Während sich die Mietpreise auf dem Büromarkt stabil entwickeln, gibt es im Einzelhandelsmarkt sehr unterschiedliche Bewegungen. Ursächlich für die bisherige Stabilität des Mietangebots von Gewerbeimmobilien könnte unter anderem das Angebotsverhalten der Vermieter sein.

Insgesamt deutlich eingetrübter ist die Lage im Einzelhandelsmarkt. Hier setzt sich der Trend fort, der bereits vor der Corona-Pandemie zu sehen war. In Köln, Leipzig und München sind die Einzelhandelsmieten im 1. Halbjahr um mehr als 6 Prozent zurückgegangen, und auch in Berlin lag der Zuwachs unter 1 Prozent. Andererseits liegt das Wachstum der Einzelhandelsmieten in Hamburg, Frankfurt und Dresden mit etwa 6 Prozent (annualisiert) über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Besonders auffällig im letzten Halbjahr ist die Entwicklung in Düsseldorf. In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt legten die Mieten im Einzelhandel um 14,5 Prozent zu. Dabei dürfte es sich vor allem um Nachholeffekte bzw. Anpassungen zu Preisreduktionen in den Vorjahren 2018 und 2019 handeln. Zudem ist auffällig, dass die Zahl der Angebote im Vergleich zu den Vorjahresquartalen gesunken ist, was generell die Volatilität in unterjährigen Betrachtungen erhöht. Insbesondere in Stuttgart, Hannover, Dortmund und Essen hat sich Zahl der angebotenen Einzelhandelsobjekte im Vergleich zum Vorjahr reduziert. Die Punktschätzer für die prozentuale Veränderung für Einzelhandelsimmobilien im letzten Halbjahr wurde für diese Standorte nicht mit abgebildet, da die Beobachtungsanzahl im Vergleich zu den anderen untersuchten Standorten geringer ausfällt und sich insbesondere die Varianz bei zentralen erklärenden Variablen reduziert hat. Grundsätzlich lässt sich jedoch festhalten, dass die Mieten der angebotenen Einzelhandelsobjekte in Stuttgart deutlich gestiegen sind und diese sich auf zentrale Lagen fokussieren. In Essen sind die Angebotsmieten nach unterdurchschnittlichen Anstiegen in der Vergangenheit zuletzt wieder etwas stärker gewachsen. In Hannover und Dortmund ist das angebotene Mietniveau hingegen geringfügig gesunken.

Infolge der Corona-Pandemie, so prognostiziert das IW, sinkt das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr voraussichtlich um deutlich mehr als 6 Prozent, die Arbeitslosenquote dürfte von 5 auf rund 6,5 Prozent steigen (siehe etwa die IW-Konjunkturprognose im Mai von Bardt et al., 2020). Wie sich diese Entwicklung konkret auf die Immobilienmärkte auswirkt, bleibt abzuwarten. Insbesondere bei Bestandshaltern von Gewerbeimmobilien ist die Stimmung zuletzt deutlich eingetrübt gewesen, so rechnen die meisten von ihnen mit Preisrückgängen innerhalb der nächsten zwölf Monate (Voigtländer, 2020a). Im ersten Halbjahr 2020 blieben die angebotenen Gewerbemieten an den zwölf untersuchten führenden Standorten aber weitestgehend stabil.

Dies gilt insbesondere für den Büromarkt. An neun Standorten gab es Zuwächse von mehr als 2 Prozent. Besonders stark ausgeprägt waren diese in Köln (+7,1 Prozent), Leipzig (+5,8 Prozent) und München (+4,6 Prozent). In Dresden dagegen stagnierte das Mietniveau bei einer geschätzten Preisentwicklung von 0,2 Prozent und auch der Standort Düsseldorf weist mit 1,3 Prozent eine vergleichsweise moderate Entwicklung auf. Ausgenommen von der positiven Entwicklung ist Dortmund. Hier sind die Büromieten im 1. Halbjahr 2020 geringfügig um 1,2 Prozent gesunken.