Der Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) transformiert die Arbeitswelt in einem rasanten Tempo. Eine wichtige Säule zur Ausschöpfung der möglichen KI-Potenziale sind das Wissen und die Anwendungskompetenz von Beschäftigten. Weiterbildung und das Lernen am Arbeitsplatz gewinnen vor diesem Hintergrund an Bedeutung.
Generative KI: Schritt halten durch gezielte Kompetenzentwicklung
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Der Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) transformiert die Arbeitswelt in einem rasanten Tempo. Eine wichtige Säule zur Ausschöpfung der möglichen KI-Potenziale sind das Wissen und die Anwendungskompetenz von Beschäftigten. Weiterbildung und das Lernen am Arbeitsplatz gewinnen vor diesem Hintergrund an Bedeutung.
Anwendungen generativer KI haben seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 in vielen Bereichen der Arbeitswelt Einzug gehalten. Die Adaptionsgeschwindigkeit unterscheidet sich jedoch stark zwischen verschiedenen Betrieben und Beschäftigtengruppen (Büchel/Monsef, 2024, 52; Falck et al., 2024).
Die Nutzung von KI in der Arbeitswelt ist eng mit der Frage verknüpft, welche Arbeitsinhalte oder Tätigkeiten automatisiert werden können und wie KI menschliche Arbeit ergänzen und damit produktiver machen kann (Hammermann et al., 2025). Neben der nötigen (technischen) Infrastruktur spielen vor allem das Know-how und die Anwendungskompetenz der Beschäftigten eine wichtige Rolle. Automatisierungspotenziale durch technischen Fortschritt lösen jedoch auch Sorgen aus, dass das Humankapital an Wert verliert und der Arbeitsplatz in Gefahr sein könnte.
Sorgen um Entwertung von Kompetenzen
Beschäftigte, die (bereits) mit Anwendungen generativer KI arbeiten, machen sich häufiger als andere Sorgen, dass ihr berufliches Können und Wissen aufgrund des technischen Fortschritts in den nächsten beiden Jahren an Wert verliert. Dies zeigen Daten der IW-Beschäftigtenbefragung aus dem Frühjahr 2024. Die Wahrscheinlichkeit, besorgt zu sein, steigt bei ansonsten gleichen arbeitsplatz- und personenbezogenen Merkmalen von rund 23 auf 41 Prozent bei Nutzung von KI-Anwendungen. Auswertungen der Daten des Sozio-oekonomischen Panels aus dem Jahr 2019 von Büchel und Monsef (2024, 53) kommen zu einem ähnlichen Ergebnis (s. Abbildung).
Inwieweit die Sorgen der Beschäftigten berechtigt sind, kann mithilfe der Befragungsdaten nicht beantwortet werden. Die bisherige Studienlage zu den Arbeitsmarkteffekten von KI deutet nicht darauf hin, dass KI bislang ein Auslöser für vermehrte Arbeitslosigkeit war (Hammermann et al., 2023). Es braucht allerdings mehr Studien zum Einsatz von spezifischen KI-Anwendungen im konkreten Arbeitskontext, die der Frage nachgehen, ob eher anspruchsvollere Tätigkeiten wegfallen und damit höherwertige Kompetenzen der Beschäftigten an Wert verlieren oder ob eher einfache Tätigkeiten wegfallen und höherwertige Kompetenzen damit aufgewertet werden.
<iframe class="everviz-iframe" src="https://app.everviz.com/embed/0s7IFq2mR/?v=22" title="Chart: KI-Anwender und Kompetenz" style="border: 0; width: 100%; height: 500px"></iframe>
Dass Arbeitsplätze wegfallen, ist nur eine mögliche Konsequenz einer Humankapitalentwertung. Viel wahrscheinlicher ist es, dass sich die Tätigkeiten strukturell verändern und die Beschäftigten sich an ihrem bestehenden Arbeitsplatz weiterbilden müssen, um den sich verändernden Anforderungen begegnen zu können.
Beschäftigte, die Erfahrungen mit generativer KI gemacht haben, haben nicht nur häufiger Sorgen, nicht mit dem technischen Fortschritt mithalten zu können, sondern auch ein deutlich stärkeres Interesse an ihrer beruflichen Weiterbildung. So steigt die Wahrscheinlichkeit, an einer Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen zu haben für KI-Anwender um rund 19 Prozentpunkte, ebenso wie das allgemeine Interesse, sich regelmäßig weiterzubilden (um rund 10 Prozentpunkte). Diese Veränderungsbereitschaft ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, um KI im Unternehmen wertschöpfend einzusetzen und Beschäftigte in die Lage zu versetzen, die Veränderung aktiv mitzugestalten.
Kompetenzvermittlung ist unternehmerische Gestaltungsaufgabe
Wie Unternehmen Anwendungskompetenzen ihrer Beschäftigten aufbauen und dabei zugleich potenzielle Ängste und Unsicherheiten adressieren können, ist nicht nur branchen- und betriebsspezifisch verschieden, sondern hängt auch stark von den Belegschaftsstrukturen und den eingeführten KI-Anwendungen ab. Daher kommt es für Unternehmen darauf an, das Thema KI in die vorhandenen Weiterbildungsangebote und -formate einzubeziehen und im Rahmen der vorhandenen Weiterbildungskultur umzusetzen (Sey-da/Köhne-Finster, 2024). Im Jahr 2023 haben die Unternehmen in Deutschland 46 Milliarden Euro in die betriebliche Weiterbildung ihrer Belegschaften investiert, wobei technologiebezogene Weiterbildung einen der thematischen Schwerpunkte bildete (Seyda et al., 2024).
Unternehmen können die Potenziale von KI besser ausschöpfen, indem sie ihren Beschäftigten helfen, die Veränderungen realistisch einzuschätzen und die Transformation aktiv mitzugestalten.
1. Kompetenzaufbau und Weiterbildung
Nicht jeder Mitarbeitende muss KI-Experte werden. Wenn Unternehmen zunächst die Mitarbeitenden schulen, die neugierig und KI-affin sind, ist dies ein erster Schritt in Richtung Transformation. Da Beschäftigte, die mit KI-Anwendungen arbeiten sich auch häufiger Sorgen über die mögliche Abwertung ihres Humankapitals machen, kann eine formelle KI-Weiterbildung hier einen positiven Beitrag leisten. So können Unsicherheiten innerhalb eines strukturierten Weiterbildungssettings reflektiert und eingeordnet werden.
2. Raum zum Experimentieren und Ausprobieren
Für alle Beschäftigten sind positive Erfahrungen mit KI ein guter Weg, die KI-Potenziale innerhalb der Organisation weiter zu heben. Dazu eignen sich KI-Arbeitskreise, Experimentierworkshops oder Führungskräfte als Vorbilder. Im besten Fall sind diese von KI-Multiplikatoren (die bereits an Weiterbildungen teilgenommen haben) begleitet.
3. Initiieren von Strukturen
Die Etablierung von Projektteams oder regelmäßigen Austauschkreisen ist eine Möglichkeit, um das Thema KI strukturell zu verankern und damit sichtbar zu einem strategisch relevanten Thema zu machen. Technikaffine Beschäftigte können Tools entwickeln, Dienstleister koordinieren und technische Fragen innerhalb der Organisation beantworten. Ein Teil des Teams kann kritische Stimmen sammeln und die wichtigsten Fragen zum Datenschutz und zu ethischen Aspekten adressieren. Netzwerkaffine Mitarbeitende, die gerne über den Tellerrand schauen, können als KI-Trendradar fungieren und neue Trends nach innen und außen tragen.
Weiterführende Informationen und Handlungsmöglichkeiten, wie die Integration von KI in der Personalarbeit in kleinen und mittleren Unternehmen gelingen kann, bieten beispielsweise die KI-Themenseite des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) oder der KI-Kompass des NETZWERK Q 4.0.
Datengrundlage
Die Auswertung beruht auf Daten der IW-Beschäftigtenbefragung 2024, welche im April 2024 online durchgeführt wurde. Die Stichprobe umfasst 4.805 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 255 geringfügig Beschäftigte ab 18 Jahren.
Generative KI: Schritt halten durch gezielte Kompetenzentwicklung
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Frankreich und Deutschland: Mehr Arbeitsvolumen bringt Wachstum
Frankreich holt nach Reformen bei der Aktivierung von Jüngeren und Älteren aus der Nicht-Erwerbstätigkeit im Vergleich zu Deutschland auf. In Frankreich wuchs das Arbeitsvolumen und das Bruttoinlandsprodukt legte deutlich stärker zu als hierzulande.
IW
Schatten-KI: Beschäftigte sind schneller als ihre Betriebe
Knapp drei von zehn Beschäftigten, die Künstliche Intelligenz (KI) beruflich nutzen, greifen dabei auf Tools zurück, die ihr Arbeitgeber nicht bereitgestellt hat. Diese „Schatten-KI“ ist ein Nachfragesignal.
IW