1. Home
  2. Studien
  3. Ist Ungleichheit schlecht für das Wirtschaftswachstum?
IW-Report Nr. 14 23. Mai 2016 Galina Kolev / Judith Niehues Ist Ungleichheit schlecht für das Wirtschaftswachstum?

Eine Neubewertung des Zusammenhangs für Deutschland

PDF herunterladen
Ist Ungleichheit schlecht für das Wirtschaftswachstum?
IW-Report Nr. 14 23. Mai 2016 Galina Kolev / Judith Niehues

Ist Ungleichheit schlecht für das Wirtschaftswachstum?

IW-Report

Galina Kolev / Judith Niehues Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Eine Neubewertung des Zusammenhangs für Deutschland

Die zunehmende Ungleichheit in Deutschland habe zu weniger Wirtschaftswachstum geführt: So lautet das Ergebnis einer OECD-Studie, die in Verteilungsdebatten immer wieder zitiert wird. Doch Replikationen dieser Schätzungen zeigen, dass dieser Befund für Deutschland nicht haltbar ist. Zwar könnte die Ungleichheit einen negativen Einfluss auf das Wachstum haben. Allerdings nicht generell, sondern in Volkswirtschaften mit einem geringen Bruttoinlandsprodukt (BIP) – als Orientierungswert zeigen die Schätzungen ein BIP von 9.000 US-Dollar pro Kopf. Denn in jenen Ländern sind ärmere Bevölkerungsgruppen meist von Bildung ausgeschlossen, und das Gesellschaftssystem insgesamt ist eher instabil. Für Industrienationen wie Deutschland ist der Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Wachstum hingegen, wenn überhaupt nachweisbar, eher positiv, weil Ungleichheit die Anreize für Unternehmertum und Innovationen steigert. Das gilt zumindest, solange die Ungleichheit nicht überhandnimmt. Ab einem Gini-Koeffizienten von etwa 0,35 wird es wahrscheinlicher, dass Ungleichheit das Wirtschaftswachstum hemmt. In Deutschland liegt der Gini-Koeffizient mit 0,29 weit unter diesem Schwellenwert. Die Ungleichheit legte einzig von 2000 bis 2005 merklich zu, als auch die Wirtschaft schwächelte. Die Ungleichheit taugt also nicht zur Erklärung des langsamen Wirtschaftswachstums, da sie parallel und nicht in der Vorperiode anstieg. Die Ungleichheit führt zudem keineswegs zu einer immer stärker verunsicherten Gesellschaft: Zu kaum einem Zeitpunkt waren die Sorgen um die allgemeine und eigene wirtschaftliche Situation geringer als heute.

PDF herunterladen
Ist Ungleichheit schlecht für das Wirtschaftswachstum?
IW-Report Nr. 14 23. Mai 2016 Galina Kolev / Judith Niehues

Galina Kolev / Judith Niehues: Ist Ungleichheit schlecht für das Wirtschaftswachstum? – Eine Neubewertung des Zusammenhangs für Deutschland

IW-Report

Galina Kolev / Judith Niehues Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Vermögensverteilung in Deutschland und Europa
iwd 17. September 2026 Judith Niehues / Maximilian Stockhausen

Vermögensverteilung in Deutschland und Europa

In Deutschland beträgt das durchschnittliche Vermögen der Haushalte mit rund 450.000 Euro mehr als in Frankreich, aber weniger als in Belgien oder Luxemburg. Im Vergleich zu den drei Nachbarstaaten ist das Vermögen in der Bundesrepublik allerdings ungleicher verteilt.

Judith Niehues / Maximilian Stockhausen iwd

Artikel lesen
IW-Kurzbericht Nr. 58 1. September 2026 Björn Kauder

Öffentlicher Dienst: Potenziale durch mehr Vollzeit

Der öffentliche Dienst beklagt einen Personalmangel, der sich in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte. Der bezifferte Bedarf ließe sich rein rechne-risch zu einem erheblichen Teil durch eine Auswei-tung der Tätigkeit in Richtung Vollzeit decken.

Björn Kauder IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880