Welche fiskalischen Effekte Kinder und Jugendliche haben, ist für verschiedene politische Handlungsfelder von Bedeutung.
Fiskalische Effekte von Kindern – Neue Berechnungen differenziert nach Bildungswegen
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Welche fiskalischen Effekte Kinder und Jugendliche haben, ist für verschiedene politische Handlungsfelder von Bedeutung.
Etwa gilt dies für die Frage, welche staatliche Umverteilung zwischen kinderlosen Personen und Familien mit Kindern als fair zu werten ist und welche positiven ökonomischen Effekte aus besseren Bedingungen für Bildung und Aufwachsen von Kindern resultieren. Die vorliegende Studie ermittelt, dass eine durchschnittliche Familie mit zwei Kindern in Preisen des Jahres 2025 langfristig insgesamt 603.800 Euro mehr zum öffentlichen Haushalt beiträgt als ein entsprechendes kinderloses Paar. Nicht berücksichtigt sind die Ausgaben des Staates für Leistungen, die nicht personenbezogen sind, deren Bedarf aber von der Bevölkerungsgröße abhängt, wie dies bei der Verkehrsinfrastruktur der Fall ist. Nimmt man sie mit in den Blick, verringert sich der positive Beitrag eines durchschnittlichen Kindes von 301.900 Euro auf 83.100 Euro. Gleichzeitig gibt es auch positive Zweitrundeneffekte der Kinder auf die staatlichen Einnahmen, die hier nicht berücksichtigt werden konnten. Dies gilt insbesondere für die Steuern auf Unternehmensgewinne, die durch die Arbeits- und Innovationskraft der Kinder entstehen.
Beschäftigt man sich mit bildungs- und familienpolitischen Fragestellungen, können nach Bildungswegen differenzierte Fiskalbilanzen von Kindern helfen, den Nutzen einschlägiger Maßnahmen abzuschätzen. Hier ergibt sich für einen akademischen Bildungsweg ein durchschnittlicher fiskalischer Beitrag eines Kindes (ohne Berücksichtigung der nicht personenbezogenen staatlichen Leistungen) von 943.000 Euro. Bei einem Bildungsweg mit beruflichem Abschluss sind es 117.600 Euro; bei einem einfachen beruflichen Abschluss sind es 44.200 Euro und bei einem Bildungsweg mit Aufstiegsfortbildung, etwa zum Meister, 531.200 Euro. Erreichen die Kinder keinen berufsqualifizierenden Abschluss, entsteht insgesamt kein Einnahmeüberschuss, sondern ein Defizit von 377.100 Euro für den Staat. Bei derartig großen Abständen rechnen sich auch teure Maßnahmen zur Förderung der Bildung der Kinder sehr stark, wenn sie effektiv wirken.
Neben den Bildungswegen hat auch die gesundheitliche Entwicklung einen Einfluss darauf, wie viel Steuern und Abgaben die Kinder im Lauf ihres Lebens zahlen und in welchem Umfang sie staatliche Leistungen beziehen. So können auch Unterstützungsangebote in diesem Bereich für den Staat Investitionen darstellen, die sich langfristig sehr stark rechnen. Allerdings ist die Datenlage sehr viel ungünstiger als bei der Bildung. Für die vorliegende Studie wurde auf Basis von Angaben zu Tabakkonsum, Alkoholkonsum, Verzehr von Gemüse, Obst und Salat sowie einem Mindestmaß an sportlichen Aktivitäten ein Indikator zum gesundheitsbewussten Lebenswandel im Erwachsenenalter gebildet und im Hinblick auf die Zusammenhänge mit den langfristigen Größen untersucht; allerdings ohne wichtige Wirkungszusammenhänge über den Gesundheitszustand mit in den Blick nehmen zu können. Für ein durchschnittliches Kind ergibt sich bei einem gesunden Lebenswandel (ohne mögliche Anpassungen bei den Bildungswegen) ein Mehrbeitrag zum öffentlichen Haushalt in Höhe von 130.900 Euro. Ebenfalls wurden die Auswirkungen einer depressiven Erkrankung auf die Beteiligung am Arbeitsmarkt und die Einkommen sowie die Ausgaben der Krankenkassen abgeschätzt. Hieraus ergibt sich insgesamt ein negativer fiskalischer Effekt von 345.500 Euro für ein durchschnittliches Kind.
Diese Studie versteht sich vorwiegend als Hintergrundpapier zu weiterführenden Analysen zu den fiskalischen Effekten verschiedener bildungs- und familienpolitischen Maßnahmen. Daher werden hier auch bewusst (noch) keine Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet und präsentiert.
DOI: 10.67087/12.21618
Fiskalische Effekte von Kindern – Neue Berechnungen differenziert nach Bildungswegen
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Ökonomische Effekte der Deprivation von Kindern und Jugendlichen
Die Kinder und Jugendlichen von heute entscheiden über die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklung im Deutschland von morgen.
IW
„Wir brauchen eine Gesellschaft, die Kinder wertschätzt“
Zur demografischen Schieflage und der daraus entstehenden Probleme plädiert IW-Bildungsexperte Axel Plünnecke im Interview mit der Tagespost dafür, die Gesundheits- und Pflegesysteme „demografiefest“ zu machen.
IW