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IW-Kurzbericht Nr. 80 11. September 2025 Jan Büchel / Barbara Engels / Edgar Schmitz Engpass Breitbandversorgung: Mehr als 60 Prozent der Unternehmen fühlen sich beeinträchtigt

Trotz milliardenschwerer Förderprogramme bleibt die digitale Infrastruktur ein Nadelöhr für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen berichten von Einschränkungen durch eine mangelhafte Breitbandversorgung.

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Mehr als 60 Prozent der Unternehmen fühlen sich beeinträchtigt
IW-Kurzbericht Nr. 80 11. September 2025 Jan Büchel / Barbara Engels / Edgar Schmitz

Engpass Breitbandversorgung: Mehr als 60 Prozent der Unternehmen fühlen sich beeinträchtigt

Jan Büchel / Barbara Engels / Edgar Schmitz Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Trotz milliardenschwerer Förderprogramme bleibt die digitale Infrastruktur ein Nadelöhr für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen berichten von Einschränkungen durch eine mangelhafte Breitbandversorgung.

Die digitale Infrastruktur ist ein zentraler Standortfaktor. Ein wichtiger Bestandteil sind dabei leistungsfähige Breitbandnetze. Ohne sie können Unternehmen oft keine datenintensiven Anwendungen wie Cloud-Services, digitale Zwillinge oder auch Künstliche Intelligenz (KI) nutzen. Deutschland hat in den vergangenen Jahren beim Glasfaserausbau aufgeholt: Mitte 2025 lag die Ausbauquote bei 53 Prozent (BREKO, 2025). Dieser Anteil der Haushalte, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen könnte also prinzipiell einen Glasfaseranschluss nutzen. Damit wurde das Ausbauziel der Bundesregierung – mindestens 50 Prozent bis Ende 2025 – vorzeitig erreicht. Bis 2030 ist eine flächendeckende Versorgung vorgesehen (BMV, 2025a). Der beschleunigte Glasfaserausbau ist notwendig, denn Deutschland droht, international zurückzufallen: 2024 lag die deutsche Glasfaserabdeckung unter den EU-27-Ländern auf dem vorletzten Platz (Europäische Kommission, 2025). 

Der Fortschritt beim Glasfaserausbau spiegelt sich jedoch nicht in der Realität vieler Unternehmen wider, wie eine repräsentative Befragung im Rahmen des IW-Zukunftspanels unter 1.079 Unternehmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen im Frühjahr 2025 verdeutlicht. 64,5 Prozent der Unternehmen berichten, dass sie in ihren gegenwärtigen Geschäftsabläufen regelmäßig durch Infrastrukturprobleme bezogen auf die Kommunikationsnetze, darunter Breitbandversorgung, beeinträchtigt werden. 30,7 Prozent berichten sogar von deutlichen Beeinträchtigungen. 

Regional zeigen sich erhebliche Unterschiede (siehe Abbildung). Besonders hoch ist der Anteil deutlich beeinträchtigter Unternehmen in Sachsen und Thüringen (40,3 Prozent), in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (36,2 Prozent) sowie Baden-Württemberg (36,1 Prozent). Am geringsten ist er im Norden Deutschlands, also in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg (22,7 Prozent). 

Regionale Unterschiede im Ausbau

Ein Abgleich mit den objektiven Ausbauzahlen bestätigt diese Wahrnehmung. Die Glasfaserausbauquote betrug Mitte 2025 in Schleswig-Holstein 92,7 Prozent, in Hamburg 90,8 Prozent und in Bremen 79,7 Prozent – hier sind Glasfasernetze also teilweise nahezu flächendeckend verfügbar (BREKO, 2025). Im Saarland (23,8 Prozent), Baden-Württemberg (32,8 Prozent) und Thüringen (41,3 Prozent) ist für deutlich weniger als die Hälfte der Haushalte, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen Glasfaser nutzbar.

Die Daten verdeutlichen: Dort, wo der Ausbau weit fortgeschritten ist, berichten Unternehmen deutlich seltener von Beeinträchtigungen. Umgekehrt klagen Unternehmen in Regionen mit niedrigen Ausbauquoten besonders häufig über Einschränkungen. Baden-Württemberg ist hierfür ein markantes Beispiel. Das Bundesland weist eine der niedrigsten Ausbauquoten auf und zugleich einen der höchsten Anteile deutlich beeinträchtigter Unternehmen.

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Verborgene Effizienzverluste, mangelnde Perspektive

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen unterschiedlichen Befragungsperspektiven: Während 73 Prozent der Unternehmen 2024 angaben, dass ihre Internetverfügbarkeit ihrem Bedarf entspricht (DIHK, 2025), berichten im IW-Zukunftspanel mehr als 60 Prozent von Einschränkungen im Geschäftsalltag. Der Unterschied macht deutlich, dass viele Unternehmen kleinere Probleme – etwa langsame Uploads oder instabile Videokonferenzen – nicht sofort als gravierend einstufen. Solange die Kernprozesse laufen, gelten solche Einschränkungen als „normal“. Dadurch bleiben Effizienzverluste häufig unsichtbar.

Entscheidend ist zudem: Ein Glasfaseranschluss bedeutet nicht automatisch, dass er auch genutzt wird. Viele Unternehmen (und auch Haushalte) buchen weiterhin Verträge, die kurzfristig zu ihrem Bedarf passen und bleiben – auch aus Kostengründen – bei günstigeren Alternativen. Entsprechend waren 2025 bundesweit nur 27 Prozent der verfügbaren Glasfaseranschlüsse tatsächlich aktiviert (BNetzA, 2025).

Stattdessen werden in Deutschland weiterhin viele VDSL- oder aufgerüstete Kabelanschlüsse genutzt, die für heutige Standardanwendungen meist ausreichen. Sie erreichen im Download teils hohe Bandbreiten, sind aber technisch limitiert, wenn es um Uploadgeschwindigkeit, Stabilität und Latenz geht (BMV, 2025b). Genau hier liegen wichtige Vorteile der Glasfasertechnologie: Sie bietet symmetrische Geschwindigkeiten, eine deutlich geringere Störanfälligkeit und nahezu unbegrenzte Skalierbarkeit. Viele Unternehmen unterschätzen, wie schnell ihr Bandbreitenbedarf etwa durch Cloud-Dienste, KI-Anwendungen oder die Nutzung digitaler Zwillinge künftig steigen wird. Allein innerhalb von zehn Jahren hat sich das Festnetz-Datenvolumen nahezu verneunfacht und betrug 2024 bereits 149 Milliarden Gigabyte (BNetzA, 2025). Langfristig ist nur Glasfaser in der Lage, die Anforderungen der digitalen Transformation zu tragen. Nicht nur ökonomisch, auch ökologisch ist Glasfaser zukunftsfähig: Sie ist energieeffizienter als Kupfer- oder Kabelnetze (EY/Telekom, 2025). Laut Umweltbundesamt benötigt der Internetzugang über VDSL mit Kupferkabel fünfmal mehr Energie als über Glasfaser (Umweltbundesamt, 2020).

Handlungsempfehlungen

Die Bundesregierung hat den Glasfaserausbau zuletzt massiv gefördert. Für die Nachfrageseite gibt es bisher jedoch nur Pilotüberlegungen dazu, wie die Adoption von Glasfaser durch Unternehmen gefördert werden kann. Folgende Maßnahmen könnten die Glasfasernutzung steigern:

  • Nachfrage politisch incentivieren: Einführung von Gutscheinmodellen für Unternehmen, flankiert durch Begrenzung von Mitnahmeeffekten (WIK Consult, 2025).
  • Ausbau beschleunigen: Genehmigungsverfahren digitalisieren, standardisieren und verkürzen (Gigabitbüro, 2024).
  • Information verbreiten: Transparente Verfügbarkeitsdaten und branchenspezifische Best-Practice-Beispiele bereitstellen.
  • Unternehmen aktivieren: Unternehmen sollten ihre interne IT-Infrastruktur modernisieren, damit die gebuchte Bandbreite auch tatsächlich genutzt werden kann. Zudem ist es wichtig, den eigenen Bedarf an höheren Bandbreiten frühzeitig bei Netzbetreibern oder Kommunen anzumelden. Nur so kann er in Ausbauplanungen einfließen, die oft Jahre im Voraus erfolgen. Schließlich können Unternehmen in Gewerbegebieten oder Industrieparks ihre Nachfrage bündeln, indem sie gemeinsam gegenüber Anbietern auftreten. Auch wenn die Verträge individuell abgeschlossen werden, erhöht eine abgestimmte Nachfrage die Wahrscheinlichkeit, dass ein Glasfaserausbau wirtschaftlich attraktiv wird und schneller umgesetzt wird.

Nur wenn Ausbau und Nutzung zusammengedacht werden, kann Deutschland die Gigabitziele bis 2030 erreichen und die digitale Wettbewerbsfähigkeit stärken.

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