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Michael Hüther / Michael Grömling auf Focus online Gastbeitrag 9. März 2020

Auswirkungen der Epidemie: So entkommt Deutschland der Corona-Rezession

Das Coronavirus breitet sich aus und belastet die Weltwirtschaft. Lieferketten in der Industrie stocken, Messen werden abgesagt, Fluggesellschaften befürchten große Einbußen. Die Politik muss jetzt die Konjunktur retten, schreiben IW-Direktor Michael Hüther und IW-Konjunkturexperte Michael Grömling.

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Wie lange das Coronavirus Deutschland noch beschäftigen wird, ist ungewiss. Das stellt vor allem die Wirtschaft auf eine harte Probe: Die Angst vor Ansteckung beeinträchtigt das Arbeitsleben. Erste Unternehmen sind gezwungen, ihre Produktionen vorübergehend zu reduzieren oder ganz herunterzufahren. Wenn Betriebe ihre Güter nicht weiter produzieren, stört dies die internationalen Wertschöpfungsketten.

Ein solcher Angebotsschock kann einen Dominoeffekt zur Folge haben: Wenn Zulieferungen aus China fehlen, fallen auch die aus anderen Ländern und schließlich von inländischen Firmen aus.

Außerdem ist China für deutsche Unternehmen ein wichtiger Kunde. Nachfrageausfälle in China und anderen betroffenen Ländern belasten die Bilanzen deutscher Firmen. Leidtragend ist somit die gesamte Weltwirtschaft, die laut OECD in diesem Jahr im besten Fall um 0,5 Prozent weniger wachsen wird. Eine Halbierung des globalen Wachstums auf 1,5 Prozent kann derzeit nicht ausgeschlossen werden.

Konjunktur: Politik muss handeln und Virusfolgen bekämpfen

Um einer drohenden Rezession entgegenzuwirken, muss die Politik handeln. Gefragt sind schnelle und unbürokratische Maßnahmen, die zum einen das Coronavirus eindämmen und zum anderen das Überleben der Unternehmen sichern. Fünf Dinge muss die Politik jetzt tun:

1. Gesundheitssystem stabilisieren und Epidemie eindämmen

Oberste Priorität hat, die Menschen vor der Epidemie zu schützen. Um Impfstoffe zu erforschen und herzustellen, höhere Hygienestandards voranzubringen, die Ausbreitung des Virus‘ einzuschränken und die medizinische Versorgung zu gewährleisten, muss das generell gute Gesundheitssystem mit den entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden.

2. Unternehmen liquide halten

Die Coronakrise führt zu Produktions- und Nachfrageausfällen bei vielen verschiedenen Unternehmen. Fluggesellschaften müssen Flüge stornieren, Reisebüros bleiben Kunden fern, Hotels haben viele unbesetzte Zimmer. Regional kämpfen Messebauer mit Verlusten, wenn Großveranstaltungen wie die Leipziger Buchmesse abgesagt werden.

Industrieunternehmen sind abhängig von Vorleistungen aus anderen Ländern. Verschärft sich die Lage in Deutschland und Europa, gefährdet das die Existenz vieler Unternehmen. Die Politik muss jetzt helfen, die Liquidität der vom Coronaschock bedrohten Unternehmen zu sichern – beispielsweise über Kredite, die von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammen mit den Förderbanken der Länder organisiert werden.

3. Finanzmärkte stabilisieren

Deutsche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren finanzielle Polster aufgebaut – in anderen europäischen Ländern sind Betriebe häufig schlechter auf Krisen vorbereitet. Wegen der Coronafolgen könnten mehr Unternehmen im Euroraum Liquiditätshilfen bei Banken nachfragen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte es den Kreditinstituten deshalb erleichtern, sich Geld bei ihr zu leihen, damit die Banken jenen Unternehmen, die unter der Corona-Krise leiden, Kredite gewähren können.

4. Steuerstundung für Unternehmen

Eine andere Möglichkeit, die Unternehmen finanziell zu unterstützen, wäre eine Art Steuerstundung. Seit 2008 gilt der sogenannte Investitionsabzugsbetrag, der es Unternehmen ermöglicht, Abschreibungen zeitlich vorzuverlegen, wodurch sich die Steuerlast des laufenden Jahres reduziert.

Der Betrag ist auf 200.000 Euro im Jahr und auf Unternehmen mit einem Betriebsvermögen von bis zu 235.000 Euro beschränkt. Eine temporäre Anhebung dieser Schwellenwerte würde Betriebe kurzfristig entlasten. Allerdings würden davon auch jene Unternehmen profitieren, die keine Liquiditätsprobleme haben.

5. Beschäftigung hoch halten durch Kurzarbeit

Stecken Unternehmen in der Krise, sind häufig auch Arbeitsplätze bedroht. Ein wirksames Mittel gegen Entlassungen ist die Kurzarbeit. Sie hat sich auch während der Finanzmarktkrise 2009 bewährt: Private Haushalte erhalten so Beschäftigungs- und Einkommenssicherheit, und damit stabilisiert sich automatisch die Konsumnachfrage.

Eine unbürokratische und zeitlich flexible Handhabung der Kurzarbeit hält die Mitarbeiter bei vertretbaren Einkommenseinbußen in den Betrieben. Generell brauchen die Unternehmen Fachkräfte, wenn sich die wirtschaftliche Lage nach der Krise wieder entspannt – vorzeitige Entlassungen sind teuer und wären keine Hilfe.

Zum Gastbeitrag auf focus.de

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