleitet werden. Und auch der weniger konfrontative wirtschafts- und außenpolitische Kurs, der bei einem Machtwechsel zu erwarten wäre, dürfte für mehr Verlässlichkeit sorgen und die wirtschaftspolitische Unsicherheit senken. Im Ergebnis könnte dies wichtige positive Impulse bei der Investitionstätigkeit auslösen.

 

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Für die auf Investitionsgüter spezialisierten deutschen Exporteure wären das positive Nachrichten, zumal sie die Auswirkung der Corona-Pandemie in den USA, ähnlich wie in anderen Industrieländern, deutlich zu spüren bekommen haben. In den ersten acht Monaten des Jahres 2020 lagen die nominalen Warenexporte in die USA trotz der Erholung in den Sommermonaten um 17 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zwar sind die USA gemäß den Daten für die ersten acht Monate immer noch gemessen am Exportumsatz das Exportzielland Nummer eins für die deutsche Wirtschaft. Jedoch hat China durch die (gemäß offiziellen Angaben) bessere Infektionslage und die beschleunigte Wirtschaftsdynamik im zweiten und dritten Quartal des Jahres nicht nur Frankreich als Exportzielland überholt, sondern auch den Abstand zu den USA deutlich verringert. Während deutsche Unternehmen von Januar bis August 2019 um 16 Milliarden Euro mehr Waren in die USA exportierten als nach China, war das US-Exportgeschäft im entsprechenden Zeitraum im Jahr 2020 nur um knapp 6 Milliarden höher als das Exportgeschäft mit China. Unter Berücksichtigung der Infektionslage im Herbst ist nicht ausgeschlossen, dass China im Jahr 2020 die USA als das wichtigste Exportzielland Deutschlands ablösen wird (Kolev, 2020).

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