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Geld oder Gold Wirtschaft und Ethik 18. Juli 2012 Der Wert des Vertrauens

Die enge Verbindung zwischen wirtschaftlichem Handeln und Vertrauen zeigt sich besonders beim Geld. Täglich werden in Deutschland Transaktionen ganz selbstverständlich mit Münzen, Scheinen und über 140 Millionen Kredit- und EC-Karten getätigt. Dabei ist zumindest bis zur Krise den meisten Menschen nur selten bewusst gewesen: Das Geld selber hat keinen Wert, sondern gewinnt diesen erst durch das Vertrauen in seine Werthaftigkeit.

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Die enge Verbindung zwischen wirtschaftlichem Handeln und Vertrauen zeigt sich besonders beim Geld. Täglich werden in Deutschland Transaktionen ganz selbstverständlich mit Münzen, Scheinen und über 140 Millionen Kredit- und EC-Karten getätigt. Dabei ist zumindest bis zur Krise den meisten Menschen nur selten bewusst gewesen: Das Geld selber hat keinen Wert, sondern gewinnt diesen erst durch das Vertrauen in seine Werthaftigkeit.

In den Wirtschaftswissenschaften werden Geld die drei Funktionen als Zahlungsmittel, Recheneinheit und als Wertaufbewahrungsmittel zugeschrieben. Diese Funktionen kann Geld nur erfüllen, wenn es als allgemeines Zahlungsmittel akzeptiert wird. Da in neoklassischen Modellen vollkommene Informationen der Akteure über- und untereinander unterstellt werden, wird in den Analysen der Faktor Vertrauen kaum berücksichtigt. Dabei hat bereits 1900 der Soziologe Georg Simmel in seiner „Philosophie des Geldes“ festgestellt: ein funktionierendes Geldwesen basiert zum einen auf dem Vertrauen in die ausgebende Instanz (die Zentralbank) und zum anderen, dass das erhaltene Geld später zum selben Wert verwendet werden kann.

Seit den 1980er Jahren gelten von der Politik unabhängig agierende Zentralbanken auch in der Ökonomik als Voraussetzung für die Geldwertstabilität. Politiker haben der Theorie zufolge ein Interesse daran, über eine freigiebige Geldpolitik großzügigere Staatsausgaben zu finanzieren, um Wählerstimmen zu gewinnen. Mit der Delegation der Geldpolitik an eine unabhängige Zentralbank soll eine derartige Expansion der Geldmenge vermieden und damit Vertrauen in die Währung geschaffen werden. Gerät dieses Vertrauen ins Wanken, sind Unsicherheiten auf dem Geld- und Kapitalmarkt und der Wertverlust des Geldes die Folge. Die vielen Milliarden Euro, die für Rettungsschirme aufgebracht werden sollen, um das Bankensystem zu retten, dienen deshalb letztlich der Stabilisierung des Vertrauens in das Geld. Aufgrund des hohen Anteils an Buchgeld im Vergleich zum Bargeld soll damit ein sogenannter „Bankrun“ vermieden werden, bei dem die Sparer das Vertrauen in die Banken verlieren und deshalb lieber Bar- statt Buchgeld horten möchten. Die beliebtesten Anlagen bei Unsicherheit sind Immobilien und Gold. Insbesondere das Edelmetall gilt seit jeher als krisenfeste Wertanlage, was die Immobilienkrise in Südeuropa und den USA noch verstärkt hat. Der starke Nachfrageanstieg führt zu steigenden Goldpreisen. So lassen sich Verunsicherungen über die Geldwertstabilität gut über den Anstieg des Weltmarktpreises von Gold abbilden (siehe Abbildung). Hinter den jüngsten Preissteigerungen des Goldes kann eine Reaktion auf die zunehmend expansivere Geldpolitik der Notenbanken vermutet werden, mit der versucht wurde, die Folgen der verschiedenen Krisen zu bekämpfen.

Aber Vertrauen spielt auch jenseits des Geldes eine vielfach unterschätzte Rolle. Vertrauen Menschen ihren Verhandlungspartnern, verzichten sie auf zeitintensive Nachforschungen und kostspielige Absicherungsmaßnahmen. Vertrauen sorgt dafür, dass Transaktionskosten eingespart werden können. Zahlreiche Studien belegen: je größer das Vertrauen, desto besser die wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft.

Dies wird allerdings vielfach erst deutlich, wenn Vertrauen fehlt – zum Beispiel in die staatlichen Institutionen, weil es viele korrupte Staatsbedienstete gibt (vgl. Seite 3 dieses Infodienstes). Ein Land, in dem Menschen einander und den formellen Institutionen nicht mehr vertrauen, muss auf einen wesentlichen Treiber für Wohlstand verzichten: die Arbeitsteilung. Wer dem Bauern nicht traut, dass die Milch nicht gepantscht oder das Gemüse nicht verunreinigt ist, baut lieber selber Gemüse an und hält sich eine Kuh. Wer der Steuerbehörde und der Regierung nicht traut, arbeitet lieber ohne Absicherung schwarz und verzichtet trotz guter Ausbildung auf berufliche Perspektiven. Und vertraut dann dem Nachbar nicht mehr, weil er ihn verraten könnte.

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