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(© Foto: iStock)
Michael Grömling in den VDI-Nachrichten Gastbeitrag 20. Dezember 2019

IW-Konjunkturampel: Investitionen unter Druck

Nicht nur die internationale Entwicklung trübt die Aussichten. Viele Probleme sind hausgemacht, schreibt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling in einem Gastbeitrag für die VDI-Nachrichten.

Bereits seit Mitte 2018 befindet sich die deutsche Industrie in einer anhaltenden Rezession. Die unternehmensnahen Dienstleister haben sich im zweiten und dritten Quartal 2019 dem Rückgang angeschlossen. Aktuelle Informationen weisen darauf hin, dass sich diese Talfahrt auch im vierten Quartal fortgesetzt hat. Die IW-Konjunkturampel zeigt, dass sich zwar die Auftragseingänge auf zuletzt niedrigem Niveau stabilisiert haben – diese liegen rund 10 % unter dem letzten Hoch von Ende 2017. Die Industrieproduktion ist jedoch weiter nach unten gerichtet. Der Auslöser ist in der deutlich nachlassenden Gangart der Weltwirtschaft zu finden. Diese leidet unter der schwachen globalen Investitionstätigkeit, die wiederum das Ergebnis von Protektionismus und vielfältigen geopolitischen Verunsicherungen ist. Egal, wohin man den Globus dreht, boomende Länder oder Regionen sind kaum zu finden. Das belastet die Weltwirtschaft und den grenzüberschreitenden Güteraustausch noch viel mehr. Besonders spürt dies die stark auf Produktion und Handel von Investitionsgütern ausgerichtete deutsche Wirtschaft.

Vor dem Hintergrund der globalen Wachstumsschwäche haben sich die Exporterwartungen der deutschen Unternehmen merklich verschlechtert: Für das kommende Jahr erwarten gemäß der IW-Konjunkturumfrage nur noch 15 % der Unternehmen einen Exportzuwachs, 28 % aber einen Rückgang. Der Saldo aus positiven und negativen Exporterwartungen ist mit 13 Prozentpunkten erstmals seit der globalen Finanzmarktkrise des Jahres 2009 im Minus – bei Weitem aber nicht so stark wie damals mit 49 Prozentpunkten.

Diese schwindende Zuversicht in das Auslandsgeschäft überträgt sich auf die Produktionsperspektiven. Für 2020 erwartet nur noch ein Viertel aller 2300 befragten Unternehmen einen Produktionszuwachs. Dagegen geht fast ein Drittel von einem Rückgang bei den Geschäftsaktivitäten aus. Vor allem die Hersteller von Vorleistungs- und Investitionsgütern gehen mit Sorgenfalten ins neue Jahr. Rund 40 % dieser stark im internationalen Geschäft aktiven Firmen prognostizieren für 2020 eine niedrigere Produktion als 2019. Nur noch 23 % sind optimistisch.

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Wegen der schwachen Export- und Produktionserwartungen hat sich auch die Investitionsneigung der deutschen Unternehmen deutlich eingetrübt – obwohl Innovationen und Digitalisierung höhere Investitionen erfordern. Gemäß IW-Konjunkturumfrage setzt sich diese Zurückhaltung auch im kommenden Jahr fort: Während 26 % der Betriebe mit steigenden Investitionsbudgets planen, beabsichtigen 30 %, den Rotstift anzusetzen. Neben den schwachen Investitionsanreizen infolge der weiterhin moderaten Gangart der Weltwirtschaft schlagen hier aber auch die wenig investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen zu Buche. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland hat in den letzten Jahren aufgrund der Entwicklung von Arbeits- und Energiekosten spürbar nachgelassen. Vielfältige Regulierungen am Arbeitsmarkt, bürokratische Genehmigungsverfahren in vielen Bereichen und die Unwägbarkeiten infolge der Klimapolitik belasten den Investitionsstandort im internationalen Vergleich.

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