Herr Hüther, US-Präsident Trump spricht von weiteren Strafzöllen gegen China. Droht eine Eskalation im Handelsstreit?

Es gibt durchaus gute Gründe, gegen das Verhalten Chinas im internationalen Handel vorzugehen. Peking mischt sich immer wieder aus politischen Gründen in die Handelsbeziehungen ein und überdeckt das geschickt mit einer Freihandelsrhetorik.

Sollten Amerikaner und Europäer gemeinsam darauf drängen, dass China sich an die Regeln hält?

Ja, es gibt bessere Wege als den Alleingang der Amerikaner. Statt die Europäer als Partner mit ins Boot zu nehmen, hat Trump auch noch mit der EU einen Handelsstreit angezettelt. Dabei ist die Leistungsbilanz zwischen den USA und Europa nahezu ausgeglichen.

Trump behauptet doch aber, die USA hätten ein riesiges Defizit im Handel mit Europa.

Der Handel von Gütern und Dienstleistungen ist nur ein Teil der Wahrheit. Man muss auch die Arbeitsentgelte und Einkommen aus Vermögensanlagen berücksichtigen, und dort haben die Amerikaner einen Überschuss.

Wie ließe sich der Streit zwischen den USA und China friedlich lösen?

Trump ist kein Freund von multilateralen Lösungen. Das macht die Sache so schwierig. Eigentlich bieten die Regeln der Welthandelsorganisation WTO eine gute Basis dafür, den Konflikt ohne eine Eskalation zu regeln.

Warum bleibt die WTO im Abseits?

Die WTO hat einen schweren Stand, seit die sogenannte „Doha-Runde“ zum Abbau von weltweiten Handelshemmnissen 2008 gescheitert ist. Das war ein weiterer Sargnagel für die Genfer Organisation.

Die Kurse an den Finanzmärkten in Asien sind eingebrochen. In Europa und den USA fiel die Reaktion gelassener aus. Müssen wir uns weniger Sorgen machen?

Ich finde die Reaktion der Finanzmärkte plausibel. Es besteht kein Grund zur Panik.

Ein globaler Handelskrieg würde doch auch die Weltwirtschaft schwächen.

Es gibt eine Verunsicherung. Unternehmen sind bei Investitionen zurückhaltender geworden. Aber die Handelsströme selbst wurden bislang nicht unterbrochen. Ich hoffe immer noch, dass sich der Streit nach ein oder zwei Quartalen wieder legt.

Wie soll sich die EU gegenüber der Drohung von US-Präsident Trump verhalten, auch auf Autoimporte Strafzölle zu erheben?

Europa sollte mit Zuckerbrot und Peitsche darauf reagieren. Es ist richtig, dass die Vergeltungsmaßnahmen der EU auf die Sanktionen gegen Stahl- und Aluminiumimporte am 1. Juli in Kraft treten. Zugleich sollte Brüssel aber die eigenen Zölle senken.

Ein Beispiel bitte?

Die EU könnte zum Beispiel ihre Abgaben auf Pkw-Importe aus den USA von derzeit zehn auf fünf Prozent senken. Auch die durchschnittlichen Zölle der EU liegen immer noch höher als die der Amerikaner.

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