Grundlage für die Definition der Mittelschicht ist das mittlere Netto-Einkommen: Im Jahr 2014 lag es bei rund 1.760 Euro für Alleinstehende und bei etwa 3.690 Euro für ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren. Wer 80 bis 150 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, zählt laut IW-Studie zur Mittelschicht. Das ist eine sehr enge Definition, trotzdem fielen 2014 rund 40 Millionen Menschen in Deutschland in diese Kategorie. Das sind 48 Prozent der Bevölkerung, 2005 waren es knapp 50 Prozent. Um zur Gruppe der relativ Reichen – den vier Prozent mit dem höchsten Einkommen – zu gehören, brauchen Singles ein Netto-Einkommen von 4.400 Euro, ein Paar ohne Kinder 6.590 Euro.

Vor allem Familien gehören typischerweise der Mittelschicht an. Von den rund 8 Millionen Paaren mit Kindern sind es rund 54 Prozent. „Das Armutsrisiko von Familien mit Kindern ist insgesamt unterdurchschnittlich“, sagt IW-Wissenschaftlerin Judith Niehues. Ähnliches gilt für Senioren – jeder zweite Mensch über 65 ist in der Einkommensmitte zu finden. Paare ohne Kinder erreichen oft sogar die oberen Einkommensschichten, Singles finden sich eher in den unteren Einkommensbereichen wieder. „Die Zugehörigkeit zur Mittelschicht geht mit einer beachtlichen wirtschaftlichen Sicherheit einher. Die Gefahr eines Abstiegs in den Bereich der Armutsgefährdung wird zweifelsfrei überschätzt“, sagt Niehues.

Von Armut bedroht sind vor allem Alleinerziehende: Nur jeder Dritte gehört zur Mittelschicht, rund 40 Prozent sind relativ arm, zeigt die IW-Studie. Auch Personen mit niedrigem Bildungsniveau und Menschen mit Migrationshintergrund sind häufig einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt, sie gehören nur zu rund 37 beziehungsweise 40 Prozent zur mittleren Einkommensschicht.