1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Digitales Lernen: Schulen sind nicht vorbereitet
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Axel Plünnecke IW-Nachricht 26. Mai 2020

Digitales Lernen: Schulen sind nicht vorbereitet

Das Statistische Bundesamt hat neue Zahlen veröffentlicht, die alte Probleme aufzeigen: Noch immer ist digitales Lernen an den Schulen in Deutschland die Ausnahme. Weitere Studien machen deutlich: Es fehlt an Kompetenzen der Lehrkräfte, oft gibt es nicht einmal WLAN für Schüler und Lehrer. Das Bildungssystem muss bei der Digitalisierung endlich seine Hausaufgaben machen.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Digitales Lernen ist nach der schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen wichtiger denn je, um Bildung zu ermöglichen und der Gefahr einer zunehmenden Chancenungleichheit an Schulen entgegenzuwirken. 

Die Defizite im deutschen Bildungssystem sind allerdings nicht erst seit den heute veröffentlichten Zahlen bekannt. Auch die internationalen Vergleichsstudie „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS-2018) hat sich den Problemen gewidmet: Demnach landen deutsche Schüler bei den computer- und informationsbezogenen Kompetenzen nur im Mittelfeld und weit hinter dem Spitzenreiter Dänemark. Nur rund 23 Prozent der Lehrer, die Achtklässler unterrichten, setzen laut ICILS-2018 täglich digitale Medien im Unterricht ein. Deutschland liegt damit deutlich unter dem internationalen Mittelwert von rund 48 Prozent. 

Nur etwa 26 Prozent der Schülerinnen und Schüler in der achten Klasse besuchen eine Schule, in der sowohl für die Lehrkräfte als auch für die Schülerinnen und Schüler ein WLAN-Zugang verfügbar ist – der schlechteste Wert unter den teilnehmenden Ländern. Zum Vergleich: Der EU-Schnitt liegt bei rund 68 Prozent, Dänemark erreicht sogar eine Quote von 100 Prozent.

Nur selten digitale Geräte im Unterricht

Auch in der PISA-Erhebung aus dem Jahr 2018 wurden die Schülerinnen und Schüler gefragt, wie häufig digitale Geräte in verschiedenen Unterrichtsstunden eingesetzt werden. Demnach gaben rund 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland an, dass sowohl in Deutsch als auch in Mathematik in einer typischen Schulwoche keine digitalen Geräte zum Einsatz kommen. In den Naturwissenschaften werden sie etwas häufiger eingesetzt. In Dänemark ergibt sich ein vollkommen anderes Bild – der Einsatz digitaler Geräte war dort bereits vor der Coronakrise Standard.  

Die aktuellen Studien zeigen auch, dass nur ein geringer Teil der Lehrkräfte an digitalisierungsbezogenen Fortbildungen teilnimmt und nur sehr wenige Lehrer Unterrichtshospitationen zum Einsatz digitaler Medien machen. Das Deutsche Schulportal hat im April dieses Jahres Lehrer befragt – das Ergebnis: Esfehlt den Lehrern an Kompetenzen im Umgang mit digitalen Lernformaten, aber auch an technischer Ausstattung.

Mehr Fort- und Weiterbildungen für Lehrer

Um die Digitalisierung an den Schulen voranzubringen, sollten Lehrer bei der Entwicklung von digitalen Lehr- und Lernkonzepten unterstützt werden. Digitales Lernen ist in der Ausbildung zu verankern. Fort- und Weiterbildungen sind deutlich auszuweiten. Die Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien ist weiter zu verbessern: In allen Schulen sollten WLAN und digitale Endgeräte für Lehrkräfte und Schüler verfügbar sein. Außerdem fehlt zusätzliches IT-Personal für die IT-Administration – und schnelles Internet zuhause. Der Staat sollte hierzu zusätzliche Mittel über den Digitalpakt hinaus zur Verfügung stellen.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Endlich wird die letzte Betreuungslücke geschlossen
Wido Geis-Thöne IW-Nachricht 7. September 2021

Ganztag: Endlich wird die letzte Betreuungslücke geschlossen

Bislang stellt der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule für viele Familien ein großes Problem dar. Heute wurde nun endlich der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für Grundschulkinder final beschlossen – allerdings ist fraglich, ob die Qualität auch ...

IW

Artikel lesen
Axel Plünnecke in der Fuldaer Zeitung Gastbeitrag 31. August 2021

Spürbare Bildungsimpulse sind nötig

Anhand des INSM-Bildungsmonitors 2021 analysiert IW-Bildungsexperte Axel Plünnecke in der Fuldaer Zeitung die Folgen der Schulschließungen während der Coronakrise und fordert eine Stärkung der Bildungschancen.

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880