Die Corona-Pandemie hält die deutsche Wirtschaft seit Monaten in ihrem Griff. Mit Blick auf die Arbeitslosigkeit hat sich die Krise hierzulande hingegen vergleichsweise moderat entwickelt. Im Juni 2020 stieg die Arbeitslosenquote auf 6,2 Prozent. Eine rasante Zunahme der Arbeitslosigkeit wie in den USA (13,3 Prozent im Mai 2020) ist damit ausgeblieben. Der moderate Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland ist zu einem großen Teil auf den stabilisierenden Einsatz von Kurzarbeit zurückzuführen, bei der die Bundesagentur für Arbeit den Beschäftigten das Nettoeinkommen zu 60 Prozent (kinderlos), 67 Prozent (mit Kindern) ersetzt und den Unternehmen die Sozialversicherungsbeiträge erstattet. Allein im März und April 2020 haben Betriebe für 10,66 Millionen Angestellte Kurzarbeit angezeigt - umgerechnet sind das knapp ein Drittel der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Die Anzeige der Kurzarbeit führt jedoch nicht zwangsläufig zu deren tatsächlichen Inanspruchnahme. Vielmehr halten sich Unternehmen mit der Anzeige lediglich alle Möglichkeiten offen. Wie vorläufige Zahlen der Bundesagentur für Arbeit nun zeigen, hat der Staat im April 2020 nur 6,83 Millionen Arbeitgebern oder in 64 Prozent der angezeigten Fälle tatsächlich konjunkturelles Kurzarbeitergeld ausgezahlt – im März 2,49 Millionen Arbeitgebern (Bundesagentur für Arbeit, 2020). Der durchschnittliche Arbeitsausfall dürfte nach anekdotischen Informationen aus verschiedenen Branchen eher unter 50 Prozent liegen, so dass die Bedeutung der Kurzarbeit für das Arbeitsvolumen deutlich geringer sein dürfte als für die Beschäftigten.

Der Blick auf die Wirtschaftsstruktur offenbart große Unterschiede in der Betroffenheit. Das vom Lockdown hart getroffene Gast- und Beherbergungsgewerbe hat in den Monaten März und April 2020 für 93,4 Prozent seiner Beschäftigten Kurzarbeit angezeigt. Und auch in der Automobilindustrie, wo viele Werke zwischenzeitlich still standen, wurde maßgeblich auf die Zuschüsse der Bundesagentur zurückgegriffen. In Emden und Wolfsburg wurde für über 50 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Kurzarbeit beantragt. Wie viele Angestellte tatsächlich in Kurzarbeit geschickt wurden, wird sich erst in einigen Monaten herausstellen. Dass in Leverkusen und Ludwigshafen die Anzeigen lediglich bei 11,6 beziehungsweise 16,2 Prozent lagen, passt jedoch zum relativ geregelten Verlauf der Produktion in Teilen der Pharmaindustrie und der Chemieindustrie auch im zweiten Quartal 2020.

Dabei gilt grundsätzlich: Das verarbeitende Gewerbe ist aufgrund der verflochtenen Wertschöpfungsketten etwa nach China oder Norditalien bereits deutlich länger von der Corona-Pandemie betroffen als der Dienstleistungssektor. Der frühe angebotsseitige Schock fällt hier bereits im ersten Quartal 2020 ins Gewicht. Erst in den letzten Wochen hellte sich das Bild auf. Nach historischem Einbruch war für Mai 2020 ein leichter Anstieg der Auftragseingänge zu beobachten – für Juni zeigt sich eine deutliche Verbesserung in den Stimmungsindikatoren. Trotzdem fällt der Arbeitsmarktausblick der Industrie im Vergleich zu den anderen Branchen besonders negativ aus: Die ausgeschriebenen Stellenanzeigen im Zeitraum März-Mai 2020 gingen in der Industrie im Vorjahresvergleich um ganze 35 Prozent zurück (ifo Institut, 2020).