Nicht nur die Staatskassen leiden unter der Corona-Pandemie, auch die evangelische und die katholische Kirche nahmen deutlich weniger Geld ein. Mit 11,9 Milliarden Euro waren die Einnahmen 2020 um rund 800 Millionen Euro niedriger als im Vorjahr – ein Minus von rund sechs Prozent. 

Die Bemessungsgrundlage für die Kirchensteuer ist die Lohn- und Einkommensteuer. Da Bund und Länder 2020 deutlich weniger Steuern eingenommen haben als vor der Krise, brachen auch die Kirchensteuereinnahmen ein. Der Rückgang wiegt für die Kirchen schwer, da sie nicht so einfach wie der Staat an günstige Kredite kommen, sondern nun ihre Rücklagen anbrechen müssen. 

Vorkrisenniveau frühestens 2022 

Wenn sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte erholt, sind die Kirchensteuereinnahmen 2022 so hoch wie vor der Krise, kaufkraftbereinigt aber erst 2025. In den vergangenen zehn Jahren waren die Einnahmen der Kirche kontinuierlich gestiegen. Gründe waren der Beschäftigungsaufbau und die Steuerprogression. 

Obwohl sich die Steuereinnahmen kurzfristig erholen werden, steht die Kirche langfristig unter Druck. In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Kirchenmitglieder um ein Fünftel auf rund 43 Millionen Menschen gesunken.  

Steuerbedarf verteilt sich auf weniger Schultern

Auch der demografische Wandel belastet die Kirche. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den nächsten Jahren in Rente und zahlen weniger Steuern. Wie bei der Einkommenssteuer müssen also weniger Menschen den Steuerbedarf decken.

„Die Kirche steht in den kommenden Jahrzehnten vor einer großen Herausforderung“, sagt IW-Steuerexperte Tobias Hentze. „Sie muss einen Weg finden, ihre Einnahmen trotz des demografischen Wandels und sinkender Mitgliederzahlen zu sichern und gleichzeitig ihre Ausgaben kritisch überprüfen.“