Die deutsche Volkswirtschaft steht aktuell und in diesem Jahrzehnt vor gewaltigen Herausforderungen. Verschiedene Veränderungen wie der demografische Wandel, die Digitalisierung, die Dekarbonisierung und die Deglobalisierung beeinflussen gleichzeitig die Produktionsprozesse und Absatzmärkte von Unternehmen und erfordern dort umfangreiche Anpassungen und neue innovative Lösungen.
Bildungspolitik – Was jetzt zu tun ist: Handlungsempfehlungen an die Politik nach den Bundestagswahlen
Gutachten für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die deutsche Volkswirtschaft steht aktuell und in diesem Jahrzehnt vor gewaltigen Herausforderungen. Verschiedene Veränderungen wie der demografische Wandel, die Digitalisierung, die Dekarbonisierung und die Deglobalisierung beeinflussen gleichzeitig die Produktionsprozesse und Absatzmärkte von Unternehmen und erfordern dort umfangreiche Anpassungen und neue innovative Lösungen.
Um diese genannten Herausforderungen bewältigen zu können, werden Arbeitskräfte benötigt, die mit den erforderlichen Kenntnissen und Fähigkeiten ausgestattet sind. Dies stellt auch besondere Anforderungen an das Bildungssystem. Das Bildungssystem trägt den genannten Anforderungen gegenwärtig nicht in ausreichendem Maße Rechnung. Es sind daher in den kommenden Jahren weitere Investitionen in das Bildungssystem notwendig. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass insbesondere in diejenigen Maßnahmen investiert wird, mit denen sich ein hoher Ertrag erzielen und das Wirtschaftswachstum in Deutschland langfristig stärken lassen. Dazu werden in dieser Studie entsprechende Vorschläge gemacht.
Der demografische Wandel wird zu einer Abnahme der Gesamtzahl an Erwerbspersonen führen. Diese Entwicklung wird – isoliert betrachtet – zu einem Rückgang der Wachstumsdynamik in Deutschland führen. Da her ist es von besonderer Bedeutung, die Produktivität der zahlenmäßig weniger werdenden Erwerbspersonen zu steigern. Für das Bildungssystem bedeutet dies, dass die Bevölkerung mit möglichst hohen Bildungsabschlüssen und möglichst hohen Kompetenzen ausgestattet sein sollte. Zudem sollten alle vorhandenen Potenziale der Kinder und Jugendlichen bestmöglich genutzt werden.
Die Umsetzung dieses Ziels wird jedoch von einigen gegenwärtigen Entwicklungen im Bildungssystem gehemmt:
- Verschiedene Schulleistungsstudien wie PISA und der IQB-Bildungstrend führen zu dem Ergebnis, dass die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Deutschland am aktuellen Rand zurückgehen, was einigen von ihnen den Übergang in weitere Ausbildungsgänge erschweren kann.
- Am aktuellen Rand hat ebenfalls der Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Herkunft und erreichten Kompetenzen wieder zugenommen. Dies bedeutet, dass nicht alle Potenziale der Schülerinnen und Schüler bestmöglich zur Entfaltung gebracht werden und nicht dafür gesorgt wird, dass alle über die nötigen Kompetenzen für einen erfolgreichen Berufseinstieg verfügen. Insbesondere trifft dies auf Kinder aus bildungsfernen Schichten und/oder mit Migrationshintergrund zu. Hier spielen die oftmals nicht ausreichenden Deutschkenntnisse eine große Rolle.
Um auf die demografische Herausforderung angemessen zu reagieren, sollten daher zum einen Anstrengungen unternommen werden, alle Kinder und Jugendliche bestmöglich zu fördern. Zum anderen sollten Maß nahmen ergriffen werden, um die Zahl der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Personen mit guten Qualifikationen zu erhöhen. Um diese Ziele zu erreichen, können folgende Maßnahmen einen Beitrag leisten:
- Ausbau der frühkindlichen Förderung: Mit dieser Maßnahme kann zum einen ein wichtiger Beitrag für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geleistet werden. Dementsprechend kann das Arbeitspotenzial insbesondere von Frauen gesteigert werden. Zudem lassen sich in frühen Phasen der Kindheit viele Kompetenzen leichter verbessern als in späteren Lebensphasen und die Effizienz von späteren Lernprozessen wird verbessert. Es ist somit effizienter, in frühe Bildungsmaßnahmen zu investieren als spätere Nachqualifizierungsmaßnahmen vorzunehmen. Insbesondere Kinder aus benachteiligter Bildungspolitik – Was jetzt zu tun ist 5 Familien können von frühen Bildungsmaßnahmen profitieren, sodass auch ein Beitrag zu einer Reduzierung der Ungleichheit der Bildungschancen geleistet werden kann.
- Bessere Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher im Schulsystem: Die Förderung von bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen sollte sich auch im Schulsystem fortsetzen. Hier können Ganztagsangebote und Sprachförderung eine große Rolle spielen. Auch das Startchancen-Programm, das gezielt Schulen mit einem großen Anteil an Kindern mit hohem Förderbedarf unterstützt, sollte ausgeweitet werden. Ziel ist es, die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit sehr geringen Kompetenzen zu verringern, Schulabbrüche ohne Abschluss zu vermeiden und den Übergang in eine berufliche Ausbildungsmaßnahme zu erleichtern. Geis-Thöne/Plünnecke (2024a) zeigen, dass das Startchancenprogramm aus Sicht der öffentlichen Haushalte hoch rentabel ist. Je nachdem, ob es gelingt, mit der aktuellen Ausstattung des Startchancen-Programms die Zahl der erreichten Risikoschülerinnen und -schüler um die anvisierte Hälfte oder auch nur um ein Viertel zu senken, kann ein langfristiger positiver Nettoeffekt der Maßnahme von 92,6 Milliarden beziehungsweise 36,3 Milliarden Euro für die Einnahmen der öffentlichen Haushalte erzielt werden. Entsprechend höher fällt der Ertrag aus, wenn das Programm, eine positive Evaluation vorausgesetzt, deutlich ausgeweitet wird.
- Stärkung der Zuwanderung über die Hochschule: Um die Zahl der qualifizierten Personen in Deutschland zu erhöhen, sollten mehr internationale Studierende für ein Hochschulstudium in Deutschland gewonnen werden. Geis-Thöne/Plünnecke (2025) zeigen, dass diese Maßnahme zu positiven Effekten auf die öffentlichen Finanzen und das Wachstum führen kann. Es sind zunächst zusätzliche Ausgaben für die Studienplätze erforderlich. Selbst unter ungünstigen Annahmen zum späteren Verbleib der internationalen Hochschulabsolventen in Deutschland führen diese Ausgaben langfristig jedoch zu deutlich höheren Mehreinnahmen der öffentlichen Hand. Für die im Jahr 2022 rund 79.000 internationalen Studienanfängerinnen und -anfänger mit Bleibeabsicht ergeben sich Nettoerträge für die öffentliche Hand je nach Szenario von 7,4 Milliarden Euro bis 26 Milliarden Euro. Die Amortisation der Investitionen erfolgt dabei zugleich relativ kurzfristig. Dazu stabilisieren die Zuwanderinnen und Zuwanderer über die Hochschulen den demografiebedingten Rückgang des Wachstumspotenzials. Die Wachstumsrate steigt durch die jährliche Ausbildung der internationalen Studierenden im Umfang von 79.000 Studienanfängerinnen und -anfänger um rund 0,1 Prozentpunkte. Damit kann der zu erwartende demografiebedingte Rückgang des Potenzialwachstums um 0,5 Prozentpunkte zu rund einem Fünftel allein durch die Ausbildung internationaler Studierender reduziert werden.
Bildungspolitik – Was jetzt zu tun ist: Handlungsempfehlungen an die Politik nach den Bundestagswahlen
Gutachten für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
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IW
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Während in den letzten Jahren viel über das Elterngeld diskutiert wurde, fristet die Elternzeit in der öffentlichen Wahrnehmung ein Schattendasein. Dies geht teilweise darauf zurück, dass über ihre Inanspruchnahme sehr wenig bekannt ist.
IW