1. Home
  2. Presse
  3. Pressemitteilungen
  4. Nahost-Konflikt: Höhere Ölpreise könnten Deutschland bis zu 80 Milliarden Euro kosten
Zeige Bild in Lightbox Tankstelle mit Preistabelle
Der Konflikt in Nahost treibt die Spritpreise nach oben. (© Getty Images / Sean Gallup)
Pressemitteilung 5. März 2026 Galina Kolev-Schaefer / Thomas Obst / Thomas Puls / Samina Sultan

Nahost-Konflikt: Höhere Ölpreise könnten Deutschland bis zu 80 Milliarden Euro kosten

Die Folgen des Irankriegs bedrohen auch die deutsche Wirtschaft: Steigen die Ölpreise weiter, drohen wirtschaftliche Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe, zeigt eine Simulation des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Steigende Ölpreise infolge des Irankriegs könnten das deutsche Wirtschaftswachstum deutlich bremsen. Bei einem Ölpreis von 150 US-Dollar pro Barrel würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 um 0,5 Prozent und 2027 um 1,3 Prozent geringer ausfallen, wie aus einer IW-Simulation hervorgeht. Das entspricht einem Verlust von mehr als 80 Milliarden Euro über die zwei Jahre. Auch ein geringerer Anstieg des Ölpreises hätte spürbare Folgen: Klettert er auf 100 US-Dollar, belaufen sich die BIP-Verluste auf 0,3 Prozent im Jahr 2026 und 0,6 Prozent im Jahr 2027 – ein wirtschaftlicher Schaden von etwa 40 Milliarden Euro über die zwei Jahre. 

Inflation und Produktionskosten steigen

Zudem würde die Inflation angeheizt: Bei einem Ölpreis von 100 US-Dollar liegen die Verbraucherpreise 2026 um rund 0,8 Prozent höher, 2027 um 1,0 Prozent. Bei 150 US-Dollar fallen die Verbraucherpreise 2026 um rund 1,6 Prozent und 2027 um etwa 1,9 Prozent höher aus. Denn höhere Energiepreise verteuern Transport, Heizung, Produktion und zahlreiche Vorprodukte – Effekte, die sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis zu den Verbraucherpreisen fortsetzen.

Handelsverflechtungen eher gering

Im deutschen Außenhandel spielt der Iran zwar nur eine untergeordnete Rolle. Wirtschaftliche Risiken entstehen jedoch indirekt: Neben steigenden Energiepreisen gehören dazu Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten, Unterbrechungen globaler Lieferketten und die Fragmentierung der Weltwirtschaft. 

„Mit Verwerfungen in einem Ausmaß wie in den Ölkrisen der 1970er-Jahre ist derzeit nicht zu rechnen“, sagt Galina Kolev-Schaefer. „Dennoch treffen jeder Energiepreisanstieg und jede Störung des globalen Handels die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten deutschen Wirtschaft empfindlich“. Wie gravierend die Folgen sein werden, hänge vom Ausmaß der Ausbreitung sowie der Dauer des Konflikts und der Beeinträchtigung des Transportwegs für Erdöl über die Straße von Hormus ab. 

Zur Methodik: Zur Abschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen eines Ölpreisschocks auf Deutschland wurden Simulationen mit dem Global Economic Model von Oxford Economics durchgeführt. Im Basisszenario wurde ein Ölpreis von 60 US-Dollar pro Barrel Brent für 2026 und 2027 unterstellt; zwei Alternativszenarien gehen ab März 2026 von 100 bzw. 150 US-Dollar aus. Die Szenarien stellen keine Prognose, sondern eine Abschätzung der Größenordnung möglicher Effekte dar. Es werden nur die wirtschaftlichen Anpassungen an den Ölpreisanstieg modelliert; Effekte durch steigende geopolitische Unsicherheit oder höhere Gaspreise werden nur indirekt erfasst.

 

Inhaltselement mit der ID 15255
PDF herunterladen
Auswirkungen eines steigenden Ölpreises auf die deutsche Wirtschaft
IW-Kurzbericht Nr. 17 5. März 2026 Galina Kolev-Schaefer / Thomas Obst / Thomas Puls / Samina Sultan

Auswirkungen eines steigenden Ölpreises auf die deutsche Wirtschaft

Galina Kolev-Schaefer / Thomas Obst / Thomas Puls / Samina Sultan Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Dr. Samina Sultan, Economist für Europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik
WDR5 21. Juli 2026 Samina Sultan im WDR

Weitere Angriffe Iran-USA und die Folgen für Deutschland

Der US-Iran-Krieg drückt wegen der Straße von Hormus weiterhin die globale Wirtschaft. Auch eine Waffenruhe werde das nicht so leicht ändern, sagt IW-Ökonomin Samina Sultan: „Ich glaube nicht, dass wir schnell zu dem Normalzustand zurückkehren werden.”

Samina Sultan im WDR IW

Artikel lesen
Extern 17. Juli 2026 Michael Hüther im ZEIT-Podcast

Krise des deutschen Wirtschaftsstandorts: „Das ist nicht der Untergang Deutschlands“

Jobabbau bei VW, unzureichende Reformen, harter Wettbewerb aus Fernost: Der deutsche Wirtschaftsstandort steht massiv unter Druck. Im ZEIT-Podcast „Das Politikteil“ erklärt IW-Direktor Michael Hüther, warum er trotzdem optimistisch bleibt und an Deutschlands Zukunft glaubt.

Michael Hüther im ZEIT-Podcast IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880