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IW-Kurzbericht Nr. 78 31. Oktober 2026 Wido Geis-Thöne Historischer Tiefststand bei den Geburten und keine Erholung in Sicht

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs war die Zahl der Geburten in Gesamtdeutschland noch nie so niedrig wie im Jahr 2025 mit 654.000.

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IW-Kurzbericht Nr. 78/2026
IW-Kurzbericht Nr. 78 31. Oktober 2026 Wido Geis-Thöne

Historischer Tiefststand bei den Geburten und keine Erholung in Sicht

Wido Geis-Thöne Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs war die Zahl der Geburten in Gesamtdeutschland noch nie so niedrig wie im Jahr 2025 mit 654.000.

Dass sie zeitnah wieder deutlich ansteigen wird, erscheint unwahrscheinlich, da die Zahl der potenziellen Mütter im nächsten Jahrzehnt um über ein Zehntel zurückgehen dürfte.

Lässt man das Jahr 2021 außer Acht, als kurzzeitige Verschiebungen der Entscheidungen für Kinder im Umfeld der Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Zahlen der Geburten in Deutschland auf 795.000 haben steigen lassen, wurde der letzte Höchstwert an Geburten mit 792.000 im Jahr 2016 erreicht. Im Jahr 2025 waren es nur noch 654.000 und damit über ein Sechstel weniger. Dabei ist der Rückgang seit dem Jahr 2021 mit 739.000 Geburten im Jahr 2022, 693.000 Geburten im Jahr 2023 und 677.000 Geburten im Jahr 2024 kontinuierlich verlaufen (Statistisches Bundesamt, 2026). Auch gab es im Jahr 2024, als die meisten der im Jahr 2025 geborenen Kinder gezeugt wurden, keine außergewöhnlichen Ereignisse, die einen Einbruch bei den Geburten hätten bewirken können.

Grundsätzlich hängt es von zwei Faktoren ab, wie viele Kinder geboren werden. Der erste ist, wie viele potenzielle Eltern es gibt, und der zweite, wie häufig sich diese für Kinder entscheiden. Frauen können prinzipiell zwischen dem Teenageralter und dem 50. Geburtstag Mütter werden. Der weit überwiegende Teil der Geburten erfolgt jedoch im Alter zwischen 25 und 39 Jahren. Im Jahr 2025 lag dieser Anteil bei 84,2 Prozent (Statistisches Bundesamt, 2026; eigene Berechnungen). Daher ist es auch zielführend, nur diesen Altersbereich in den Blick zu nehmen, wenn man eine Aussage zur Entwicklung der Zahl der potenziellen Mütter treffen will.

Zwischen den Jahren 2015 und 2025 ist die Zahl der Frauen im Alter zwischen 25 und 39 Jahren in Deutschland noch um 1,1 Prozent gestiegen. Allerdings geht diese positive Entwicklung ausschließlich auf Wanderungsgewinne zurück. So war bei den Frauen mit inländischer Staatsangehörigkeit ein Rückgang um 6,1 Prozent zu verzeichnen. Dazu ist anzumerken, dass Personen in Deutschland die deutsche Staatsangehörigkeit mit einer Einbürgerung erwerben, aber kaum verlieren können, sodass der tatsächliche Rückgang unterschätzt sein dürfte. Grundsätzlich gilt, dass die Staatsangehörigkeit als Abgrenzungskriterium für die zugewanderte Bevölkerung nicht optimal ist, aber in vielen Statistiken (etwa auch zu den Geburten) das einzige erfasste einschlägige Merkmal darstellt.

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Bei den zugewanderten Frauen hat das Zusammenspiel zwischen Migrations- und Familienbiografie einen entscheidenden Einfluss darauf, wie viele Kinder sie in Deutschland zur Welt bringen. Sind sie bei der Zuwanderung noch kinderlos und kommen gegebenenfalls sogar gezielt zur Familiengründung ins Land, sind Geburten sehr viel wahrscheinlicher, als wenn sie zu diesem Zeitpunkt Familiengründung und -erweiterung bereits (weitestgehend) abgeschlossen haben. In dieser Hinsicht hat sich die Zusammensetzung der (weiblichen) zugewanderten Bevölkerung mit dem starken Zuzug geflüchteter Frauen aus der Ukraine seit dem Jahr 2022 deutlich verschoben. Diese haben ihre Kinder häufig bereits mitgebracht und die Partner sind im Land verbleiben. Dies dürfte ein Hauptgrund dafür sein, dass die zusammengefasste Geburtenziffer von Ausländerinnen zwischen den Jahren 2021 und 2023 sprunghaft von 2,21 auf 1,89 Kinder je Frau gesunken ist (Statistisches Bundesamt, 2026).

Gleichzeitig hängt es gerade bei den zugewanderten Frauen auch sehr stark vom soziodemografischen Hintergrund ab, wie viele Kinder sie im Lauf ihres Lebens zur Welt bringen. Im Jahr 2022 hatten die niedrigqualifizierten im Ausland geborenen Frauen im Alter zwischen 45 und 54 Jahren im Schnitt 2,4 Kinder, die hochqualifizierten aber nur 1,6 Kinder; bei den im Inland geborenen Frauen lagen die entsprechenden Werte mit 1,7 Kindern und 1,4 Kindern sehr viel näher beieinander (Statistisches Bundesamt, 2024).

Derzeit erlebt Deutschland eine mehrfache Migrationswende (Geis-Thöne, 2026). Nachdem im vergangenen Jahrzehnt eine starke erwerbsbezogene Zuwanderung aus den neuen EU-Mitgliedsländern nach Deutschland erfolgte, ist inzwischen eine zunehmende Rückkehrbewegung zu beobachten. Allerdings dürfte dies für die Entwicklung der Geburtenzahlen nur nachrangige Bedeutung haben, da im Jahr 2025 nur 24,3 Prozent der Kinder im Alter unter drei Jahren ohne deutsche Staatsangehörigkeit Bürger eines anderen EU-Mitgliedslandes waren (Statistisches Bundesamt, 2026; eigene Berechnungen). Deutlich relevanter ist, dass der Zuzug Geflüchteter aus dem außereuropäischen Ausland, insbesondere aus Syrien, stark zurückgegangen ist. Gleichzeitig waren bei der Zuwanderung aus Drittstaaten außerhalb des Fluchtkontextes, insbesondere aus Südostasien, auch Erfolge zu verzeichnen.

Geht man von der mittleren Variante der 16. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus, die auf Ausgangsdaten des Jahres 2024 basiert, kommt man zum Ergebnis, dass die Zahl der Frauen im Alter zwischen 25 und 39 Jahren bis zum Jahr 2035 um 10,2 Prozent gegenüber dem Jahr 2025 sinken wird. Dabei ist davon auszugehen, dass die Annahmen zur Migration deutlich zu positiv sind; jedoch lässt sich vor dem Hintergrund der komplexen aktuellen Entwicklungen kaum abschätzen, wie viel negativer diese tatsächlich ausfallen wird. Nimmt man vor diesem Hintergrund nur die Frauen mit inländischer Staatsangehörigkeit in den Blick und betrachtet, was passieren würde, wenn sich die Stärken ihrer Geburtskohorten nicht durch Wanderungsbewegungen oder die in diesem Alter seltenen Todesfälle ändern würden, kommt man auf einen Rückgang von 12,9 Prozent.

Allerdings verläuft die Entwicklung in den ehemals sozialistischen ostdeutschen (Flächen-) Ländern vor dem Hintergrund des Geburteneinbruchs während der Transformation in den 1990er-Jahren deutlich anders als im Westen. Dort war die Zahl der Frauen im Alter zwischen 25 und 39 Jahren im letzten Jahrzehnt bereits deutlich rückläufig und dürfte nur noch bis um das Jahr 2030 weiter sinken. Danach ist ein langsamer Wiederanstieg zu erwarten. Hingegen dürften die Zahlen der potenziellen Mütter im Westen bis über das Jahr 2035 hinaus kontinuierlich zurückgehen. Dass sich für den in der Abbildung dargestellten Zehnjahreszeitraum mit Ausgangsjahr 2025 ähnliche Werte ergeben, ist Zufall.

Betrachtet man die zusammengefassten Geburtenziffern von Frauen mit inländischer Staatsangehörigkeit – bei den Ausländerinnen spiegeln sich hierin, wie bereits dargestellt, auch Veränderungen bei der Migration wider –, war zwischen den Jahren 2015 und 2025 ein Rückgang von 1,43 Kinder auf 1,20 Kinder zu verzeichnen. Dabei überschritten die Werte seit der Wiedervereinigung nur im Zeitraum zwischen den Jahren 2014 und 2021 ein Niveau von 1,4 (Statistisches Bundesamt, 2026). Nun kann man den Anstieg in den frühen 2010er-Jahren mit einer insbesondere durch den Betreuungsausbau verbesserten Unterstützungsinfrastruktur für Eltern und einer guten Entwicklung am Arbeitsmarkt erklären. Jedoch stellt sich die Frage, was zu dem starken Rückgang in den 2020er-Jahren geführt hat. So niedrig wie im Jahr 2025 war die zusammengefasste Geburtenziffer bisher nur in den Jahren 1993 bis 1995, als die mit der Transformation einhergehenden wirtschaftlichen Probleme im Osten zu einem Einbruch der Geburtenzahlen geführt hatten. Heute ist die Lage der Familien in Deutschland in der Gesamtsicht an sich nicht wesentlich schlechter als vor zehn Jahren, auch wenn die weltpolitische Lage, insbesondere mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine, deutlich unsicherer geworden ist. An einigen Stellen, wie bei den Betreuungsangeboten und den Homeoffice-Möglichkeiten, sind sogar wesentliche Verbesserungen zu konstatieren.

Es stellt sich die Frage, ob und, wenn ja, wie stark die Geburtenhäufigkeiten der potenziellen Mütter in den nächsten Jahren wieder ansteigen könnten. Würde bei den inländischen Frauen der Durchschnittswert der Jahre 1991 bis 2025 von 1,32 Kindern wieder erreicht, würde das den erwartbaren Rückgang bei der Zahl der potenziellen Mütter etwa kompensieren. Gelänge es wieder, das Niveau der späten 2010er-Jahre zu erreichen, wäre es sogar möglich, dass die Geburtenzahlen wieder deutlich ansteigen; allerdings bei weitem nicht mehr auf das Niveau von damals.

Möchte die Politik einen derartigen Prozess forcieren, muss sie potenziellen Eltern die Entscheidung für Kinder erleichtern. Insbesondere gilt das auch für die Übergänge zu dritten und weiteren Kindern. Hilfreich ist hierbei eine weitere Verbesserung der Unterstützungsangebote für die Familien insbesondere im Bereich der Betreuung. Problematisch sind Kürzungen bei familienpolitischen Leistungen, wie sie beim Elterngeld angedacht sind. Grundsätzlich gilt, dass die meisten staatlichen Leistungen für Familien Investitionen darstellen, die sich erst sehr langfristig rechnen. In welchem Umfang diese in Zeiten knapper Kassen getätigt werden, ist immer auch eine Frage von Gegenwartspräferenz und politischer Weitsicht.  
 

DOI: 10.67087/19.21663

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IW-Kurzbericht Nr. 78 31. Oktober 2026 Wido Geis-Thöne

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