Obschon Indien seit der Kolonialzeit ein bedeutendes Auswanderungsland ist, war der Anteil der in einem (anderen) OECD-Land lebenden Personen an der indischen Bevölkerung in den Jahren 2000/2001 mit 0,3 Prozent vergleichsweise gering. Allerdings entspricht dies einer sehr beachtlichen absoluten Personenzahl von 1,96 Millionen. In den folgenden zehn Jahren ist dieser Wert bis auf 3,54 Millionen in den Jahren 2010/2011 gestiegen und 2015/2016 lag er mit 4,81 Millionen rund zweieinhalbmal so hoch. Dabei haben viele der Zuwanderer aus Indien einen tertiären Bildungsabschluss. Betrachtet man nur die in den vorausgegangenen fünf Jahren in die OECD-Länder gekommenen Personen aus Indien, lag die Zahl der Hochqualifizierten in den Jahren 2015/2016 bei 931.000, was einem Anteil von 73,3 Prozent entspricht (OECD, 2020, eigene Berechnungen). Anders als bei den meisten anderen Wanderungsbewegungen, handelt es sich bei einem Großteil der Personen, die Indien verlassen, also um international mobile Fachkräfte.

Die meisten von ihnen ziehen in die angelsächsischen Länder. So entfielen in den Jahren 2010/2011 von den 876.000 Personen aus Indien, die in den vorangegangenen fünf Jahren in ein OECD-Land gezogen waren, 327.000 oder 37,3 Prozent auf die USA, 207.000 oder 23,6 Prozent auf das Vereinigte Königreich, 118.000 oder 13,5 Prozent auf Australien, 110.000 oder 12,5 Prozent auf Kanada und 23.000 oder 2,6 Prozent auf Neuseeland, was zusammen einen Anteil von 89,5 Prozent ergibt (OECD, 2020; eigene Berechnungen). Gründe hierfür sind, dass das Englische in Indien nach wie vor Amtssprache ist und in weiten Teilen des ehemaligen britischen Weltreichs und den USA starke, die Zuwanderung fördernde indische Communities existieren, bei denen die Wandernden Unterstützung finden können.

Vor diesem Hintergrund ist es sehr beachtlich, dass in den letzten Jahren auch Deutschland eine verstärkte Zuwanderung aus Indien erlebt hat. Lag die Zahl der Personen mit indischer Staatsangehörigkeit hier am 31.12.2004 noch bei 39.000, waren es am 31.12.2014 mit 76.000 bereits fast doppelt so viele. Seitdem hat sich die Zahl nochmals nahezu verdoppelt und einen Wert von 144.000 am 31.12.2019 erreicht (Abbildung). Neuere Zahlen liegen noch nicht vor, sodass sich zu den Auswirkungen der Corona-Krise noch keine Aussage treffen lässt. Bis zu ihrem Beginn war die Tendenz jedoch immer weiter steigend. Dabei hatten 63,9 Prozent der nicht mehr in Ausbildung befindlichen aus Indien zugewanderten Personen im Jahr 2019 einen akademischen Bildungsabschluss, im Vergleich zu nur 20,6 Prozent aller Zuwanderer. Absolut gesehen lag die Zahl der in Indien geborenen Akademiker im Jahr 2019 bei 69.000 und damit mehr als doppelt so hoch wie 2014 mit 33.000 (Statistisches Bundesamt, 2017, 2020b; eigene Berechnungen).