Ab Anfang 2018 begann Donald Trump, rigoros Handelsbarrieren zum Schutz der heimischen Industrie zu verhängen. Vor allem gegenüber China eskalierte der Handelskonflikt bis weit in das Jahr 2019. Doch auch gegenüber der EU und vor allem gegenüber Deutschland kritisierte er das Handelsbilanzdefizit der USA. Es stellt sich die Frage, wie stark europäische und deutsche Warenexporte in die USA tatsächlich von neuen Zöllen betroffen sind und wie sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA in der Ära Trump entwickelt haben. Die US-Administration erhob verschiedene Zölle gegenüber europäischen Waren oder droht damit.

Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte: Im März 2018 verhängte der US-Präsident Zusatzzölle auf die Einfuhr von Stahl- (25 Prozent) und Aluminiumprodukten (10 Prozent) gegenüber vielen Ländern wegen einer vermeintlichen Gefährdung der nationalen Sicherheit, obwohl viele der betroffenen Handelspartner NATO-Verbündete sind. Damit nutzt die US-Administration eine Lücke im multilateralen Regelwerk, weil die Berufung auf die nationale Sicherheit weite Ermessensspielräume eröffnet, auf deren Nutzung die Handelspartner bislang im stillschweigenden Einvernehmen weitgehend verzichtet hatten. Gegenüber der EU traten diese Zölle Anfang Juni 2018 in Kraft. Davon betroffen sind mit Waren im Wert von 6,4 Milliarden Euro allerdings nur rund 1,7 Prozent der gesamten EU-Warenexporte von 384 Milliarden Euro in die USA im Jahr 2019. Aus deutscher Sicht waren rund 3 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren in die USA davon tangiert, was rund 0,25 Prozent der gesamten deutschen Warenexporte bedeutet. Die EU hat darauf mit Vergeltungsmaßnahmen ebenfalls in Höhe von 6,4 Milliarden Euro reagiert, davon aber im Juni 2018 nur rund 2,8 Milliarden Euro in Kraft gesetzt. Die zweite Tranche von 3,6 Milliarden Euro soll spätestens nach drei Jahren im März 2021 in Kraft treten.

Strafzölle als Kompensationsmaßnahme für illegale Flugzeug-Subventionen (Airbus/Boeing): Zwischen der EU und den USA bestand schon lange vor der Trump-Präsidentschaft ein Handelskonflikt um Subventionen im Flugzeugbau für Airbus und Boeing. Gegenseitige Klagen waren vor der World Trade Organization (WTO) erfolgreich. Das Verfahren der USA gegen Airbus-Subventionen war etwas früher beendet und die WTO ermächtigte die USA Anfang Oktober 2019, EU-Waren in Wert von bis zu 7,5 Milliarden US-Dollar mit Zöllen von bis zu 100 Prozent zu belegen. Doch die Trump-Administration nutzte diese Möglichkeit bislang nur partiell, indem sie ab Mitte Oktober 2019 Zusatzzölle von 10 Prozent (später von 15 Prozent) auf Verkehrsflugzeuge und von 25 Prozent auf zahlreiche Produkte und Lebensmittel erhoben, von denen einige auch aus Deutschland kommen. Ein Grund für die relative Zurückhaltung dürfte auch darin liegen, dass die EU bald von der WTO ermächtigt werden wird, ihrerseits Vergeltungsmaßnahmen für illegale Subventionen an Boeing zu erheben. Die Hoffnung bleibt, dass es nach der Autorisierung durch die WTO doch noch zu einer Einigung und dem Abbau der Strafzölle kommen könnte.