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IW-Policy Paper Nr. 10 10. Mai 2021 Michael Hüther / Markos Jung / Thomas Obst Arbeitskräftepotenziale der deutschen Wirtschaft: Chancen für Wachstum und Konsolidierung

Der demographische Wandel stellt unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Gleichzeitig macht ein Rückblick auf die vergangene Dekade im deutschen Arbeitsmarkt deutlich, dass der Aufbau zusätzlicher Beschäftigung durch eine verbesserte Erwerbsintegration ein bedeutsamer Schlüssel zur wirtschaftlichen Dynamik ist.

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Chancen für Wachstum und Konsolidierung
IW-Policy Paper Nr. 10 10. Mai 2021 Michael Hüther / Markos Jung / Thomas Obst

Arbeitskräftepotenziale der deutschen Wirtschaft: Chancen für Wachstum und Konsolidierung

Michael Hüther / Markos Jung / Thomas Obst Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Der demographische Wandel stellt unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Gleichzeitig macht ein Rückblick auf die vergangene Dekade im deutschen Arbeitsmarkt deutlich, dass der Aufbau zusätzlicher Beschäftigung durch eine verbesserte Erwerbsintegration ein bedeutsamer Schlüssel zur wirtschaftlichen Dynamik ist.

Der deutsche Arbeitsmarkt kann auf eine „goldene Dekade“ mit einem langanhaltenden Beschäftigungsboom und steigenden Nominallöhnen zurückblicken. Die dadurch gestiegenen Steuer- und Beitragsaufkommen trugen maßgeblich zu der erfolgreichen Konsolidierung des Staatshaushaltes bei. Pandemiebedingt wurde dieser positive Trend Anfang 2020 gestoppt. Aktuelle Prognosen gehen von einem demografisch bedingt abnehmenden Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland in der nächsten Dekade aus. Ein sinkendes gesamtwirtschaftliches Arbeitsvolumen schwächt das mittelfristige Produktionspotenzial. Um mögliche Wachstumspfade aus der Krise heraus aufzuzeigen, werden in diesem Papier drei Ansätze zu einer besseren Nutzung des vorhandenen Arbeitskräftepotenzials aufgezeigt. Wir betrachten hier im Kontext eines europäischen Ländervergleichs eine Bandbreite politischer Handlungsoptionen und zeigen auf, welche Arbeitskräftepotenziale am deutschen Arbeitsmarkt nach der Pandemie zu erwarten sind. Dabei ist es nicht der Anspruch, eine Prognose abzugeben, sondern die Bedeutung einzelner Determinanten als Potenzialfaktoren zu umreißen.

Auch wenn eine weitere Ausdehnung der Erwerbstätigkeit in Deutschland bereits ausgeschöpft zu sein scheint, zeigt der Ländervergleich mit Schweden und der Schweiz deutliche Arbeitsmarktpotenziale auf, die in der nächsten Dekade bei einer entsprechenden Verbesserung der Rahmenbedingungen aktiviert werden könnten. Bei einem Anstieg der Erwerbstätigenquote in Deutschland auf das Schweizer Niveau könnten zusätzliche 1,15 Millionen Erwerbstätige beziehungsweise ein gesamtwirtschaftliches Arbeitsvolumen von bis zu 1,83 Mrd. Arbeitsstunden gehoben werden. Dass dies nicht unrealistisch ist, zeigen die vorhandenen ungenutzten Potenziale am deutschen Arbeitsmarkt. Dazu gehören vor allem Frauen in (unfreiwilliger) Teilzeit, eine bessere Erwerbsintegration von geringfügig Beschäftigten und Nicht-EU Ausländern, sowie dem Abbau von Unterbeschäftigung insgesamt. Der wesentliche Hebel liegt hier beim Arbeitsvolumen: Eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit sowie der Anzahl der Arbeitswochen auf den Mittelwert von Schweden und der Schweiz würde das Volumen in Deutschland allein um 4,71 Mrd. Arbeitsstunden erhöhen. Ein Abbau der unfreiwilligen Teilzeit erhöht das Arbeitsvolumen um 691 Millionen Stunden im Jahr. Zusammen mit dem Partizipationseffekt (1,83 Mrd.) liegt das maximal mobilisierbare gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen somit bei 7,23 Mrd.

Auch wenn ein ähnlich bedeutsamer Nettoeffekt bei der Erwerbsbeteiligung wie in der vergangenen „goldenen Dekade“ besonders voraussetzungsstark scheint, können ambitionierte Reformen bei dem Zeiteffekt (Teilzeit, Arbeitswochen und Jahresarbeitszeit) die Demographie bedingte Schrumpfung des Erwerbspersonenpotenzials bis 2030 durchaus kompensieren. Ein Herauswachsen aus der krisenbedingt erhöhten Schuldenquote ist aber kein Selbstläufer, sondern erfordert die richtigen Weichenstellungen, um ein höheres Arbeitsvolumen in der nächsten Dekade in Deutschland zu mobilisieren. Eine bessere Ausschöpfung des im Ländervergleich aufgezeigten Arbeitskräftepotenzials kann dazu beitragen, die demographischen Anpassungslasten zu mindern sowie eine Haushaltskonsolidierung zu ermöglichen.

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IW-Policy Paper Nr. 10 10. Mai 2021 Michael Hüther / Markos Jung / Thomas Obst

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