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Christina Anger IW-Kurzbericht Nr. 3 11. Januar 2023 IT-Hochburgen in Deutschland

Insbesondere die Digitalisierung und die Dekarbonisierung führen zu einer steigenden Nachfrage nach IT-Kräften. Schon in den letzten Jahren hat die Beschäftigung in diesem Segment deutlich zugenommen. Der Anteil der IT-Beschäftigten an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist gegenwärtig mit 12,3 Prozent im Rhein-Neckar-Kreis am höchsten. Um auch zukünftig genügend Fachkräfte in diesem Bereich zu gewinnen, ist vor allem die digitale Ausbildung der Schülerinnen und Schüler zu verbessern.

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Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Insbesondere die Digitalisierung und die Dekarbonisierung führen zu einer steigenden Nachfrage nach IT-Kräften. Schon in den letzten Jahren hat die Beschäftigung in diesem Segment deutlich zugenommen. Der Anteil der IT-Beschäftigten an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist gegenwärtig mit 12,3 Prozent im Rhein-Neckar-Kreis am höchsten. Um auch zukünftig genügend Fachkräfte in diesem Bereich zu gewinnen, ist vor allem die digitale Ausbildung der Schülerinnen und Schüler zu verbessern.

Die deutsche Volkswirtschaft steht aktuell und in diesem Jahrzehnt vor gewaltigen Herausforderungen. Gleichzeitig wirken vier Veränderungen disruptiv auf das Geschäftsmodell der deutschen Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt: die Digitalisierung, die Dekarbonisierung, die Demografie und die De-Globalisierung (Demary et al., 2021).

Daher ist davon auszugehen, dass unter anderem die Beschäftigung in den IT-Berufen in Zukunft weiter deutlich zunehmen wird. Immer mehr Unternehmen versuchen, datengetriebene Geschäftsmodelle umzusetzen, die zunehmend zu einem wettbewerbsentscheidenden Faktor werden. Viele Unternehmen stellt die Einführung datengetriebener Geschäftsmodelle jedoch vor Probleme, weil entsprechende Fachkräfte fehlen (Demary et al., 2021).

Auch zur Steigerung der Ressourceneffizienz und der Energiewende kann die Digitalisierung ein wesentlicher Hebel sein. Sie kann zum Klimaschutz beitragen, indem Produktionsprozesse grundlegend verändert werden. Daher haben IT-Fachkräfte auch für die notwendige Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte eine hohe Bedeutung.

Entwicklung der IT-Beschäftigung

In den letzten Jahren lässt sich eine Zunahme der IT-Beschäftigung feststellen. Zwischen dem vierten Quartal 2012 und dem ersten Quartal 2022 ist der Anteil der IT-Beschäftigten an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 2,1 auf 2,8 Prozent angestiegen. Vor allen bei den IT-Expertenberufen (i. d. R. Akademiker und Akademikerinnen) konnte eine hohe prozentuale Beschäftigungszunahme verzeichnet werden (+114,3 Prozent).

In den einzelnen Bundesländern hat sich die IT-Beschäftigung unterschiedlich entwickelt, jedoch konnten in allen Bundesländern Zuwächse im IT-Bereich erzielt werden. Besonders hohe Beschäftigungszuwächse zwischen dem vierten Quartal 2012 und dem ersten Quartal 2022 lassen sich vor allem in Berlin (+128,4 Prozent), in Bayern (+65,6 Prozent), in Brandenburg (+62,5 Prozent), in Sachsen (+60,8 Prozent) und in Baden-Württemberg (+60 Prozent) feststellen. Eher gering fallen die Beschäftigungszuwächse im Saarland (+38,6 Prozent), in Rheinland-Pfalz (+45,9 Prozent) und in Mecklenburg-Vorpommern (+46,7 Prozent) aus.

Der Anteil der IT-Beschäftigten an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten fiel jedoch im ersten Quartal 2022 mit 4,6 Prozent in Hamburg am höchsten aus, gefolgt von Berlin (4,1 Prozent), Hessen und Baden-Württemberg (jeweils 3,5 Prozent). Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern fällt der Anteil der IT- Beschäftigten eher gering aus (zwischen 2 und 1,1 Prozent).

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Die IT-Beschäftigung fällt dabei vor allem in Großstädten relativ hoch aus, während die Beschäftigungsperspektiven auf dem Land geringer ausfallen. So betrug im ersten Quartal 2022 der Anteil der IT-Beschäftigten in kreisfreien Großstädten 4,3 Prozent, in städtischen Kreisen 2,5 Prozent, in ländlichen Kreisen mit Verdichtungsansätzen 1,3 Prozent und in dünn besiedelten ländlichen Kreisen 1,1 Prozent. Im Vergleich zum vierten Quartal 2012 nahm jedoch der Anteil der IT-Beschäftigten in dünn besiedelten ländlichen Kreisen am stärksten zu (+42,6 Prozent), danach folgen die kreisfreien Großstädte mit einem Zuwachs von 41 Prozent (Anger et al., 2022).

Wird der IT-Beschäftigtenanteil nach einzelnen Kreisen und kreisfreien Städten betrachtet, weisen Hamburg und Berlin jedoch nicht mehr die Spitzenplätze auf. Sie erzielen nur noch die Plätze 23 und 36. Spitzenreiter beim Anteil der IT-Beschäftigten an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind der Rhein-Neckar-Kreis (12,3 Prozent), die Stadt Erlangen (8,9 Prozent), der Main-Taunus-Kreis (8,2 Prozent), der Kreis München (8,1 Prozent) und die Stadt Karlsruhe (7,9 Prozent). Jeder achte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeitet im Rhein-Neckar-Kreis in einem IT-Beruf. Auch auf Kreisebene zeigt sich ein deutlicher Anstieg der IT-Beschäftigung in den letzten Jahren (Grafik). Dieser fällt jedoch in den einzelnen Kreisen unterschiedlich aus. Während einige Kreise schon über relativ viele IT-Beschäftigte verfügen, besteht in anderen Kreisen noch Nachholbedarf.

Was zu tun ist

Um die Beschäftigung in den IT-Berufen weiter zu steigern, sollte vor allem die digitale Ausbildung der Schülerinnen und Schüler verbessert werden. Dazu sollten die folgenden Maßnahmen ergriffen werden:

  • Digitale Ausstattung an den Schulen verbessern: Um hohe computer- und informationsbezogene Kompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern zu erzielen, ist es zunächst erforderlich, dass die Schulen ausreichend mit Informations- und Kommunikationstechnologien ausgestattet sind. Grundvoraussetzung hierfür ist der Breitbandausbau. Darüber hinaus gehört hierzu auch die Bereitstellung von digitalen Arbeitsplätzen für Lehrkräfte und die Ausstattung aller Klassen mit der erforderlichen Hard- und Software für einen digital gestützten Unterricht.
  • Digitale Ausbildung der Lehrkräfte verbessern: Als zweiter zentraler Schritt sollten die Kompetenzen der Lehrerinnen und Lehrer beim Umgang mit digitalen Medien im Unterricht weiter ausgebaut werden. Hierzu gehören verbindliche Fortbildungen und Lehrplanvorgaben zur Integration digitaler Technologien im Unterricht. Zusätzlich ist es wichtig, bei der Ausbildung der Lehrkräfte dem Einsatz digitaler Formate im Unterricht ein höheres Gewicht einzuräumen.
  • Konzepte für eine Umsetzung der Digitalisierung in den Schulen verbessern: Die IT-Ausstattung allein führt jedoch noch nicht zu positiven Effekten auf die Lernerfolge der Schüler. Es müssen methodische Konzepte erarbeitet werden, wie Informations- und Kommunikationstechnologien gewinnbringend und zielführend eingesetzt werden, damit ihr Einsatz auch einen Mehrwert schafft und nicht überlegene traditionelle Unterrichtsmethoden ersetzt werden (Aktionsrat Bildung, 2017, 77 f., 81; Aktionsrat Bildung, 2018, 20). Zudem müssen gute digitale Lernmaterialien entwickelt bzw. weiterentwickelt werden. Benötigt wird vor allem eine intelligente Lernsoftware, die Schülerinnen und Schüler motiviert und Lerndefizite beheben kann.
  • Unterstützung bei der IT-Administration ausbauen: An den Schulen werden neuartige Personalkategorien benötigt. Dies können Technikerinnen und Techniker, Educational Technologists, administrative Leitungen oder auch Kooperationsverantwortliche sein (Nationales MINT-Forum, 2020). Würden bei den mehr als 40.000 allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Deutschland pro Schule eine halbe zusätzliche Stelle eingesetzt, müssten zusätzlich 20.000 IT-Experten zur Unterstützung der Digitalisierung an den Schulen eingestellt werden. Insgesamt werden dafür jährlich rund 2 Mrd. Euro zusätzlich benötigt (Anger/Plünnecke, 2021).
  • Schulfach Informatik ausweiten: Um die IT-Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu verbessern, sollte bundesweit in möglichst vielen Jahrgangsstufen das Schulfach „Informatik“ unterrichtet werden, auch wenn die Vermittlung digitaler Kompetenzen eine Querschnittsaufgabe ist.
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