Die Arbeitsproduktivität in Deutschland ist in den letzten beiden Jahren gesunken und hat längst ihre Dynamik früherer Zeiten eingebüßt.
Die Rückkehr der Leistungskultur: Analyse zur Gestaltung und Wirkung betrieblicher Vergütungssysteme in Deutschland
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die Arbeitsproduktivität in Deutschland ist in den letzten beiden Jahren gesunken und hat längst ihre Dynamik früherer Zeiten eingebüßt.
Dabei müsste die Produktivität in Zukunft deutlich steigen, um die demografiebedingten Rückgänge an Arbeitskräften der nächsten Jahre ausgleichen zu können (Bardt/Grömling, 2025). Deutschland befindet sich zudem in einer wirtschaftlichen Schwächephase und vor diesem Hintergrund wird die Debatte um die Arbeitsmotivation und -leistung in Deutschland vehementer geführt als in den Jahren des Beschäftigungswachstums zuvor. Während es in der Politik um nicht weniger als die Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme bei rückläufigem Erwerbspersonenpotenzial geht, stellen betriebliche Entscheider ihr Leistungsmanagement auf den Prüfstand, um unter aktuell schwierigen Markt- und Absatzbedingungen wettbewerbsfähig zu bleiben und sich mit Blick auf die Verknappung des Arbeitskräfteangebots und die Herausforderungen der digitalen und ökologischen Transformation zukunftssicher aufzustellen. Daneben spielen strukturelle Veränderungen in der Arbeitswelt in die Gestaltung des betrieblichen Leistungsmanagements hinein. Arbeitsergebnisse spielen zwangsläufig dort eine gewichtigere Rolle, wo die eigentliche Leistungserbringung weniger sichtbar ist und Beschäftigte ihre Arbeit eigenverantwortlicher gestalten.
Dabei scheinen immer mehr betriebliche Entscheider das Thema der Leistungskultur neu für sich entdeckt zu haben. Öffentlichkeitswirksam hat sich der Vorstandsvorsitzende von SAP zu einem Kurswechsel bei den Leistungsbewertungen bekannt, indem Mitarbeiter stärker anhand ihrer Leistung differenziert werden sollen. Dabei ist die Einteilung von Mitarbeitern in Leistungsgruppen nicht unumstritten, stellt sich doch immer auch die Frage, wie Leistung gemessen werden kann und welche Konsequenzen sich aus zu geringer Leistung ergeben. Als Vorbilder dienen oftmals US-Konzerne, wie beispielsweise Meta oder Amazon. Allerdings sind Unternehmen hierzulande hinsichtlich arbeitsrechtlicher Konsequenzen für vermeintlich leistungsschwache Mitarbeiter aufgrund des Kündigungsschutzes engere Grenzen gesetzt. Das Leistungsmanagement richtig aufzustellen ist eine herausfordernde Aufgabe und es gibt bereits umfangreiche wissenschaftliche Befunde zu den Wirkungsweisen von Leistungsbeurteilungen und der Vergütungsstruktur.
Im vorliegenden Beitrag soll es um die Frage gehen, wie Vergütungssysteme in Deutschland derzeit gestaltet sind und welche Entwicklungen und strukturellen Unterschiede sich erkennen lassen. Zu diesem Zweck werden sowohl Daten der Statistischen Ämter in Form der Verdiensterhebung der Jahre 2022 bis 2024 betrachtet als auch die Perspektive der Unternehmen und Beschäftigten über Befragungen im Jahr 2025 erhoben. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf leistungs- und erfolgsabhängiger Vergütung sowie ihrer intendierten und tatsächlichen Wirkung im Arbeitskontext. Die Begriffe Vergütung, Lohn und Gehalt sowie Entgelt werden in der Studie synonym verwendet.
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