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Jakob Funke IW-Kurzbericht Nr. 74 18. November 2019 Strukturwandel Next Level: Bochums Opel-Gelände im nächsten Wandel

Flächenumnutzung kennt man in Bochum. Nach dem Niedergang der Kohleindustrie wurde auf dem Gelände der Zeche Dannenbaum das Opel-Werk Bochum angesiedelt. 5 Jahre nach der endgültigen Schließung des Werks wächst nun wieder eine neue Branche auf dem Gelände.

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Bochums Opel-Gelände im nächsten Wandel
Jakob Funke IW-Kurzbericht Nr. 74 18. November 2019

Strukturwandel Next Level: Bochums Opel-Gelände im nächsten Wandel

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Flächenumnutzung kennt man in Bochum. Nach dem Niedergang der Kohleindustrie wurde auf dem Gelände der Zeche Dannenbaum das Opel-Werk Bochum angesiedelt. 5 Jahre nach der endgültigen Schließung des Werks wächst nun wieder eine neue Branche auf dem Gelände.

Auf den ersten Blick entwickelt sich die Wirtschaft in Bochum nur mäßig. Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,9 Prozent (Deutschland 5,1, NRW 6,7), die Langzeitarbeitslosenquote ist mit 3,2 Prozent doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt (NRW 2,5) und auch das BIP pro Kopf liegt mit 33.000€ deutlich unter der bundesweiten pro-Kopf Wertschöpfung von 38.000€ (NRW 37.000€; Bundesagentur für Arbeit, 2019b; Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2019b). Die Bochumer Bevölkerung schrumpfte zwischen 2000 und 2017 um 6,5 Prozent, während sie in Deutschland leicht gewachsen ist (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2019a). Diese Befunde sind nicht überraschend. So weist auch die IW Regionalstudie auf Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt hin (Hüther, Südekum, Voigtländer, 2019). Bochum erscheint damit auf den ersten Blick eine typische Stadt des Ruhrgebiets zu sein.

Ein Blick auf die Branchenstruktur der Wirtschaft ändert diesen Eindruck (s. Abbildung). Einerseits ist der industrielle Rückbau gemessen am Anteil des produzierenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung (BWS) in Bochum noch ausgeprägter. Andererseits bildet der langfristig angestiegene Anteil des Gesundheitswesens und der öffentlichen Dienstleistungen an der BWS mit inzwischen 34,9 Prozent einen deutlich ausgeprägteren Trend ab als im übrigen Ruhrgebiet. Tatsächlich hat sich das Gesundheitswesen mit 10,2 Prozent der Beschäftigten in Bochum zum zweitwichtigsten Wirtschaftszweig der Stadt entwickelt, noch vor dem verarbeitenden Gewerbe und nur knapp hinter dem Handel (Bundesagentur für Arbeit, 2018). Die wichtigsten Berufe der Branche sind die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflegenden.

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Zum wiederholten Mal zeigt sich der Strukturwandel auch auf Bochums ehemaligem Zechengelände Dannenbaum. Dort wo von 1793 bis 1958 Steinkohle gefördert wurde, produzierte Opel ab 1963 den Opel Kadett. Nun entstehen 45ha Industrie- und Gewerbefläche auf einer Teilfläche des ehemaligen Opel-Werks I. Hier wird allerdings nicht auf den weiteren Ausbau der Gesundheitsbranche gesetzt. Vielmehr wird der Aufbau einer weiteren Wachstumsbranche anvisiert. Mit dem Max-Planck-Institut (MPI) für Cybersicherheit und Schutz der Privatsphäre, dem IT-Sicherheitsdienstleister Escrypt und dem IT-Dienstleister für Raumfahrttechnologie SCYSIS soll in enger Kooperation mit der Universität Bochum ein IT-Hub entstehen. Daneben sind mit DHL, DEKRA und babymarkt.de auch weitere Branchen auf dem Gelände vertreten.

Das Arbeitskräftepotential der Unternehmensansiedelungen auf dem ehemaligen Opel-Gelände ist durchaus relevant für Bochum. Im IT-Bereich sollen im Verlauf der Zeit 250 Arbeitsplätze durch das MPI und 2.000 durch Escrypt entstehen. In den anderen Sektoren sollen 600 Arbeitsplätze durch DHL, 350 durch babymarkt.de und 275 durch DEKRA geschaffen werden.

Insgesamt ergeben sich daraus langfristig rund 3.500 Arbeitsplätze auf dem Gelände, ohne potenzielle externe Effekte auf die lokale Wirtschaft einzurechnen. Das erscheint gegenüber den 25.036 Arbeitslosen in Bochum (Bundesagentur für Arbeit, 2019a) durchaus signifikant, und übersteigt die Zahl von rund 2.900 Beschäftigten die 2014 noch bei Opel beschäftigt waren. Das Potenzial für die aktuell Arbeitssuchenden dürfte dennoch eher begrenzt sein. Für die Wachstumsbranche IT werden Experten und Spezialisten, zu einem geringeren Maße auch Fachkräfte benötigt (Anger et al., 2019). Auch in der Wachstumsbranche Gesundheitswesen werden besonders Spezialisten und Fachkräfte gesucht.

Die Berufe mit dem größten Anteil Arbeitssuchender sind hingegen Reinigungskräfte (10,2 Prozent), Lagerwirtschafter (9,8 Prozent) und Verkäufer (7,8 Prozent) und sind dem Bereich der Helfer-Berufe zuzuordnen (KOFA, 2019). Sie treffen weder anforderungs- noch branchenbezogen auf die beiden für Bochum jetzt relevanten Wachstumsbranchen. Unter den 50 Berufen mit dem höchsten Anteil Arbeitsloser taucht kein Beruf der IT-Branche auf und nur zwei Berufe der Gesundheitswirtschaft (ebd.). Lediglich der Arbeitskräftebedarf des entstehenden DHL Paketzentrums passt auf das Angebot Arbeitssuchender.

Im Strukturwandel spielt das Verändernde die größte Rolle. Dennoch darf die Veränderung die vorherrschenden Gegebenheiten nicht außer Acht lassen. So ist zu begrüßen, dass mit der IT-Branche eine Zukunftsbranche wächst, die in enger Verknüpfung mit der Universität Bochum steht. Das sind auch Früchte der im Zuge der Strukturpolitik ausgebauten Hochschullandschaft. Vergessen werden darf dabei aber nicht, dass die Fachkraft, die mit der Schließung des Opel-Werks seinen Arbeitsplatz verloren hat, kaum am Aufschwung der IT-Branche beteiligt werden wird. Hier steht aktive Arbeitsmarktpolitik in der Pflicht, der sozialen Spaltung entgegenzuwirken. Damit reiht sich Bochum wieder in die anderen Städte des Ruhrgebiets ein.

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