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Axel Plünnecke IW-Kurzbericht Nr. 14 26. Februar 2023 Inder, Nordeuropäer und Österreicher verdienen in Deutschland am meisten

Von Ende 2012 bis Ende 2021 ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Deutschen um 8,3 Prozent und von Ausländerinnen und Ausländern um 110,3 Prozent gestiegen.

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Inder, Nordeuropäer und Österreicher verdienen in Deutschland am meisten
Axel Plünnecke IW-Kurzbericht Nr. 14 26. Februar 2023

Inder, Nordeuropäer und Österreicher verdienen in Deutschland am meisten

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Von Ende 2012 bis Ende 2021 ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Deutschen um 8,3 Prozent und von Ausländerinnen und Ausländern um 110,3 Prozent gestiegen.

Betrachtet man die Medianlöhne von Vollzeitbeschäftigten Ende 2021, so liegt der Lohn der Deutschen mit 3.643 Euro um 915 Euro über dem Medianlohn der Personen mit einer Staatsangehörigkeit aus dem Ausland. Unter den Ausländerinnen und Ausländern liegen die Löhne von Personen mit einer Staatsangehörigkeit aus Indien, Nordeuropa und Österreich jedoch um über 1.000 Euro über dem Medianlohn der Deutschen. 

Bereits heute belastet der Fachkräftemangel die Perspektiven der Wirtschaft (Bardt/Grömling, 2023; Peichl et al., 2022), und der Mangel wird in den kommenden fünf Jahren für einen Großteil der Berufe weiter zunehmen (Burstedde, 2023). Bereits in den letzten Jahren trägt die Zuwanderung in erheblichem Maße zur Fachkräftesicherung bei. Während von Ende 2012 bis Ende 2021 die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Deutschen um 8,3 Prozent gestiegen ist, nahm die Beschäftigung unter ausländischen Personen im selben Zeitraum um 110,3 Prozent zu (eigene Berechnungen auf Basis BA, 2023a). Dabei zeigt sich eine besonders hohe Beschäftigungsdynamik unter ausländischen Personen an beiden Enden der Qualifikationsniveaus – unter akademischen MINT-Berufen und unter Helfertätigkeiten. 

Seit dem Jahr 2012 wirbt die Bundesregierung auch um qualifizierte Zuwanderung aus Drittstaaten mit Schwerpunkt auf akademische MINT-Berufe. Diese Strategie ist umso wichtiger, da die Herausforderungen von Demografie, Digitalisierung und Dekarbonisierung in den kommenden Jahren zu steigenden Engpässen in MINT-Berufen führen werden (Anger et al., 2022; Demary et al., 2021). Die Beschäftigung in akademischen MINT-Berufen ist unter Deutschen von Ende 2012 bis Ende 2021 um 34,0 Prozent, unter Ausländerinnen und Ausländern um 154,9 Prozent und unter Drittstaatsangehörigen (ohne Herkunftsländer der Geflüchteten) um 228,2 Prozent gestiegen (eigene Berechnungen BA, 2023a).

Neben den akademischen MINT-Berufen war das Beschäftigungswachstum unter Ausländerinnen und Ausländern auch sehr hoch in Helfertätigkeiten. Hier ist vor allem die Beschäftigung von Personen mit einer Staatsangehörigkeit aus Rumänien und Bulgarien sowie aus den Herkunftsländern der Geflüchteten wie Syrien stark gestiegen (eigene Berechnungen BA, 2023a).

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Die in den letzten Jahren zu beobachtende hohe Zuwanderung von Personen aus Drittstaaten in akademischen MINT-Berufen wirkt sich auch auf die Beschäftigungsstruktur der vollzeitbeschäftigten Personen im Alter zwischen 25 und 44 aus. So sind Ende 2021 in dieser Altersgruppe in Deutschland insgesamt knapp 7,1 Prozent aller vollzeitbeschäftigten Personen in akademischen MINT-Berufen tätig. Unter Deutschen beträgt der Anteil gut 7,1 Prozent und unter Personen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit gut 6,7 Prozent. Am stärksten prägen die akademischen MINT-Berufe die Beschäftigung von Staatsangehörigen aus Indien – 34,2 Prozent aller vollzeitbeschäftigten Personen im Alter zwischen 25 und 44 Jahren sind hier in akademischen MINT-Berufen tätig. Bei Personen mit Staatsangehörigkeit aus China beträgt der entsprechende Anteil 25,2 Prozent, aus Brasilien 22,7 Prozent und aus den USA 14,0 Prozent (eigene Berechnungen auf Basis BA, 2023b). Unter Personen mit einer Staatsangehörigkeit aus Indien, Brasilien und China ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in akademischen MINT-Berufen auch in den letzten Jahren besonders stark gestiegen (Anger et al., 2022).

Die Beschäftigungsstrukturen wirken sich auch bei den Medianlöhnen der Beschäftigten nach Staatsangehörigkeiten aus. Eine hohe qualifizierte Zuwanderung aus einigen Drittstaaten hat dazu geführt, dass diese auch bei den Löhnen insbesondere der jüngeren Personengruppen weit vorn liegen.

Die Entgeltstatistik als Bestandteil der Beschäftigungsstatistik liefert ein differenziertes Bild über die sozialversicherungspflichtigen Bruttomonatsentgelte inklusive Sonderzahlungen und fußt auf Entgeltinformationen der Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung und stellt damit eine Vollerhebung der Beschäftigten dar. Als Stichtag wird der 31. Dezember 2021 gewählt, wobei alle Angaben auf einen monatlichen Zeitraum normiert und auf sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte einer Kerngruppe bezogen werden.  

Betrachtet man die Medianlöhne aller in Vollzeit beschäftigten Personen, so ist zunächst ein Alterseffekt feststellbar – der Medianlohn von Personen im Alter von 45 Jahren und älter liegt mit 3.731 Euro über dem Medianlohn von Personen im Alter von 25 bis unter 45 Jahren mit 3.490 Euro. Insgesamt beträgt der Medianlohn 3.516 Euro und liegt unter dem Medianlohn der Deutschen mit 3.643 Euro über dem Medianlohn der Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit mit 2.728 Euro. Betrachtet man die Regionen mit den höchsten Medianlöhnen der entsprechenden Staatsangehörigkeiten, so liegen die Inderinnen und Inder mit einem Medianmonatslohn von 4.974 Euro an der ersten Stelle unter den Vollzeitbeschäftigten in Deutschland. Dies ist auf der einen Seite überraschend, da von 61.300 vollzeitbeschäftigten Personen mit indischer Staatsangehörigkeit über 90 Prozent unter 45 Jahre alt sind. Auf der anderen Seite sind aber wie genannt allein 34,2 Prozent der vollzeitbeschäftigten indischen Personen in dieser Altersgruppe in akademischen MINT-Berufen tätig (BA, 2023b).

Auf den weiteren Rängen folgen Personen mit einer Staatsangehörigkeit aus Nordeuropa mit 4.716 Euro, Österreich mit 4.709 Euro, den USA mit 4.616 Euro. Auch Staatsangehörige aus UK/Irland, China, der Schweiz, Brasilien und Benelux sowie Frankreich liegen beim Medianlohn der Vollzeitbeschäftigten über der Marke von 4.000 Euro. Vergleichsweise geringe Medianmonatslöhne weisen Vollzeitbeschäftigte mit einer Staatsangehörigkeit aus Bulgarien mit 2.164 Euro, Rumänien mit 2.262 Euro und Syrien mit 2.314 Euro auf. Auch für die Region restliches Afrika (ohne Nordafrika mit 2.878 Euro) liegt der Medianlohn mit 2.271 Euro auf ähnlichem Niveau. Bei diesen Personengruppen liegt der Grund der geringen Medianlöhne darin, dass über die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einer Staatsangehörigkeit aus Rumänien, Bulgarien und der Region sonstiges Afrika in Helfertätigkeiten beschäftigt sind. Bei Personen mit Staatsangehörigkeit aus Syrien liegt der Anteil knapp unter der Hälfte. Der Medianlohn beschreibt damit in der Regel hier die Vergütung in einer Helfertätigkeit. 

Die hohen Medianlöhne der indischen Personen sind hingegen auf den mit über einem Drittel hohen Anteil in akademischen MINT-Berufen zurückzuführen. Dazu kommen noch zahlreiche Tätigkeiten in anderen akademischen Berufen, sodass der Medianmonatslohn von Inderinnen und Indern in Deutschland eine akademische Tätigkeit charakterisiert. 

Für die Beurteilung des Erfolgs der qualifizierten Zuwanderung aus Drittstaaten ist neben dem Blick auf die Beschäftigungsstruktur auch ein Blick auf die Medianlöhne in den für die qualifizierte Zuwanderung aus Drittstaaten besonders relevanten akademischen MINT-Berufen lohnenswert. Die besonders stark gestiegene Beschäftigung von Personen aus Indien, Brasilien und China in akademischen MINT-Berufen liegt dabei unter 25 bis 44-jährigen Personen auf einem vergleichbaren Niveau des Medianlohns von Deutschen in diesen Berufen – bei Staatsangehörigen aus Brasilien und Indien liegt er leicht darüber, bei Personen aus China leicht darunter. 

Eine Differenzierung der Medianlöhne von Deutschen und ausländischen Personen in der Altersgruppe von 45 Jahren und älter ist nicht möglich, da der Medianlohn der Deutschen und ausländischen Personen in akademischen MINT-Berufen im Jahr 2021 jeweils über der Schwelle der Sozialversicherung von 6.700 Euro liegt und die Meldungen an die Sozialversicherung bei dieser Größe gekappt werden. 

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