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Christiane Konegen-Grenier in der Bilanz Gastbeitrag 24. Juni 2016

Auslandserfahrung muss mehr wert sein

Wer im Ausland studiert oder Praktika absolviert, bringt wertvolle Kompetenzen für den Beruf mit. Deutsche Unternehmen wüssten dies jedoch kaum zu schätzen, schreibt IW-Bildungsexpertin Konegen-Grenier in der Bilanz.

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Deutschland ist tief in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden: Fast die Hälfte unseres Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften wir durch den Export. Gleichzeitig stecken in diesen exportierten Waren und Dienstleistungen hohe Anteile an Vorleistungen, die Deutschland wiederum bei seinen Handelspartnern weltweit einkauft.

Das ergibt eine komplexe internationale Wertschöpfungsverflechtung, die durch die digitale Steuerung und Produktion in den kommenden Jahren wohl noch weiter verstärkt werden wird.

Dennoch ist Auslandserfahrung für Deutschlands akademischen Fachkräftenachwuchs noch immer kein Muss beim Berufseinstieg. Das zeigt die Befragung von 1.000 Personalverantwortlichen durch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD): Wenn Personaler Bewerbungsunterlagen sichten, rangiert die Praxiserfahrung der Bewerber mit weitem Abstand an erster Stelle, gefolgt von Note und Studiendauer.

In weiteren Rekrutierungsschritten ist dann – stärker noch als das Fachwissen – eine Kombination von kognitiven Fähigkeiten mit sozialen und persönlichen Kompetenzen gefragt. Dieses Anforderungsprofil gilt für Unternehmen mit und ohne Auslandsaktivitäten gleichermaßen.

Warum Auslandserfahrung wertvoll ist

Das Befragungsergebnis alarmiert. Denn viele Unternehmen verunsichern damit junge Menschen, die mit dem Gedanken spielen, einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland zu verbringen. Da der Gang in die Fremde keine Auswirkungen auf die Karriere zu haben scheint, fragt sich der Fachkräftenachwuchs, ob sich der Aufwand lohnt.

Dabei gibt es drei Gründe, die eindeutig für die Auslandserfahrung sprechen:

Erstens kommen ein Auslandsstudium und die damit einhergehenden interkulturellen Kompetenzen im Bewerbungsprozess durchaus ins Spiel. Dann nämlich, wenn sich ein Unternehmen zwischen zwei sonst gleich qualifizierten Kandidaten entscheiden muss, ist der auslandserfahrene Absolvent eindeutig im Vorteil.

Zweitens hat das Auslandsstudium bei den Personalverantwortlichen ein sehr positives Image – auch wenn es bei der Rekrutierung keine große Rolle spielt: Nach Einschätzung der Personaler bietet der Auslandsaufenthalt die Chance, soziale und persönliche Kompetenzen zu verbessern.

Drittens haben die befragten Unternehmen die Erfahrung gemacht, dass auslandserfahrene Absolventen besser darauf vorbereitet sind, Fremdsprachen anzuwenden, internationale Kontakte als Teil der täglichen Arbeit zu sehen und in international gemischten Teams zu arbeiten.

Auch Hochschulen sind gefragt

All das, bestätigten die Personalverantwortlichen in der Umfrage von IW und DAAD, ist wichtig für den Erfolg des Unternehmens und entsprechende Kompetenzen werden demnach in den kommenden fünf Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.

Entsprechend sollten die deutschen Unternehmen ihre Bewerbungsprozesse dringend überarbeiten: Im eigenen Interesse sollten sie die Auslandserfahrung künftig schon in den ersten Rekrutierungsschritten höher gewichten. An den Bewerbern wäre es indes, bereits im Bewerbungsschreiben aufzuzeigen, welche Kompetenzen sie durch ihren Auslandsaufenthalt verbessern konnten und warum das für die angestrebte Stelle wichtig ist.

Doch auch die deutschen Hochschulen sind gefragt: Sie müssen stärker als bislang dafür sorgen, dass es in den Bachelorstudiengängen ausreichend Zeit gibt, um ins Ausland zu gehen. Im Nachhinein sollten sie dann die im Ausland erbrachten Studienleistungen unbürokratisch anerkennen.

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