1. Home
  2. Presse
  3. Pressemitteilungen
  4. Medienkonsum: Bürger haben stark verzerrtes Bild der Wirklichkeit
Zeige Bild in Lightbox
(© Foto: iStock)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Judith Niehues / Ruth Maria Schüler / Jana Tissen Pressemitteilung 23. Mai 2021

Medienkonsum: Bürger haben stark verzerrtes Bild der Wirklichkeit

Die Deutschen verschätzen sich bei sozio-ökonomischen Kennzahlen oft erheblich, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Wer sich vorrangig in sozialen Netzwerken informiert, schneidet besonders schlecht ab.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Wie viele Menschen sind in Deutschland von Armut bedroht? Im Schnitt schätzen die Bundesbürger diesen Anteil auf 35 Prozent. Doch tatsächlich lag die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2019 laut Mikrozensus bei rund 16 Prozent.  

In einer gemeinsamen Befragung mit der Ruhr-Universität Bochum hat das IW für ein durch die Brost-Stiftung gefördertes Projekt über 1.000 Menschen befragt, um herauszufinden, wie gut sie sozio-ökonomische Kennzahlen zu Armut, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Erneuerbare Energien und Verkehrstoten einschätzen können. Das Ergebnis: Die Bürger schätzen die Situation eher pessimistisch ein. 

Schlechtere Einschätzung, größere Unzufriedenheit

So beziffern die Befragten die Arbeitslosenquote in Deutschland im Durchschnitt auf 23 Prozent, obwohl sie zum Zeitpunkt der Befragung bei rund sechs Prozent lag. Noch gravierender ist der Unterschied, wenn nach der Arbeitslosenquote ausländischer Mitbürger gefragt wird: Im August 2020 lag sie bei 15,6 Prozent, doch die Teilnehmer der Studie schätzen sie im Schnitt auf 41 Prozent. Auch bei den Themen Altersarmut und Kriminalität schätzen die Befragten die Realität pessimistischer ein als sie die amtliche Statistik zeigt. „Unsere Untersuchung zeigt, dass Befragte mit starken Fehleinschätzungen eher unzufrieden mit der Demokratie in Deutschland, der sozialen Gerechtigkeit und dem sozialen Sicherungssystem sind“, sagt Studienautorin Judith Niehues.  

Konsumenten klassischer Medien schneiden besser ab

Die Befragung zeigt, dass diejenigen, die sich vor allem in klassischen Medien wie dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder in überregionalen Zeitungen über politische Themen informieren, besser abschneiden als Menschen, die politische Informationen vorrangig über Soziale Medien beziehen. Es fällt auf, dass Fehleinschätzungen im Bereich Altersarmut, Entwicklung von Kriminalität und Arbeitslosigkeit von Ausländern bei Anhängern der AfD besonders hoch ausfallen – gleichzeitig informieren sie sich besonders häufig in Sozialen Medien. Während unter den übrigen Befragten 24 Prozent ihre Nachrichten vorrangig in Sozialen Medien konsumieren, sind es unter den AfD-Anhängern knapp 42 Prozent.

„Anhand der Auswertung wird deutlich, dass ökonomische Bildung das Potential hat, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Vertrauen in die Demokratie zu stärken“, sagt Bodo Hombach, Vorsitzender der Brost-Stiftung. „Zudem sollte die digitale Souveränität gefördert werden, denn Quellenkompetenz wird vor dem Hintergrund der neuen Medienlandschaft immer wichtiger.“

Download Studie
21. Mai 2021

Judith Niehues / Ruth Maria Schüler / Jana Tissen: Selektiver Medienkonsum und sozioökonomisches Unwissen: Ein Katalysator für Unzufriedenheit?

IW-Trends

Download Studie

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Die Bedeutung von Vertrauen in Krisenzeiten
Dominik Enste in Zeitschrift für Politikwissenschaft Externe Veröffentlichung 22. Juni 2021

Wirtschaft und Corona: Die Bedeutung von Vertrauen in Krisenzeiten

Die größte aktuelle Herausforderung ist weltweit ohne Zweifel die COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) Pandemie, die sowohl wirtschaftsethische Abwägungen als auch ökonomische Bewertungen erfordert. Angesichts der dynamischen, schwer vorhersehbaren Entwicklungen ...

IW

Artikel lesen
Matthias Diermeier / Judith Niehues / Ruth Schüler Pressemitteilung 31. Mai 2021

Ruhrgebiet: Demokratiezufriedenheit trotz Pessimismus

Menschen im Ruhrgebiet haben ein geringeres Vertrauen in ihre Mitmenschen und sind in vielerlei Hinsicht besorgter als Menschen aus anderen Regionen. Gleichzeitig ist das Vertrauen in die Demokratie durchschnittlich, zeigt eine neue Studie des Instituts der ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880