Ein Teil der Menschen mit Schwerbehinderung – rund 8 Prozent – arbeitet nicht am ersten Arbeitsmarkt, sondern in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Die regionale Situation unterscheidet sich deutlich: In Baden-Württemberg ist fast jeder zweite Mensch mit Schwerbehinderung erwerbstätig, in Sachsen-Anhalt dagegen nur jeder vierte. Ein steigender Grad der Behinderung senkt unter sonst gleichen Bedingungen die Wahrscheinlichkeit, erwerbstätig zu sein. Bei den Nettoerwerbseinkommen zeigen sich auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Schwerbehinderung. Weiterer Forschungsbedarf besteht hinsichtlich der Ursachen fehlender Erwerbswünsche.

Hintergrund

Die Anzahl der Menschen mit einer Schwerbehinderung in Deutschland ist zwischen 2001 und 2015 von 6,7 auf 7,6 Millionen angestiegen. Dies geht mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft einher, da Behinderungen in höheren Altersgruppen häufiger auftreten (Statistisches Bundesamt, 2017). Durch die demografische Entwicklung, die Verlängerung der Lebensarbeitszeit und die Fortschritte im Gesundheitssystem ist davon auszugehen, dass in Zukunft anteilig mehr Erwerbspersonen mit Behinderung dem Arbeitsmarkt potenziell zur Verfügung stehen. Menschen mit Behinderung können in Deutschland auf zwei Arten erwerbstätig sein: erstens auf dem ersten Arbeitsmarkt als Arbeitnehmer oder als Selbstständige und zweitens als Teil des subventionierten Arbeitsmarktes in Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM). Diese Einrichtungen sind nicht den Bedingungen des Marktes unterworfen. Der vorliegende Aufsatz wirft einen Blick auf die Beteiligung von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt sowie auf deren Einflussfaktoren und unterscheidet nach dem Ausmaß der Behinderung. Die Datenbasis der Betrachtung ist die repräsentative Mikrozensus-Erhebung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2013.