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(© Foto: GettyImages)
IW-Nachricht 10. Juni 2021 Markus Demary / Galina Kolev

Wie der Ölpreis die Inflation treibt

Die Inflationsrate wird in Deutschland und europaweit in diesem Jahr wesentlich höher ausfallen als 2020. Der gestiegene Ölpreis ist dabei ein entscheidender Faktor für die hohe Preissteigerung, zeigen neue Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): Wäre er auf dem Vorjahresniveau geblieben, würde die Inflation fast einen Prozentpunkt niedriger ausfallen.

In dieser Woche kostete ein Barrel der Sorte Brent zum ersten Mal seit rund zweieinhalb Jahren mehr als 70 US-Dollar – vorläufiger Ölpreis-Höchststand. Lag der Preis im vergangenen Jahr noch bei knapp 42 US-Dollar je Barrel, dürfte er dieses Jahr Prognosen der US Energy Information Administration (EIA) zufolge um etwa 56 Prozent höher liegen. Das treibt die Inflation, zeigt eine neue IW-Rechnung: Würde der Ölpreis auf dem Vorjahresniveau bleiben, würde die Inflation einen Prozentpunkt niedriger ausfallen.

Ölpreis beeinflusst die wirtschaftliche Erholung

Um den Effekt des höheren Ölpreises im laufenden Jahr auf die Verbraucherpreise abzuschätzen, haben die Forscher zwei Szenarien miteinander verglichen. Im ersten Szenario wurde die von der EIA aufgestellte Prognose eingesetzt, im zweiten Szenario wurde der Ölpreis auf dem Niveau des Jahres 2020 fortgeschrieben. Die Berechnungen erfolgten mit dem Global Economic Model von Oxford Economics. Der Unterschied ist erheblich: Mehr als ein Drittel der aktuell verzeichneten Inflation ist auf den Anstieg des Ölpreises zurückzuführen. Auch der Erholungsprozess nach Abklingen der Pandemie wird durch den höheren Ölpreis beeinträchtigt. Die Wachstumseinbuße in 2021 beläuft sich auf rund 0,2 Prozentpunkte.

Kein Grund zur Sorge

Neben dem Ölpreis treiben auch weitere Einmaleffekte die Preise in 2021 in die Höhe, darunter die CO2-Steuer und die Mehrwertsteuer, die in der zweiten Hälfte des Jahres aufgrund der temporären Senkung letztes Jahr höher als im Vorjahr liegen wird. Zudem ist pandemiebedingt die Ersparnis der Haushalte im letzten Jahr gestiegen, was in diesem Jahr zu einer hohen Zahlungsbereitschaft für Urlaubsreisen, Konzert- und Restaurantbesuchen führen wird. Wenn die Preise in diesem Jahr steigen, so ist der Inflationseffekt nur vorrübergehend, da sich die Nachfrage im nächsten Jahr wieder normalisieren sollte. Deshalb ist das kein Grund zur Inflationsangst. Sofern die Inflationsrate das Inflationsziel der EZB nur in diesem Jahr überschießen wird, so ist ein starkes Gegensteuern der EZB erst einmal nicht erforderlich.  

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