Mit dem „Sozialpartnermodell Betriebsrente“ will Bundessozialministerin Andrea Nahles Versorgungslücken im Alter schließen. Doch eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt: Politischer Handlungsbedarf besteht vor allem bei Arbeitslosigkeit. Ausgerechnet in diesen Fällen hilft aber eine weitere Variante der betrieblichen Altersvorsorge (BAV) wenig.

Forschung statt Aktionismus
Bei Fragen rund um die BAV mangelt es vor allem an einem: verlässlichen Daten. „Das Vorsorgeverhalten der Deutschen ist komplex, aber bislang nur ausschnittsweise erforscht“, sagt IW-Steuerexperte Martin Beznoska. Einschlägige Studien werfen häufig mehr Fragen auf, als sie beantworten. Deshalb bezweifelt das IW den Sinn der aktuell diskutierten Vorschläge zur Reform der Alterssicherung. So sollen im Sozialpartnermodell die Tarifpartner gemeinsam Pensionsfonds betreiben und Beitragszahlungen zur BAV in Tarifverträgen verankern.
Auf Basis von Haushaltsdaten untersuchen die IW-Autoren, wie weit die BAV in Deutschland verbreitet ist. Nach deren Berechnungen gibt es in bis zu 66 Prozent der Paar-Haushalte mindestens eine BAV. Es sei jedoch nicht sinnvoll, bei der Altersvorsorge nur auf die BAV zu schauen, so die Autoren der Studie. Werden alle privaten Vorsorgemöglichkeiten betrachtet, verfügen bis zu 90 Prozent der Paar-Haushalte über eine Zusatzvorsorge. „Vor allem Paaren ist klar, dass sie eine ergänzende Altersvorsorge brauchen – und sie sorgen in der Regel vor“, sagt Jochen Pimpertz, Leiter des Kompetenzfeldes Soziale Sicherung im IW Köln.
Ohnehin ist laut IW-Studie die Arbeitslosigkeit das größte Hindernis bei der Vorsorge. „Das ist ein Problem, das die Politik mit Vorschlägen zur betrieblichen Vorsorge allein nicht lösen kann“, sagt Beznoska. Zudem bleibt unklar, was der optimale Verbreitungsgrad der betrieblichen Altersvorsorge ist. „Die Analysen zeigen, dass viel mehr Forschung nötig ist als politischer Handlungsbedarf“, so Pimpertz.

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