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IW-Nachricht 27. Januar 2020 Holger Schäfer

Arbeitsmarkt: Europäische Erfolgsgeschichte

Vor zehn Jahren hat die internationale Arbeitsorganisation, kurz ILO, ein weltweites Rekordhoch bei den Arbeitslosen gemeldet. Seitdem hat sich in Europa viel getan: Die Arbeitsmärkte der europäischen Staaten haben sich von den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 größtenteils wieder erholt. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Einer der größten Gewinner der Entwicklung in der letzten Dekade ist Deutschland.

Deutschland gehört zu den vielen Staaten, in denen der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung seit Jahren wächst. Allerdings sind die Erfolge auf dem deutschen Arbeitsmarkt seit der Krise besonders groß: Seit dem Jahr 2008 ist der Anteil der Erwerbstätigen um rund sechs Prozentpunkte gestiegen. Einen vergleichbaren Zuwachs konnten sonst nur einige osteuropäische Lander vorweisen. Damit gelang es Deutschland, viele einstige arbeitsmarktpolitische Vorbilder zu überholen. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 lag die Erwerbstätigenquote noch unter der in Dänemark, den Niederlanden und Großbritannien. Mittlerweile ist Schweden das einzige Land, das einen noch höheren Anteil aufweisen kann.

Problemstaaten: Spanien und Griechenland

Eine Reihe weiterer Staaten wurde so schwer von der Krise getroffen, dass die Erwerbstätigenquote bis heute nicht wesentlich über dem Wert von vor zehn Jahren liegt. Problematisch erscheint vor allem die Lage in Spanien und Griechenland: Hier geht die Quote sogar zurück. Immerhin haben beide Länder seit dem Tiefpunkt im Jahr 2013 wieder aufgeholt. Ähnliches gilt für Dänemark, wo allerdings das Niveau der Erwerbstätigkeit wesentlich höher ist.
Letztlich gibt es Staaten wie Frankreich oder Italien, deren Arbeitsmärkte zwar nicht sehr stark von der Krise getroffen wurden – eine nennenswerte Steigerung der Erwerbstätigkeit ist trotzdem nicht zu verzeichnen. 

Erwerbstätigenquote besonders aussagekräftig

Die Erwerbstätigenquote eignet sich als Indikator für das Wohl und Wehe des Arbeitsmarktes besonders gut: Sie gibt an, wie hoch der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung im Erwerbsalter ist. Anders als die Erwerbslosenquote verändert sie sich nicht, wenn beispielsweise Arbeitslose zu Erwerbsunfähigen umdeklariert werden. Zudem ist die Quote nicht davon abhängig, wie sich die Anzahl der Erwerbstätigen in der Bevölkerung entwickelt.
 

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