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Wido Geis-Thöne IW-Kurzbericht Nr. 103 22. Oktober 2020 Immer mehr hochqualifizierte Inder zieht es nach Deutschland

Allein in den Jahren zwischen 2014 und 2019 hat sich in Deutschland die Zahl der in Indien geborenen Akademiker mehr als verdoppelt. Dabei leben viele der Inder in den großen Städten und arbeiten im von Fachkräfteengpässen besonders betroffenen IT-Bereich.

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Immer mehr hochqualifizierte Inder zieht es nach Deutschland
Wido Geis-Thöne IW-Kurzbericht Nr. 103 22. Oktober 2020

Immer mehr hochqualifizierte Inder zieht es nach Deutschland

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Allein in den Jahren zwischen 2014 und 2019 hat sich in Deutschland die Zahl der in Indien geborenen Akademiker mehr als verdoppelt. Dabei leben viele der Inder in den großen Städten und arbeiten im von Fachkräfteengpässen besonders betroffenen IT-Bereich.

Obschon Indien seit der Kolonialzeit ein bedeutendes Auswanderungsland ist, war der Anteil der in einem (anderen) OECD-Land lebenden Personen an der indischen Bevölkerung in den Jahren 2000/2001 mit 0,3 Prozent vergleichsweise gering. Allerdings entspricht dies einer sehr beachtlichen absoluten Personenzahl von 1,96 Millionen. In den folgenden zehn Jahren ist dieser Wert bis auf 3,54 Millionen in den Jahren 2010/2011 gestiegen und 2015/2016 lag er mit 4,81 Millionen rund zweieinhalbmal so hoch. Dabei haben viele der Zuwanderer aus Indien einen tertiären Bildungsabschluss. Betrachtet man nur die in den vorausgegangenen fünf Jahren in die OECD-Länder gekommenen Personen aus Indien, lag die Zahl der Hochqualifizierten in den Jahren 2015/2016 bei 931.000, was einem Anteil von 73,3 Prozent entspricht (OECD, 2020, eigene Berechnungen). Anders als bei den meisten anderen Wanderungsbewegungen, handelt es sich bei einem Großteil der Personen, die Indien verlassen, also um international mobile Fachkräfte.

Die meisten von ihnen ziehen in die angelsächsischen Länder. So entfielen in den Jahren 2010/2011 von den 876.000 Personen aus Indien, die in den vorangegangenen fünf Jahren in ein OECD-Land gezogen waren, 327.000 oder 37,3 Prozent auf die USA, 207.000 oder 23,6 Prozent auf das Vereinigte Königreich, 118.000 oder 13,5 Prozent auf Australien, 110.000 oder 12,5 Prozent auf Kanada und 23.000 oder 2,6 Prozent auf Neuseeland, was zusammen einen Anteil von 89,5 Prozent ergibt (OECD, 2020; eigene Berechnungen). Gründe hierfür sind, dass das Englische in Indien nach wie vor Amtssprache ist und in weiten Teilen des ehemaligen britischen Weltreichs und den USA starke, die Zuwanderung fördernde indische Communities existieren, bei denen die Wandernden Unterstützung finden können.

Vor diesem Hintergrund ist es sehr beachtlich, dass in den letzten Jahren auch Deutschland eine verstärkte Zuwanderung aus Indien erlebt hat. Lag die Zahl der Personen mit indischer Staatsangehörigkeit hier am 31.12.2004 noch bei 39.000, waren es am 31.12.2014 mit 76.000 bereits fast doppelt so viele. Seitdem hat sich die Zahl nochmals nahezu verdoppelt und einen Wert von 144.000 am 31.12.2019 erreicht (Abbildung). Neuere Zahlen liegen noch nicht vor, sodass sich zu den Auswirkungen der Corona-Krise noch keine Aussage treffen lässt. Bis zu ihrem Beginn war die Tendenz jedoch immer weiter steigend. Dabei hatten 63,9 Prozent der nicht mehr in Ausbildung befindlichen aus Indien zugewanderten Personen im Jahr 2019 einen akademischen Bildungsabschluss, im Vergleich zu nur 20,6 Prozent aller Zuwanderer. Absolut gesehen lag die Zahl der in Indien geborenen Akademiker im Jahr 2019 bei 69.000 und damit mehr als doppelt so hoch wie 2014 mit 33.000 (Statistisches Bundesamt, 2017, 2020b; eigene Berechnungen).

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Noch stärker gestiegen ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit indischer Staatsangehörigkeit. Lag diese am 30.06.2004 noch bei rund 9.400, waren es am 31.12.2019 mit 62.800 mehr als sechsmal so viele (Abbildung). Mit einem Anteil von 58,9 Prozent arbeitete am 31.12.2019 eine deutliche Mehrheit dieser Beschäftigten in einem Spezialisten- oder Expertenberuf, für den in der Regel ein Hochschulabschluss oder ein Fortbildungsabschluss, wie der Meister, notwendig ist. Bei allen Beschäftigten lag der entsprechende Wert nur bei 26,2 Prozent (Bundesagentur für Arbeit, 2020; eigene Berechnungen).

Differenziert man nach Berufssektoren, stechen die IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufe mit einem Anteil von 26,6 Prozent bei den Indern, im Vergleich zu nur 4,0 Prozent, bei allen heraus. Betrachtet man die Branchen, ist der Bereich Information und Kommunikation bei den Indern mit 21,3 Prozent, im Vergleich zu 3,4 Prozent bei allen, besonders häufig. Dass die Zuwanderer aus Indien damit einen großen Beitrag zur Sicherung der Fachkräftebasis in der von Engpässen besonders betroffenen IT, wie auch im MINT-Bereich insgesamt, leisten, belegen regelmäßig die MINT-Berichte. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Inder in akademischen MINT-Berufen von 3.800 Ende 2012 auf 17.000 Ende 2019 gestiegen (Anger et al., 2020).

Nimmt man die regionale Verteilung der Beschäftigten aus Indien in den Blick, lässt sich eine starke Konzentration auf die Metropolregionen und insbesondere das Rhein-Main-Gebiet feststellen. So waren die fünf Kreise mit den höchsten Anteilen von Indern an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am 31.12.2019 der Hochtaunuskreis mit 1,09 Prozent, der Main-Taunus-Kreis mit 1,06 Prozent sowie die kreisfreien Städte Erlangen mit 0,74 Prozent, Frankfurt am Main mit 0,74 Prozent und München mit 0,72 Prozent (Bundesagentur für Arbeit, 2020; eigene Berechnungen). Bei der indischen Wohnbevölkerung zeigt sich ein etwas stärkerer Fokus auf die Universitätsstädte. So lagen hier die Werte in den kreisfreien Städten Erlangen mit 1,93 Prozent, Frankfurt am Main mit 1,05 Prozent, Heidelberg mit 0,76 Prozent, München mit 0,73 Prozent und Kaiserslautern mit 0,72 Prozent am höchsten (Statistisches Bundesamt, 2020a, eigene Berechnungen).

Betrachtet man die Zuwanderungsmotive der zwischen den Jahren 2007 und 2017 ins Land gekommenen und 2017 noch hier lebenden Inder im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, halten sich die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit mit 32,2 Prozent und die Aufnahme einer zumeist hochschulischen Ausbildung mit 29,4 Prozent etwa die Waage. Der Rest entfällt auf nachziehende Familienangehörige und sonstige Gründe. Hingegen liegt der Anteil der ursprünglich zur Erwerbstätigkeit zugezogenen Personen bei den Zuwanderern aus China, die ebenfalls einen bedeutenden Teil der hochqualifizierten Fachkräfte aus Drittstaaten stellen, nur bei 15,7 Prozent und die zur Ausbildung ins Land Gekommenen machen bei ihnen 60,7 Prozent aus (Geis-Thöne, 2020). Dass im Zuge der Erwerbsmigration vergleichsweise viele Fachkräfte aus Indien nach Deutschland kommen, lässt sich auch an der Vergabe von Aufenthaltstiteln zur qualifizierten Beschäftigung ablesen. Im Jahr 2019 entfielen 5.932 oder 18,5 Prozent der insgesamt 32.037 an neueingereiste Personen vergebenen Titel auf Inder. An zweiter Stelle folgten mit weitem Abstand die US-Amerikaner mit 8,6 Prozent (Graf, 2020).

 

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Mit dem Zuzug der letzten Jahre haben sich in Deutschland stärkere indische Communities gebildet, die die Wanderungsbewegungen zwischen den beiden Ländern in Zukunft erleichtern und fördern werden. Dennoch sollte die Zuwanderung aus Indien vor dem Hintergrund des demografischen Wandels noch weiter gefördert werden. Zudem sollte man versuchen, den Erfolg auf andere Herkunftsregionen zu übertragen. Allerdings dürfte das nicht so einfach möglich sein, da sich der Subkontinent bei vielen relevanten Faktoren, angefangen von der allgemeinen kulturellen Prägung bis hin zur langen Tradition einer vorwiegend hochqualifizierten Auswanderung, von anderen (potenziellen) Herkunftsländern stark unterscheidet.

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