Innerhalb von nur 12 Jahren nach der globalen Finanzkrise werden zahlreiche Länder von einer noch schwereren Wirtschaftskrise getroffen. Die rasante weltweite Ausbreitung des Coronavirus hat zahlreiche Länder dazu veranlasst, das öffentliche Leben stark einzuschränken und Unternehmen wie Restaurants und Einzelhandelsgeschäfte durch öffentliche Anordnung ihren Betrieb einstellen zu lassen. Zahlreiche Industrieunternehmen stehen wegen fehlender Vorprodukte, eingeschränkter Einsetzbarkeit von Mitarbeitern und dem Ausfall der Nachfrage still. Die Corona-Krise stellt keineswegs eine reinigende Krise dar, bei der ineffiziente Unternehmen den Markt verlassen. Sie ist ganz im Gegenteil eine Ausnahmesituation, in der auch hoch-effiziente und erfolgreiche Unternehmen ebenso von Verlusten betroffen sein können, die aus Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus resultieren.

Die Bundesregierung hat schnell auf diese besondere Situation reagiert und einen Schutzschirm für Unternehmen und Selbstständige aufgespannt. Ziel dieser wirtschaftspolitischen Maßnahmen ist, dass Unternehmen, die unverschuldet in diese Situation geraten sind, durch Liquiditätshilfen, Garantien und Eigenkapitalhilfen stabilisiert werden. Die Bewältigung der Corona-Krise erscheint extrem herausfordernd, denn die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus schränken gleichzeitig das Angebot von Waren und Dienstleistungen ein, d. h. sie wirken kontraktiv auf die Konjunktur. Doch gleichzeitig können die Bundesregierung und auch die EU auf bewährte Instrumente und Erfahrungen zur Bewältigung der letzten Krise zurückgreifen, die nun rechtzeitig Anwendung finden können. Vergleicht man die BIP-Verläufe nach dem Platzen der US-Immobilienblase und der ungeordneten Insolvenz der US-amerikanischen Investmentbank Lehman-Brothers, so zeigten sich in verschiedenen Ländern unterschiedliche konjunkturelle Verläufe:

In Deutschland und den USA sank das BIP sehr stark, jedoch erholte es sich auch sehr schnell wieder und kehrte zu seinem alten Wachstumspfad zurück. In Italien und Spanien setzte beispielsweise eine zweite Rezession und ein langes De-Leveraging ein. Hierdurch konnte der alte Wachstumspfad für lange Zeit nicht mehr erreicht werden. Die schnelle Erholung der deutschen und US-amerikanischen Volkswirtschaften war auch auf entschlossene und zielgerichtete Politikmaßnahmen zurückzuführen, deren Einsatz in der aktuellen Wirtschaftskrise ebenfalls zu einer Abmilderung des konjunkturellen Einbruchs und zu einer schnellen Erholung beitragen könnte:

Durch die Einführung von Kurzarbeitergeld in den Jahren 2008 und 2009 mussten die Unternehmen keine Entlassungen vornehmen. Entlassungen zu Rezessionszeiten haben zur Folge, dass den Unternehmen im Aufschwung Beschäftigte und deren betriebsspezifisches Wissen fehlt, was im Aufschwung erst wiederaufgebaut werden muss. Durch das Kurzarbeitergeld konnten die Unternehmen die Rezessionsphase überbrücken und ihnen standen ihre Beschäftigten in der Aufschwungphase sofort wieder zur Verfügung. Im Hinblick auf diese Erfahrung war auch die aktuelle Aktivierung des Kurzarbeitergeldes sinnvoll.

Der Unternehmenssektor in Deutschland hat in der Vergangenheit seine Verschuldung reduziert und ist damit finanziell gut aufgestellt (Abbildung). Es ist aber zu erwarten, dass die Verschuldung der Unternehmen durch die Corona-Krise ansteigen wird. Da die Reaktion der Bundesregierung auf den Corona-Schock in der Bereitstellung von Liquiditätshilfen besteht, wodurch die Verschuldung für die Unternehmen steigen wird, kann dies möglicherweise zu einer De-Leveraging-Phase beitragen. D. h. für Deutschland wäre es möglich, dass nach der Corona-Krise eine lange Phase der Investitionszurückhaltung einsetzt, weil die Unternehmen die Liquiditätshilfen zurückzahlen müssen.