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Arbeitskämpfe IW-Nachricht 21. April 2015

Deutschland im Streikfieber

Die Lokführergewerkschaft GDL hat im laufenden Tarifkonflikt zum neunten Ausstand aufgerufen; bei den Kitas und bei der Deutschen Post drohen ebenfalls langwierige Großkonflikte. Das wird sich zum einen auf die Arbeitskampfbilanz auswirken. Zum anderen sind Streiks für die Bürger heute viel spürbarer als früher, da vor allem im Dienstleistungssektor gestreikt wird.

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Arbeitskämpfe im internationalen Vergleich

Durch Arbeitskämpfe ausgefallene Arbeitstage je 1.000 Arbeitnehmer; Jahresdurchschnittswerte für den Zeitraum 2005 bis 2014

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Belgien, Dänemark, Neuseeland, Norwegen, Polen, Schweiz, Slowakei, Spanien fehlende Werte 2014; Frankreich, Japan fehlende Werte 2013, 2014; Ungarn fehlende Werte 2011, 2013, 2014; Portugal fehlende Werte 2008, 2009, 2014; Ursprungsdaten: Eurostat, ETUI, ILO, OECD, nationale Quellen

Das Bild, das die deutsche Sozialpartnerschaft derzeit potenziellen Investoren bietet, ist düster: Immer mehr Arbeitnehmer bestreiken immer mehr Betriebe und es kommt zu immer mehr Ausfalltagen (Grafik).

Immerhin hat die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) aus vergangenen Fehlern gelernt. Sie will den Güterverkehr dieses Mal „nur“ 66 Stunden lahm legen – im vergangenen Herbst brach sie einen auf 109 Stunden angesetzten Streik im Güterverkehr vorzeitig ab. Das war gut so, weil nach drei bis vier Tagen für Unternehmen schwerwiegende Logistikprobleme auftreten. Bewirken diese einen Produktionsstillstand, können sich die Streikschäden schnell von einigen Millionen auf bis zu 100 Millionen Euro pro Tag summieren.

Doch da die GDL auch im Personenverkehr streikt, sind neben Firmen auch zahlreiche Bahnreisende betroffen. Der Bahn-Konflikt ist aber nicht der einzige Tarifstreit, der auf dem Rücken vieler Bürgerinnen und Bürger ausgetragen wird: Bei den laufenden Tarifverhandlungen der Sozial- und Erziehungsdienste droht ein endgültiges Scheitern. Die Folge wären wochenlange Ausstände, wie sie 2009 schon einmal stattfanden.

Auch bei der Deutsche Post drohen Urabstimmung und Streik. Dort fordert ver.di eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um 2,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Tatsächlich wehrt sich die Gewerkschaft aber gegen die Auslagerung des Paketgeschäfts in neue Regionalgesellschaften. Dieser Konflikt könnte ähnlich eskalieren wie der Telekom-Konflikt im Jahr 2007. Auch damals ging es um die Auslagerung von Servicetätigkeiten wie jene in Callcentern auf neue Servicegesellschaften mit niedrigeren Tarifniveaus. Ein Kompromiss wurde erst nach mehr als sechs Wochen Ausstand gefunden, der Streik bescherte damals nach Gewerkschaftsangaben fast eine halbe Million Ausfalltage.

Dass sich Streiks aktuell häufen, ist allerdings nichts Ungewöhnliches: In diesem Jahr führen fast alle wichtigen Branchen Tarifverhandlungen und ältere Konflikte wie die bei der Bahn, der Lufthansa oder Amazon sind noch nicht beendet. Weil bis zu 90 Prozent der streikbedingten Ausfalltage inzwischen aber im Dienstleistungssektor anfallen, sind Streiks für die Menschen viel spürbarer als früher.

Streikbilanz zeigt Aufwärtstrend

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*Ohne Bagatellstreiks
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

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