Die Zustimmung zu höheren Fleischpreisen zugunsten der Umwelt variiert stark zwischen den Generationen: 57 Prozent der Gen Z und 51 Prozent der Millennials sind dafür, aber nur 40 Prozent der Babyboomer.
Zwischen Schnitzel und Gewissen – eine Generationenfrage?
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die Zustimmung zu höheren Fleischpreisen zugunsten der Umwelt variiert stark zwischen den Generationen: 57 Prozent der Gen Z und 51 Prozent der Millennials sind dafür, aber nur 40 Prozent der Babyboomer.
Trotzdem liegt der Bio-Fleisch-Anteil bei nur 3,9 Prozent, was auf eine Lücke zwischen Einstellung und Verhalten hinweist – mehr Transparenz bei der Tierhaltung kann helfen, Kaufentscheidungen zu erleichtern.
Es wird noch Fleisch gegessen, selten in Bio
Ob Schnitzel oder Gulasch – Fleisch bleibt ein wichtiger Teil der Ernährung in Deutschland. 2024 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 53,2 Kilogramm – nach einem Rückgang (58,5 kg in 2019 vs. 52,9 kg in 2023), ist er wieder leicht angestiegen (BLE, 2025). Mit einem Umsatzanteil von 21,3 Prozent in 2024 bleibt Fleisch ein zentraler Wirtschaftsfaktor der Ernährungsindustrie (BVE, 2025).
Nachhaltiger Konsum betrifft auch den Fleischkauf. Doch der Marktanteil von Bio-Fleisch lag 2022 nur bei 3,9 Prozent (BZL, 2023). Hauptgrund ist der deutlich höhere Preis im Vergleich zu konventionellem Fleisch: Artgerechte Tierhaltung, hochwertiges Futter, umweltverträgliche Anbaumethoden und regelmäßige Kontrollen treiben die Kosten, die sich letztlich in den Endverkaufspreisen niederschlagen (UBA, 2023). So sind beispielsweise Bio-Grillfleischprodukte 75 Prozent teurer als konventionelle Produkte (Neligan/Potthoff, 2024).
Die wahren Kosten von Fleisch bepreisen
Vor dem Hintergrund ökologischer und sozialer Folgekosten wird die Forderung nach einer stärkeren Bepreisung solcher Kosten lauter. Eine Tierwohlabgabe – etwa 40 Cent pro kg – als Verbrauchssteuer zur Deckung der Mehrkosten für eine artgerechtere Haltung wurde 2020 von der Zukunftskommission Landwirtschaft und zuletzt erneut als Tierwohl-Cent diskutiert (bpb, 2024). Die Idee dahinter ist, dass diese Einnahmen Landwirte beim Umbau der Tierhaltung unterstützen. Denn bislang sind die Bio-Anteile in der landwirtschaftlichen Produktion (2023), vor allem bei Rindfleisch (7,1 Prozent), Geflügel (1,6 Prozent) und Schweinefleisch (1,0 Prozent) niedrig (BÖLW, 2025).
Obgleich der Koalitionsvertrag Steuererhöhungen ausschließt, bleibt die Frage nach einem wirksamen und sozial verträglichen Steuersatz zur Senkung des Fleischkonsums und Förderung nachhaltiger Tierhaltung herausfordernd. Oft fehlt zudem die Zweckbindung solcher Abgaben. Ein alternatives Modell zeigt Dänemark: Ab 2030 wird dort eine CO₂-Steuer auf landwirtschaftliche Emissionen eingeführt – zunächst ca. 40 Euro pro Tonne CO₂-Äquivalent, ansteigend auf 100 Euro bis 2035, wobei es parallel einige Steuerentlastungen für die Landwirte geben wird. Ein Großteil der Einnahmen soll in grüne Agrarprogramme zurückfließen (Energiezukunft, 2024).
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Mind the gap: Einstellung vs. Verhalten
Das Auseinanderklaffen zwischen umwelt- oder gesundheitsbewussten Einstellungen und dem tatsächlichen Verhalten wird in der Verhaltensökonomik als Mind-Behavior-Gap bezeichnet. Obwohl viele Menschen in Umfragen häufig angeben nachhaltige oder ethische Ziele wie höhere Fleischpreise oder pflanzliche Alternativen zu unterstützen, handeln sie im Alltag oft anders. Gründe dafür sind Bequemlichkeit, Gewohnheiten, mangelndes Angebot, Preisempfindlichkeit oder ein gering ausgeprägtes Gefühl der Selbstwirksamkeit (Enste/Potthoff, 2021). Diese Diskrepanz erschwert eine wirksame Nachhaltigkeitspolitik im Ernährungsbereich. Daher ist es wichtig zu untersuchen, welche Bevölkerungsgruppen – insbesondere aus generationsspezifischer Sicht - besonders offen für nachhaltige Konsumveränderungen sind.
Knapp die Hälfte für höhere Fleischpreise
Gerade einmal 29,9 Prozent stimmen grundsätzlich zu, dass die ökologischen Kosten bei Produkten, Gütern und Diensten in den Preis einfließen sollten (Datengrundlage IW-Personenbefragung siehe Kasten). Während der aktuelle Landwirtschaftsminister Alois Reiner eine zusätzliche Besteuerung von Fleisch kategorisch ablehnt (Spiegel, 2025), befürwortet sogar fast die Hälfte der Bevölkerung (46 Prozent) einen höheren Preis für Fleisch, um die ökologischen Kosten zu berücksichtigen.
Trotz vermeintlich knapperem Geldbeutel sind es insbesondere die jungen Menschen, die bereit sind, für ökologische Standards beim Fleischkonsum mehr zu zahlen (siehe Abbildung). 57,3 Prozent der Generation Z (ab 1997) sprechen sich dafür aus, gefolgt von 50,8 Prozent der Millennials (1983–1996), die Preisanstiege beim Fleisch zur Einpreisung ökologischer Effekte befürworten. In älteren Generationen sinkt die Zustimmung spürbar: Nur noch 43,5 Prozent der „stillen Generation“ (vor 1955) und 40,2 Prozent der Baby-Boomer (1955–1964) stehen höheren Preisen positiv gegenüber. Auffällig ist dabei, dass insbesondere bei der Generation X und den Baby-Boomern ein vergleichsweise großer Anteil der Befragten höhere Fleischpreise deutlich ablehnt (37,5 Prozent bzw. 39,1 Prozent).
Nachhaltigen Fleischkonsum stärken
Aus ordnungspolitisch marktwirtschaftlicher Sicht sollten politische Maßnahmen nachhaltigen Fleischkonsum durch Anreize fördern, ohne die individuelle Verantwortung oder Marktmechanismen zu untergraben. Dazu zählen Investitionsanreize für tierwohlgerechte Betriebe, besonders bei kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Unternehmen sowie innovationsfreundliche Rahmenbedingungen für alternative, nachhaltigere Fleischprodukte. Flankierende staatliche Maßnahmen – wie gezielte Forschungsförderung, Marktzugangs-Erleichterungen und Verbraucherbildung – können den Markt ergänzend stärken.
Verbraucherinformation und Transparenz sind zentral: Um informierte Konsumentscheidungen zu erleichtern, sind klare und verständliche Herkunfts- und Tierwohlkennzeichnung wie es verschiedene freiwillige private Siegel und Label bereits machen, hilfreich. Ergänzend soll das aufgrund des bürokratischen Aufwands und der begrenzen Anwendbarkeit kritisierte Gesetz zur Tierhaltungskennzeichnung künftig (nun mit einer Übergangsfrist bis 1. März 2026) fünf Haltungsformen unterscheiden und für Schweinefleisch greifen (BLMEH, 2025). Erst im Juli 2025 wurde im Bundesrat die Aufhebung dieses Gesetzes abgelehnt. Ergänzend können sogenannte „grüne Nudges“ – also sanfte Anstöße zur Verhaltensänderung – dazu beitragen, nachhaltigen Konsum zu fördern. So kann sich etwa die sichtbare Platzierung von Bio- oder Veggie-Produkten in Supermärkten, Restaurants oder Kantinen als wirksamer Impuls erweisen. CO2-Ampeln in Supermarkt-Apps oder Online-Shops, die die Klimawirkung eines Einkaufs aufzeigen, könnten insbesondere bei umweltbewussteren und eher einen Aufpreis zahlungsbereiten jüngeren Kundschaft zusätzliche Orientierung bieten und die nachhaltigeren Produkte sichtbarer und attraktiver machen, ohne die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten einzuschränken (Katare/Zhao, 2024).
Vom 10. bis 18.12.2024 wurden im Auftrag des IW über das Online-Access-Panel von Bilendi&respondi 3.288 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland befragt. Die Befragung ist repräsentativ quotiert nach den Merkmalen Geschlecht/Alter, Wohnsitz nach Bundesländern sowie dem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen. Die valide Nettostichprobe umfasst 3.267 Befragte und wurde ungewichtet verwendet. Die Nutzung von entsprechenden Anpassungsgewichten führt zu qualitativ vergleichbaren Ergebnissen.
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Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
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IW
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