1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Erbschaftsteuerreform: Eine komplizierte Einigung
Zeige Bild in Lightbox Eine komplizierte Einigung
(© Foto: PeopleImages.com/iStock)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Ralph Brügelmann / Tobias Hentze IW-Nachricht 22. September 2016

Erbschaftsteuerreform: Eine komplizierte Einigung

Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat hat sich in der Nacht auf einen Kompromiss zur Erbschaftsteuerreform geeinigt. Für die Politik ist das Ergebnis kein Ruhmesblatt, da sie die vom Bundesverfassungsgericht gesetzte Frist nicht erfüllt hat. Für die Unternehmen bedeutet die Einigung zumindest Rechtssicherheit, sofern Bundestag und Bundesrat morgen zustimmen. Und die Korrektur der bestehenden Überbewertung ist aus ökonomischer Sicht ein Schritt nach vorne.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Sollten Bundestag und Bundesrat morgen zustimmen, hat die Politik geschlagene 21 Monate gebraucht, um das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftsteuer umzusetzen. Ganz nebenbei hat sich die Politik auch noch über die von den Richtern gesetzte Frist hinweggesetzt. Soweit sind das keine guten Nachrichten aus dem deutschen Politikbetrieb. Positiv dagegen ist, dass die Unternehmer jetzt wieder Rechtssicherheit haben.

Ob das neue Gesetz allerdings den Vorgaben des Grundgesetzes entspricht, werden im Zweifelsfall wieder die Richter beantworten müssen. Zugute halten kann man der Politik, dass sie die wesentlichen Kritikpunkte des Urteils aufgegriffen und umgesetzt hat: Erstens müssen Erben kleinerer Betriebe in Zukunft ebenfalls den Erhalt von Arbeitsplätzen nachweisen, um von der Erbschaftsteuer verschont zu werden. Zweitens wird das Verwaltungsvermögen, zu dem nicht betriebsrelevantes Vermögen wie Kunstgegenstände oder vermietete Grundstücke gehört, nicht mehr im bisherigen Ausmaß verschont. Und drittens werden künftig Erben großer Unternehmen nicht mehr um eine Steuerzahlung herumkommen, sofern sie nicht nachweislich keine entsprechenden Mittel zur Verfügung haben.

Fast nebenbei hat der Gesetzgeber in diesem Zusammenhang an einer aus ökonomischer Sicht wichtigen Stellschraube in die richtige Richtung gedreht: Aufgrund der Verschonungsregeln der Vergangenheit interessierte sich kaum jemand dafür, wie die Bemessungsgrundlage für die Besteuerung eines Unternehmens ermittelt wurde. Denn wenn es 100 Prozent Rabatt gibt, dann ist der Preis egal. Da dieser Nachlass in Zukunft für größere Unternehmen nicht mehr per se gilt, rückt das Preisschild zurecht in den Blickpunkt. Der Gesetzgeber sorgt nun dafür, dass die vom IW Köln bereits zu Beginn der Reformdebatte bemängelte Überbewertung der Unternehmen aufgrund der Niedrigzinsphase korrigiert wird. Der Unternehmenswert wird bei Familienunternehmen, die besonderen Entnahme- und Veräußerungsbeschränkungen unterliegen, nach dem neuen Gesetz 46 Prozent unter dem bisherigen Wert liegen. So muss der Erbe eines Familienunternehmens mit einem durchschnittlichen Gewinn von 3 Millionen Euro in Zukunft rund 29 statt 54 Millionen Euro als Bemessungsgrundlage versteuern. Allerdings hat der Gesetzgeber hohe Hürden für den Erhalt des Nachlasses aufgestellt. Erst der Praxistest wird also zeigen, wie sich der lange verhandelte Kompromiss der Politik auf die Volkswirtschaft auswirkt.

PDF herunterladen
Unternehmensbewertung als Grundlage für die Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen
Ralph Brügelmann / Tobias Hentze IW-Policy Paper Nr. 9 7. Mai 2015

Unternehmensbewertung als Grundlage für die Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen

PDF herunterladen

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Mit 3.700 Euro gehören Singles zu den einkommensreichsten zehn Prozent
Judith Niehues / Maximilian Stockhausen Pressemitteilung 29. Dezember 2021

Mit 3.700 Euro gehören Singles zu den einkommensreichsten zehn Prozent

Paare, die keine Kinder haben oder deren Kinder bereits ausgezogen sind und die keine Rentner sind, haben die besten Chancen zur Einkommensspitze zu zählen. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Ein Paar ohne Kinder gehört mit ...

IW

Artikel lesen
Maximilian Stockhausen / Kai Maiworm Pressemitteilung 25. September 2021

Wohlstand für alle?

Im Wahlkampf behaupten Politiker gerne, die Armen würden immer ärmer, die Reichen immer reicher. Tatsächlich ist die Verteilung aber seit Jahren stabil, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): In den Jahren vor der Corona-Pandemie ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880