Um die Herausforderungen der Transformation sowie globale Verwerfungen zu meistern, muss Deutschland krisenresilienter werden. Dabei sind die Unternehmen auf gut ausgebildete, anpassungsfähige Arbeitskräfte angewiesen, die aktiv auf Veränderungen reagieren können.
Auslandsaufenthalt im Studium stärkt proeuropäische Haltung
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Um die Herausforderungen der Transformation sowie globale Verwerfungen zu meistern, muss Deutschland krisenresilienter werden. Dabei sind die Unternehmen auf gut ausgebildete, anpassungsfähige Arbeitskräfte angewiesen, die aktiv auf Veränderungen reagieren können.
Daneben gewinnt die politische Zusammenarbeit in Europa stark an Bedeutung, wofür eine proeuropäische Haltung der Bevölkerung wichtig ist. Ein Auslandsaufenthalt im Studium stärkt beides, Anpassungsfähigkeit und proeuropäische Haltung.
Herausforderungen in schwierigen Zeiten
Die deutsche Volkswirtschaft steht aktuell und in diesem Jahrzehnt vor gewaltigen Herausforderungen. Verschiedene Veränderungen, wie der demografische Wandel, die Digitalisierung und die Dekarbonisierung, beeinflussen gleichzeitig die Produktionsprozesse und Absatzmärkte von Unternehmen und erfordern dort umfangreiche Anpassungen und neue innovative Lösungen. Um diese genannten Herausforderungen bewältigen zu können, werden Arbeitskräfte benötigt, die mit den erforderlichen Kenntnissen und Fähigkeiten ausgestattet sind. Insbesondere ist ein hoher Grad an Flexibilität und Veränderungsbereitschaft notwendig, um sich den veränderten Anforderungen immer wieder anzupassen.
Der Economic Policy Uncertainty Index zeigt zudem, dass die ökonomische Unsicherheit in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen ist. In transformativen Zeiten werden jedoch auch die politische Stabilität und der Zusammenhalt in der Gesellschaft herausgefordert. Hinzu kommen globale Verwerfungen mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine und der Neuausrichtung der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik. Die globalen politischen Herausforderungen verlangen, dass die europäischen Länder noch stärker als bislang zusammenarbeiten und ihre Kräfte als Europa bündeln müssen. Hierfür ist eine größere europäische Identität erforderlich.
Weltoffenheit wichtig für Unternehmen
Auch im Unternehmenskontext gewinnen Weltoffenheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt an Bedeutung, wie es Auswertungen des IW-Personalpanels in einem Gutachten für den DAAD zeigen (Anger et al., 2025). Die Unternehmen wurden zur Bedeutung verschiedener Aspekte der Internationalisierung für ihr Unternehmen befragt, darunter „Weltoffenheit der Region des Unternehmensstandorts“ und „proeuropäische Haltung in der Gesellschaft“ sowie die Items „Rekrutierung und Beschäftigung internationaler Fachkräfte“ und „Zugang zu internationalen Netzwerken“ (Abbildung). Die Antwortmöglichkeiten waren „sehr wichtig“, „eher wichtig“, „eher unwichtig“ und „unwichtig“ sowie die Antwortmöglichkeit „keine Angabe/weiß nicht“.
<iframe class="everviz-iframe" src="https://app.everviz.com/embed/Nt59kRzqL/?v=11" title="Chart: Bedeutung Internationalisierung" style="border: 0; width: 100%; height: 500px"></iframe>
Die Unternehmen schätzen ein weltoffenes, internationales Umfeld. Der Mehrheit der Unternehmen sind internationale Netzwerke, eine weltoffene Region und eine proeuropäische Haltung in der Gesellschaft (sehr) wichtig. 73,5 Prozent der befragten Unternehmen bewerten eine proeuropäische Haltung in der Gesellschaft als sehr wichtig oder eher wichtig. Die Weltoffenheit der Region des Unternehmensstandorts sehen 69,4 Prozent als sehr wichtig oder eher wichtig an. Noch wichtiger ist eine proeuropäische Haltung für sehr digital arbeitende Unternehmen (99,1 Prozent). Diese Unternehmen arbeiten verstärkt im internationalen Kontext und mit international besetzten Teams (Anger et al., 2025).
Auslandsaufenthalte stärken wichtige Transformationskompetenzen …
Ein Studienaufenthalt im Ausland kann zunächst dazu führen, dass bestimmte Kompetenzen der Teilnehmer gestärkt werden. Auslandsaufenthalte fördern nicht nur Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen, sondern stärken eine Vielzahl weiterer wichtiger Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale (etwa Selbstständigkeit, Problemlösefähigkeit oder proaktives Handeln) (Anger et al., 2025). Diese Kompetenzen können dazu beitragen, mit den Veränderungen in der Arbeitswelt, die höhere Anforderungen an Flexibilität und Anpassungsbereitschaft stellen, besser zurechtzukommen. Zudem können die erworbenen interkulturellen Kompetenzen das Arbeiten in immer diverser werdenden Belegschaften und Kollegien erleichtern.
… und eine proeuropäische Haltung
Darüber hinaus können Auslandsaufenthalte, wie sie das Programm Erasmus+ fördern, auch einen Beitrag dazu leisten, die europäische Identität zu stärken. Studien zeigen, dass sich Auslandsaufenthalte positiv auf die Weltoffenheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt auswirken. Das Erasmus Student Network (ESN) hat in diesem Zusammenhang eine Befragung unter Studierenden durchgeführt, jeweils bevor und nachdem sie einen Erasmus-Aufenthalt absolviert haben. Die Ergebnisse zeigen, dass sich nach den Auslandsaufenthalten mehr Studierende als Weltbürger, als Europäer sowie als EU-Bürger identifizieren. Identifizierten sich etwa vor dem Auslandsaufenthalt 19,4 Prozent der befragten Studierenden in besonderem Maße
(„extremly“) als EU-Bürger, liegt der Anteil nach den Auslandsaufenthalten bei 33,0 Prozent (ESN, 2022, 67). Die ESN-Studie zeigt weiterhin, dass sich Studierende nach ihrem Auslandsaufenthalt häufig in Studierendenorganisationen und als Mentoren für andere Auslandsstudierende engagieren möchten. Auch Öz/van Praag (2023) zeigen, dass ein Auslandsaufenthalt signifikant positiv mit einer positiven Einstellung gegenüber der EU verbunden ist. Die Autoren stellen fest, dass bereits die Erwägung eines Auslandsaufenthalts mit einer positiven Sicht auf die EU verbunden ist. Die tatsächliche Umsetzung eines Auslandsaufenthalts ist jedoch mit einem noch höheren Grad einer positiven EU-Sicht verbunden.
Erasmus+ ausweiten
Ein Studienaufenthalt im Ausland ist folglich nicht nur wichtig, um die für die Resilienz und den Erfolg der Transformation dringend notwendigen Kompetenzen wie Selbstständigkeit und proaktives Handeln zu fördern. Das Erasmus+ Förderprogramm kann auch einen wichtigen Beitrag dazu leisten, um die dringend erforderliche proeuropäische Haltung in der Gesellschaft zu stärken.
Vor diesem Hintergrund sollten die Finanzmittel für das Förderprogramm „Erasmus+“ erhöht werden. Während Erasmus+ gegenwärtig etwa 15 Prozent der jungen Menschen im akademischen Bereich erreicht, ermittelt der Draghi-Report eine notwendige fünffache Aufstockung der Finanzmittel des Programms, um im Zeitraum 2028 bis 2034 ein „Erasmus für alle“ zu ermöglichen (European Commission, 2024, 268). Weiterhin sollten solche Programme auf Forscher sowie auf die Internationalisierungsstrategien der Hochschulen ausgeweitet werden.
Auslandsaufenthalt im Studium stärkt proeuropäische Haltung
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Von Helfer zu Fachkraft – Fachkräftepotenziale der Höherqualifizierung
Viele kleine und mittlere Unternehmen suchen ausgebildete Fachkräfte, finden jedoch oft aufgrund von Fachkräfteengpässen keine.
IW
Ausbildung erfolgreich gestalten vom Marketing bis zur Übernahme
Die betriebliche Ausbildung ist ein zentraler Hebel der Fachkräftesicherung. Am Anfang der Investition in künftige Nachwuchskräfte steht die Ansprache und Gewinnung von neuen Auszubildenden. Für viele Unternehmen ist es eine Herausforderung, angebotene Ausbildungsplätze passend zu besetzen.
IW