Die beiden größten deutschen Gewerkschaften Verdi und IG Metall stimmen sich in diesem Jahr mit massiven Warnstreiks auf den Tag der Arbeit ein. Die Streiks sollen nicht nur Druck auf die Arbeitgeber ausüben, sondern auch helfen, den Bedeutungsverlust der Gewerkschaften zu stoppen: Ihr Organisationsgrad ging allein von 2014 auf 2015 um 0,2 Prozentpunkte zurück.
Tag der Arbeit: Mit Warnstreiks in den Mai
Die Aktionen zum 1. Mai stehen diesmal unter dem Motto „Zeit für mehr Solidarität“. Die Kundgebungen fallen mitten in eine durch Warnstreiks im Öffentlichen Dienst und in der Metall- und Elektro-Industrie aufgeheizte Atmosphäre. Verdi und IG Metall mobilisieren Zehntausende, um nicht nur für höhere Löhne zu kämpfen, sondern auch, um neue Mitglieder zu gewinnen. Denn während die Zahl der Beschäftigten wächst, gelingt es den Gewerkschaften gerade mal, ihre Mitgliederzahlen zu stabilisieren.
Per Saldo schreitet der Bedeutungsverlust der Gewerkschaften indes weiter voran: Im vergangenen Jahr ging der Netto-Organisationsgrad – also der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer an allen Arbeitnehmern – auf 17,3 Prozent zurück. Im Jahr 2014 waren es noch 17,5 und 2012 sogar 20,6 Prozent gewesen.
So wichtig der Tag der Arbeit für das Selbstverständnis der Gewerkschaften weltweit noch immer ist, werden ihre Rekrutierungserfolge immer stärker auf anderen Spielfeldern bestimmt: Entscheidend sind die Kampagnen und sozialen Bewegungen, mit denen IG Metall, Verdi und Co. ganz gezielt bestimmte Beschäftigtengruppen als Mitglieder umwerben. Ob sich ein „Organisieren am Konflikt“ – wie aktuell praktiziert – langfristig auszahlen wird, bleibt indes abzuwarten.
Gewerkschaften: Anhaltendes Repräsentationsdefizit trotz Wandel der Mitgliederstruktur
Der Anteil der Angestellten an allen abhängig Beschäftigten ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Unter den Gewerkschaftsmitgliedern haben Angestellte mittlerweile die Arbeiter als größte Gruppe abgelöst.
IW
Europäische Mindestlohnrichtlinie und Stärkung der Tarifbindung
Die EU-Mindestlohnrichtlinie empfiehlt den EU-Mitgliedstaaten zur Sicherung angemessener Mindestlöhne eine tarifvertragliche Reichweite von 80 Prozent.
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